Freitag, September 26, 2008

Geh und arbeite!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 21: 28 – 32

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:

28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!

29 Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.

30 Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.

31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.

32 Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.



„Später reute es ihn und er ging doch!“ (Mt 21:30b)

Der Auftrag des Vaters an seine beiden Söhne lautete gleich und ist unmissverständlich: „Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!“ Der erste Sohn sagt: „Ja!“

Nehmen wir dieses Ja als Zeichen seiner ernsten Bereitschaft, den Willen des Vaters zu erfüllen. Sehen wir es als den Anfang eines Weges, der enden sollte in der Erfüllung des väterlichen Willens. Wir sollten ihm nicht von Anfang an unterstellen, dass er heuchelte und nicht tun wollte, was er sagte. Er war mit seinem JA bereitwillig beim Vater, ist dann aber allmählich zu sich gekommen, hat in sich das Nein zum Vater entdeckt und ist diesem Nein erlegen.

Er gleicht Adam, dem ersten Menschen, der bei seiner Erschaffung reines Abbild und Gleichnis Gottes war; wir können sagen: er war ungetrübtes Ja zu Gott und zu dem, was er wollte. Doch hat er dann mit Hilfe des Bösen in Gestalt der Schlange das Nein zu Gott entdeckt, ließ sich von der vermeintlichen Köstlichkeit dieses Nein betören, ist ihm verfallen und setzte es in der Tat – zu seinem bitteren Erwachen!

Er gleicht weiters dem großen, weisen König Salomon, der sich zu Beginn seiner Regierung ein hörendes Herz von Gott erbeten hat – der dann aber am Ende seiner Jahre, beeinflusst von seinen zahlreichen heidnischen Frauen, sich vom wahren Gott abwandte und dem Götzendienst verfallen ist.

Wir sollten den 1. Sohn schließlich in uns selber sehen in Erinnerung an unsere erste Begeisterung im Glauben und an unsere erste Liebe. Wo ist sie geblieben? Brennt sie immer noch in unverminderter Heftigkeit und Hingabe? Oder müssen auch wir uns anhören, was dem Engel der Gemeinde in Ephesus gesagt wurde: „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“ (Offb2:4f.)

Erinnern wir uns, wenn wir eben von der Beichte kommen: Die Kraft der Seele gestärkt durch das Sakrament der Versöhnung. Das Herz ganz bereit, den Willen unseres Vaters im Himmel zu erfüllen. Doch ach! Es gerät allmählich in Vergessenheit, was uns in der Beichte geschenkt wurde; das Bild des Vaters verblasst in uns; seine Gegenwart beeindruckt uns nicht mehr – und ehe wir uns versehen sind wir wieder einer unserer gewohnten Schwächen erlegen und handeln gegen des Willen des Vaters: Wir sagten „Ja“ und handeln „Nein“.

Schauen wir nun auf den anderen Sohn: Dem ist der Wille des Vaters gleich zuwider und er sagt das auch unverzüglich: “Ich will nicht!“ Doch dann heißt es von ihm: „Später reute es ihn aber und erging doch!“ Er hat sein Nein nicht versteckt hinter einem vorgetäuschten Ja, um vor dem Vater gut dazustehen sondern dem Vater gleich gesagt, dass er nicht will – auch wenn er ihn dadurch traurig machen sollte und er nicht das Gefallen des Vaters findet. Doch wie das Nein aus ihm heraußen ist, ist Platz frei geworden in ihm. Und in diesem freien Raum konnte sich das Nachsinnen entfalten und die Frage auftauchen: Ja, warum eigentlich nicht? Was wäre denn dabei, wenn ich im Weinberg arbeite? Er überlässt sich dem Prozess der Reue, der ihn zur Umkehr und in den Weinberg führt, um dort zu arbeiten. Er sagte „nein“ dann tut er aber „ja.“

Und auch diesen Sohn entdecken wir in uns immer dann, wenn wir nach einer Auflehnung gegen den Herrn durch Umkehr und Buße hinfinden zum Tun seines Willens: Wir sind darin dem Petrus vergleichbar, der Jesus verrät und mit den anderen Jüngern verlässt, dann aber durch Umkehr sich erneut von Jesus in die Nachfolge rufen lässt. (vgl. Joh 21:15-19)

Oder erinnern wir uns an Saulus, der in der Verfolgung der Jünger Jesu ein äußerst heftiges Nein zum Herrn sagte und dann durch die Begegnung mit Jesus und durch Umkehr zu einem leidenschaftlichen Ja zum Herrn geworden ist. Der, der die Christen einst verfolgte, verkündigt dann den Glauben, den er einst zu vernichten suchte; und sie verherrlichten Gott um seinetwillen. (vgl. Gal 1:23f)

Eines ist gewiss: Es geht dem Vater darum, dass sein Wille erfüllt wird; was seine Söhne vorher sagen ist zweitrangig – was zählt ist, ob sein Wille geschieht oder nicht. Es geht ihm ums Tun nicht ums Reden; um Taten nicht um Worte.

In der Anwendung auf das Verhalten der Hohenpriester und der Ältesten des Volkes sagt Jesus, was mit der Arbeit im Weinberg näher gemeint ist: den Weg der Gerechtigkeit gehen. Johannes hat ihnen diesen Weg gezeigt: Am Jordan hat er ihnen zugerufen: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!“ (Mt 3:8) Und dann erklärt er, was er unter dieser Frucht versteht: „Wer zwei Unterkleider hat, teile dem mit, der keins hat; und wer Speise hat, tue ebenso!“ (Lk 3:11)
Die schönste und herrlichste Frucht dieser Umkehr zeigt er ihnen aber in der Nachfolge Jesu, auf den er hinweist: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt.“ (Joh 1:29)
Diese Frucht haben die Zöllner und Dirnen erbracht. Sie haben dem Johannes geglaubt und die Gemeinschaft mit Jesus gesucht. Darum kommen sie eher in das Reich Gottes als die Hohenpriester und Ältesten des Volkes.
Auch wir wollen uns von Johannes den Weg zum Herrn weisen lassen und diesen Weg entschlossen gehen. Wir wollen seine Gemeinschaft aufsuchen, wo immer sie sich bietet: Im Gottesdienst, im Gebet, in den Sakramenten, im geschwisterlichen Dienst, in Jubel und Dank über das Große, das Gott an uns tut in Schöpfung und Geschichte. Wir wissen, mit ihm wird unser Weg hier auf Erden zum Lauf, der sich in der Herrlichkeit des Himmels vollendet (vgl. Tagesgebet). Er ist es, der den ersten Sohn in uns in den zweiten umwandelt und uns vom Reden zum Tun führt; der uns aus Menschen vieler Worte zu Menschen der Tat macht, zu Menschen, deren Speise es ist, den Willen des Vaters im Himmel zu tun. (vgl. Joh 4:34) Amen!

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