Donnerstag, Oktober 30, 2008

Die Verdienste aller deiner Heiligen


Lesung aus der Offenbarung des Johannes 7, 2-4.9-14

2 Dann sah ich vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu:

3 Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben.

4 Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen:

9 Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.

10 Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.

11 Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an

12 und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.

13 Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?

14 Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.



Im Tagesgebet vorhin haben wir gesprochen: „Allmächtiger, ewiger Gott, du schenkst uns die Freude, am heutigen Fest die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern.“
Es ist eine Freude darüber,
dass die Heiligen das Ziel ihres Lebensweges bei Gott erreicht haben;
dass sie den Mühsalen und den Anfechtungen des Lebens hier auf Erden im Namen und in der Kraft des Herrn siegreich und glorreich entronnen sind;
dass sie durch ihren Sieg nicht auf uns vergessen haben – ja, dass sie siegten nicht nur zu ihrem sondern gerade auch zu unserem Heil; weil sie jene Liebe haben, von der Jesus sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh 15:13). Sie haben es dem Herrn nach gemacht, den guten Kampf gekämpft – und den Sieg mit uns geteilt durch ihre Fürsprache und ihren Schutz. Ihrer ist der Kampf; der Sieg ist auch unser!

Ein noch tieferer Grund zu dieser Freude ist, dass sie mit uns teilhaben an den gemeinsamen heiligen Dingen: am Glauben, an den Sakramenten, besonders an der Eucharistie, an den Charismen und an den anderen geistlichen Gaben. An der Wurzel dieser Gemeinschaft ist die Liebe, die nicht „ihren Vorteil sucht“ (1Kor 13:5) sondern drängt, „alles gemeinsam“ zu haben (Apg 4:32).

Zutiefst rührt diese Freude jedoch daher, dass wir mit den Heiligen eine Gnadengemeinschaft bilden mit dem gestorbenen und auferstandenen Christus. Wir sind zutiefst und zuerst durch Christus geheiligte Heilige – wir, die wir noch unterwegs sind auf Erden und die anderen, die bereits unverhüllt die Herrlichkeit Gottes genießen und für uns eintreten.
Diese Freude soll uns besonders bewegen, wenn wir gleich anschließend unseren Glauben bekennen „an die Gemeinschaft der Heiligen.“ Sie will uns aber auch bewegen, ermutigt durch das Beispiel und die Fürsprache der Heiligen, „freudig dem Ziel unserer Verheißung entgegen zu gehen“ (Präfation), das sie bereits erreicht haben, indem sie „Gott sehen wie er ist“ (1Joh 3:2)

Der Blick auf die Heiligen und ihre Verdienste ist kein Blick empor in die kalten Tiefen des Weltalls zu den zahllosen Sternen des Himmels, die, entrückt von unserer belasteten Wirklichkeit, uns nicht Mut und Trost schenken können.
Der Blick auf die Heiligen ist ein Blick in die Tiefe unseres Herzens, wo seit unserem Anbeginn eingeschrieben steht: „Das ist Gottes Wille: Eure Heiligung!“ (1Thess 4:3) Denn als er am Anfang „den Menschen schuf nach seinem Gleichnis“ (Gen 1:27) und „in seine Nase den Lebensatem blies“ (Gen 2:7) da hat er dem Menschen diesen Willen, heilig zu werden, ins Herz gelegt als jene Ursehnsucht, die durch Christus ihre Erfüllung finden sollte.

Hören wir, wie Therese vom Kinde Jesus diesen Willen Gottes in ihrem Leben erspürte und wie sie damit umgegangen ist:

„Sie wissen, meine Mutter, ich habe immer danach verlangt, eine Heilige zu werden; aber ach! wenn ich mich mit den Heiligen verglich, stellte ich stets fest, dass zwischen ihnen und mir derselbe Unterschied besteht wie zwischen einem Berg, dessen Gipfel sich in die Himmel verliert, und dem unscheinbaren Sandkorn, über das die Füße der Leute achtlos hinweg schreiten; statt zu verzagen, sagte ich mir: Der Liebe Gott flößt keine unerfüllbaren Wünsche ein, ich darf also trotz meiner Kleinheit nach der Heiligkeit streben; mich größer machen ist unmöglich; ich muss mich ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten; aber ich will das Mittel suchen, in den Himmel zu kommen, auf einem kleinen Weg, einem recht geraden, recht kurzen, einem ganz neuen kleinen Weg. Wir leben in einem Jahrhundert der Erfindungen, man nimmt sich jetzt die Mühe nicht mehr, die Stufen einer Treppe emporzusteigen, bei den Reichen ersetzt ein Fahrstuhl die Treppe aufs vorteilhafteste. Auch ich möchte einen Aufzug finden, der mich zu Jesus emporhebt, denn ich bin zu klein, um die beschwerliche Treppe der Vollkommenheit hinaufzusteigen. Ich suchte daher in den heiligen Büchern nach einem Hinweis auf den Fahrstuhl, den ich begehrte, und ich stieß auf die aus dem Munde der Ewigen Weisheit kommenden Worte: Ist jemand GANZ KLEIN, so komme er zu mir. So kam ich denn, ahnend, dass ich gefunden hatte, was ich suchte, und weil ich wissen wollte, o mein Gott! was du dem ganz Kleinen tätest, der deinem Ruf folgen würde, setzte ich meine Erkundungen fort, und schauen Sie, was ich fand: - Wie eine Mutter ihr Kind liebkost, so will ich euch trösten; an meiner Brust will ich euch tragen und auf meinen Knien euch wiegen! Ach! niemals sind zartere, lieblichere Worte erfreuend an meine Seele gedrungen; der Fahrstuhl, der mich bis zum Himmel emporheben soll, deine Arme sind es, o Jesus! Dazu brauche ich nicht zu wachsen, im Gegenteil, ich muss klein bleiben, ja, mehr und mehr es werden.“ (Manuskript C, 237f)

Was Therese und alle Heiligen uns sagen wollen durch ihr Vorbild ist, dass wir gerade so wie sie unseren Weg, heilig zu werden, in unserer Zeit, mit unseren Mitteln und mit unseren Grenzen suchen. Auf dieser Suche ist uns der Geist des Herrn gewiss, denn jede Heiligung im Herrn ist sein Werk. Dafür wollen wir mit dem Apostel Paulus danken: „Wir müssen Gott zu jeder Zeit euretwegen danken, vom Herrn geliebte Schwestern und Brüder, weil Gott euch als Erstlingsgabe dazu auserwählt hat, aufgrund der Heiligung durch den Geist und aufgrund eures Glaubens an die Wahrheit gerettet zu werden.“ (2Thess 2:13) Denn „Gott hat sein ganzes Volk gerettet und allen das Erbe und die Königsherrschaft und das Priestertum und die Heiligung verliehen.“ (2Makk 2:17) zum Lob und zur Ehre des dreifaltigen Gottes. Amen!

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