Mittwoch, September 10, 2008

Gott hat die Welt so sehr geliebt ...


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3: 13 – 17

13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.

14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.



Gerade in diesen Tagen vor der Nationalratswahl begegnen uns in Diskussionen, in Wahlreden und auf den Plakaten zahlreiche Vorschläge, wie es den Leuten in unserem Land besser gehen soll. Freilich ist dabei nirgends von „Erlösung“ die Rede; aber es hat doch mit Erlösung zu tun, wenn die Lebensqualität steigt, indem etwa die Steuern sinken, die Arbeitslosigkeit abnimmt, die benachteiligten Menschen in unserem Land menschlich behandelt werden.

Keine Angst! Ich habe nicht vor, eine Wahlrede zu halten!

Wiewohl genau besehen eigentlich jede Predigt eine Wahlrede ist – eine Rede nämlich, die uns erleuchten und begeistern möchte, eine klare Wahl für unseren Herrn Jesus zu treffen. Ich komme also um eine „Wahlrede“ gar nicht herum!

Und wenn wir am 28. September wählen gehen, um einen Weg mitzubestimmen, auf dem es in unserem Land etwas erlöster zugehen möge, dann kann es zumal für einen Christen gewiss nur äußerst hilfreich sein, die Wahl zu betrachten, die Gott getroffen hat, um alle Menschen zu erlösen.

Diese Wahl, die Gott getroffen hat zur Erlösung aller Menschen wird durch das heutige Fest auf das Kreuz gerichtet. Diese Wahl Gottes wird durch Lesung und Evangelium gleichermaßen getroffen.

In der Lesung hörten wir, wie Jesus das Kreuz erwählt hat:
„Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2:6-8)
Und im Evangelium war zu lesen: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab ... damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3:16f.)

Angesichts dieser Wahl, die Gott getroffen und vor 2000 Jahren vollzogen hat ist es müßig zu fragen, hätte Gott uns nicht auch anders, sprich auf bequemere, erträglichere Weise erlösen können. Wer so fragt, vermag in der Torheit des Kreuzes Gottes Weisheit nicht zu erkennen. Diese Weisheit Gottes wird nur einsichtig im Glauben. Darum schreibt der hl. Paulus in 1 Kor 1:21-24: „Gott beschloss, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“

So wollen wir uns die Augen nicht halten lassen vom tödlichen Schrecken des Kreuzes sondern das Licht der Liebe Gottes anschauen, aus dem es herausgewachsen ist. Diese Liebe in Verbindung mit dem Kreuz zeigt uns, dass Gott kein Weg zu weit und zu schwer, keine Hingabe zu unbegreiflich und zu tödlich ist, um uns Gutes zu tun – und zwar endgültig, vollkommen, überfließend Gutes; Jesus nennt es im Evangelium schlicht „Leben in Fülle“! (Joh 10:10)

So stehen wir im Kreuz vor einem Zeichen ursprünglich gegen die Liebe; das jedoch in vollkommener Liebe angenommen und durchlitten selber zu einem Zeichen der Liebe geworden ist.

Als Gott das Kreuz erwählte, war es eine Wahl zu unserem Heil. Nehmen wir im Blick auf unser Lebenskreuz diese Wahl Gottes mit liebender Aufmerksamkeit wahr und vollziehen wir sie mit möglichster Entschlossenheit nach. Dann wählen auch wir das Kreuz zu unserem Heil und zu Gottes Ehre.
Und was die kommenden Wahlen angeht: So bitten wir um die Weisheit Gottes, dass die Torheit dieser Welt nicht überhand gewinnt, denn ohne das Kreuz wird es auf keinen Fall abgehen. Der Herr sei auf jeden Fall gepriesen in Ewigkeit! Amen!

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