Donnerstag, August 28, 2008

Im Sinn haben, was Gott will!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 16: 21 – 27


In jenen Tagen

21 begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.

22 Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!

23 Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

24 Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

26 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?

27 Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.




„Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will sondern was die Menschen wollen.“
Wie müssen diese Worte den Simon wohl getroffen haben? Ihn, den der Herr unmittelbar vorher noch Petrus, den Felsen nannte, auf den er seine Kirche bauen wolle, weil er ihn als den Messias, als den Sohn des lebendigen Gottes erkannte? Hat er das Felsenwort Jesu zu einseitig als Lob und Erhebung verstanden so dass er überheblich wurde und oberflächlich? Dass er glaubte, nun nicht mehr Hörender und Empfangender sein zu müssen und aktiv Handelnder sein zu dürfen, indem er Jesus beiseite nahm, um ihn wegen seiner Leidensankündigung zu tadeln und zurechtzuweisen?

Denn was nicht Fleisch und Blut dem Simon offenbarte sondern der Vater im Himmel, das machte den Simon zum Petrus, das bestätigte ihm seine Offenheit für den Willen Gottes im Gegensatz zur Offenheit für bloß menschliche Einsicht. Diese Bestätigung war aber zugleich Auftrag, weiter offen zu bleiben für das, was Gott will. Nur in dieser bleibenden Offenheit für Gottes Willen kann er Fundament der Kirche Jesu sein. In der Einsicht, dass Jesus der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes ist, hat Gott ihm die Tür geöffnet zur Erkenntnis Jesu. Da muss Petrus sich nun tiefer einführen lassen.
Jesus will das tun; aber sein angekündigtes Leiden verschließt den Petrus in der Angst vor eben diesem Leiden. Diese Angst, die menschlich nur allzu verständlich ist, versperrt den Petrus dafür, wie Jesus Messias sein sollte nach dem Willen Gottes: nämlich durch Leiden und Tod hindurch in die Auferstehung. Der Simon ist im Petrus noch nicht gestorben und verführt ihn zu einer rein menschlichen Sichtweise vom Messiassein Jesu; der Simon hat dem Petrus die Ohren verstopft. Simon, der alte Mensch des Fleisches hat den Petrus, den neuen Menschen im Geist, taub gemacht! Dies wurde zudem dadurch erleichtert, dass das jüdische Volk einen Messias in Macht und Herrlichkeit erwartete; diese jüdische Erwartung konnte es nicht ertragen, dass dieser Messias zuvor als Leidender und Sterbender komme, der von Gott in die Herrlichkeit der Auferstehung geführt werde um schließlich mit seinen Engeln in der herrlichen Hoheit des Vaters zu kommen.
Wir möchten dem Petrus gerne zurufen: Öffne erneut deine Ohren! Höre nicht nur, was der Vater dir unmittelbar geoffenbart hat! Höre auch, was er dir durch seinen Sohn offenbart! Und wenn du schon Jesus als den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes, erkennst, so erkenne und höre auch, dass Gott deshalb auch durch eben diesen Jesus zu dir spricht!

Der Messiasweg Jesu führt nicht an Leid und Tod vorbei sondern durch Leiden und Tod hindurch zur Auferstehung. Im Annehmen, Durchtragen, Durchleiden von Leid und Tod werden sie in der Auferstehung von Jesus überwunden und besiegt.
Es ist ein Sieg für uns! So dass Jesus auch von seinen Jüngern verlangen kann, dass sie in der Selbstverleugnung ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen. In seiner Nachfolge, in ihm also, ist ihnen dies möglich; wird auch ihnen das Kreuz nicht zum Untergang sondern der Weg zu Erlösung und ewigem Heil.
Den Ruf in die Kreuzesnachfolge wiederholt Paulus in der Lesung: „Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst.“ (Röm 12,1)
Jesus ist bereit zu diesem Gottesdienst in der lebendigen und heiligen Opferhingabe seines Lebens. Er vollzieht diesen Gottesdienst in seinem Leiden und in seinem Sterben am Kreuz. Zu diesem Gottesdienst befähigt, was Paulus dann weiter schreibt: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ (Röm 12,2) Zu diesem Gesinnungswandel wird Simon durch die bittere Zurechtweisung im heutigen Evangelium aufgefordert; dazu werden auch wir eingeladen, indem wir unsere Einstellung zu Leid und Kreuz ändern. Diese Änderung ist eine Erneuerung unseres Denkens im österlichen Licht. Von Jesus, dem Auferstandenen her, scheint uns dieses Licht, in dem wir prüfen und erkennen können, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist – gerade auch in den dunklen Stunden und auf den Kreuzwegen unseres Lebens. Und erkennen wir in diesem Licht, wie konkret Jesus um sein Kreuz Bescheid weiß und Bescheid gibt: Er nennt den Ort, wo ihn das Kreuz erwartet; er nennt die Leute, die ihm das Kreuz bereiten; er nennt die Form, in der ihn das Kreuz erwartet.
Auch wir sollen unser Kreuz konkret anschauen und benennen – so wie es uns begegnet an den Orten unseres Lebens, in den Menschen an unserer Seite, in der Last, mit der es auf uns lastet. Und so, wie wir es empfinden sagen wir: „Ich nehme es an und trage es Jesus nach!“
Dieses österliche Licht lässt uns gerade auch in der Kreuzesnachfolge Jesu beten: Allmächtiger Gott, von dir kommt alles Gute. Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein. Binde uns immer mehr an dich, damit in uns wächst, was gut und heilig ist. Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Ist das nicht wunderbar: Im Kreuz verborgen und dunkel Gutes zu erkennen, das Gott uns bereitet zu unserer Erlösung und zu unserem Heil? Durch das Kreuz nicht von Gott getrennt sondern an ihn gebunden zu werden? Und dass in dieser Kreuzesbindung an Gott in uns wächst, was gut und heilig ist?
Gott wird gewiss über uns wachen und erhalten, was er auf diesem Kreuzweg in der Nachfolge seines Sohnes in uns wirkt uns und den Unsrigen zum Heil und ihm zur Ehre! Amen!
Petrus, was muss ich heute von dir hören? Der Herr nennt dich Satan? Und: Weiche von mir?“ Dabei hat er dich eben noch Petrus – Felsen genannt, auf dem er seine Kirche bauen möchte?
Eben hat er dich Fundament seiner Kirche genannt, das die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden! Jetzt nennt er dich Satan, dessen Ziel es ist eben diese Kirche des Herrn zu zerstören!
Was ist da geschehen? Ist da jener wankelmütig geworden dessen Urteile wahr und gerecht sind und die dauern von Geschlecht zu Geschlecht? Er, der einzig Treue und Verlässliche?
Oder bist du von einem Felsen zu einem Sandhaufen geworden, der von einer Welle des Meeres weggespült wird?
Von welcher Höhe bist du gefallen – von einem Augenblick auf den anderen!?
Von wem hast du dich betören lassen? Hat dir nicht der Herr gesagt, von wem du geoffenbart bekamst, dass er der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes sei? Dass es sein Vater im Himmel ist, der dich dies wissen ließ? Und dass nicht Fleisch und Blut dich diese Wahrheit erkennen ließen?
Gott wollte dich betören durch diese Einsicht! Du aber ließest dich lieber betören von menschlicher Angst vor Leid und Tod? Vielleicht weil du noch nicht erlebt hast, dass es möglich ist, Leid und Tod zu überwinden; vielleicht weil du noch nicht von Ostern her leben konntest; vielleicht weil der Herr von dir verlangte, zu glauben, ohne es zu erleben was du kurze Zeit später erleben solltest – erst wieder auf Grund deines Glaubens – nämlich dass er von den Toten auferstanden sei: Und du für diesen Glauben noch nicht bereit warst?
Hast du nicht erkannt, wie unverdient und von dir ungeplant du diese Berufung geschenkt bekamst? Und was diese Berufung von dir verlangt: Nicht, dass du nun selber weitermachst mit Fleisch und Blut, was der Herr in dir grundlegend durch seinen Geist begonnen hat! Sondern dass du ein Empfangender, ein Hörender bleibst für das Wort und das Wirken des Herrn?
Was also hörst du darauf, was Fleisch und Blut dir einflüstern in der Angst vor Leid und Tod? Bemerkst du nicht, dass diese Einflüsterungen dich blind und taub machen für das Ziel, in das Leid und Tod münden – nämlich für die Auferstehung!?
Gott hat dir Jesus geoffenbart als den Messias, als seinen lebendigen Sohn! So begreife doch, dass er dir die Tür aufgestoßen hat zu den unergründlichen Tiefen und den unermesslichen Reichtümern seines Sohnes! Und begreife auch, dich von eben diesem Sohn einführen zu lassen in diese unermessliche Fülle seines göttlich menschlichen Wesens. Was dir der Vater von seinem Sohn sagte sollte dich öffnen für das, was dir derselbe Sohn im Auftrag eben dieses Vaters über sich selber sagte: dass er leiden und sterben und von den Toten auferstehen werde! Was dir der Vater von seinem Sohn offenbarte sollte dich mit ihm verbinden – mit ihm dem Vater durch den Sohn und mit ihm, dem Sohn durch den Vater.

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