Donnerstag, August 28, 2008

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 16: 13 – 20

In jener Zeit,

13 als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?

14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.

15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

16 Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

17 Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Ich aber sage die: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

20 Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.



„Für wen halten die Leute den Menschensohn? Für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16:13.15)

Warum stellt Jesus diese Fragen an seine Jünger? Braucht er ihre Antwort als Orientierungshilfe für seinen weiteren Weg, über dessen Verlauf er sich nicht mehr sicher ist? Will er wissen, ob und wie er bei den Leuten und bei ihnen ankommt? Macht er es wie die Politiker vor den kommenden Wahlen? Sie befragen die Meinungsforscher, was denn die Leute so denken, damit sie sich dann möglichst nach der Meinung des Volkes ausrichten könnten, um so möglichst gut bei der Wahl abzuschneiden.

Aber Jesus richtet sich in seinem Denken, Reden und Tun nach dem Willen seines Vaters im Himmel. Von dem weiß er sich in diese Welt gesandt. Der gibt ihm Maßstab und Richtung – bis zu seinem letzten Atemzug am Kreuz! (vgl. Lk 23:46)

Wenn er also die Jünger nach der Meinung der Leute und nach ihrer eigenen fragt, so tut er’s nicht um seinetwillen sondern um seiner Jünger willen.

Die sollen durch die Fragen Jesu nämlich begreifen, dass ihr Zusammenleben mit Jesus kein seelenloses, unverbindliches Tun ist sondern etwas, das in ihrem Leben Spuren hinterlassen soll – etwa auch in der Form, dass sie sich Gedanken darüber machen mögen, wer denn dieser Jesus für sie sei und was er ihnen bedeutet. Und dann sollen sie ihre Gedanken auch ausformulieren und mitteilen, dass er selber und die anderen es hören können. Er fragt sie nicht alle einzeln unter vier Augen, er fragt sie vielmehr in der Gemeinschaft. Die Beziehung zu ihm also nicht Privatsache, sondern etwas für alle.

Dabei weiß Jesus darum, dass man über andere leichter redet als über sich selber. Darum auch die Frage zuerst, was denn die Leute so von ihm denken und für wen sie ihn halten. Dann erst die Frage: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16:15)

Dieses „aber“ deutet unmissverständlich an, dass er von seinen Jüngern eine andere Antwort hören möchte als von den übrigen Leuten. Sie stehen nämlich auch in einer anderen Beziehung zu ihm: sie leben täglich mit ihm zusammen, Aug in Aug, von Herz zu Herz! Mit Recht kann er da anderes von ihnen erwarten als von den Leuten: tieferes, größeres! Dabei ist schon groß genug, was die Leute denken: Johannes der Täufer, Elias, Jeremias oder sonst einer der Propheten! Menschlich gesehen und gedacht gibt es nach dem damaligen Verständnis keine größeren Persönlichkeiten!

Dennoch erwartet Jesus eine „größere“ Antwort und einer gibt sie: Simon Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 19:16).

Gleich stellt Jesus klar, dass diese Antwort nicht Frucht menschlicher Überlegungen ist sondern dass Simon Petrus einen besonderen Souffleur hatte: Jesu Vater im Himmel!

So lernen die Jünger ein Weiteres dazu: Menschliches Überlegen kann die Größe Jesu nicht einfangen und ihn nicht angemessen erkennen. Es braucht dazu die Weisheit, Einsicht und Erkenntnis Gottes. Jesus in seiner Fülle erkennen zu dürfen ist ein Geschenk Gottes, das er nach freiem Ermessen gibt. Darum sagt Jesus im Johannesevangelium 6:44: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt.“ Und etwas später in demselben Kapitel Vers 65: „Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.“

Dem Petrus hat’s der Vater gegeben, ihn hat der Vater zu Jesus geführt. Er hat sich dieser Führung anvertraut und sie im Messiasbekenntnis ausgedrückt. Seine Erkenntnis Jesu ist nicht Frucht eigener Überlegung; nicht Frucht von Gesprächen und Diskussionen mit anderen; sondern ein Geschenk des Himmels.
Im Vertrauen auf die Führung Gott Vaters steht Simon auf festem Grund, so dass er selber zu festem Grund, zu einem Felsen, zu Petrus wird, auf dem der Herr seine Kirche bauen will.

Wenn Jesus uns fragt: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Dann lernen wir von den Jüngern uns über Jesus Gedanken zu machen. Zuvor aber mögen wir lernen, Gott zu bitten, dass er auch uns zu Jesus führen möge, indem er unser Denken und Reden mit seinem Licht, mit seiner Weisheit – kurz und gut: mit seinem Geist begründen, lenken und vollenden möge in Christus, Jesus, unserm Herrn und Erlöser, dem die Ehre sei in alle Ewigkeit! Amen!

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