Samstag, August 09, 2008

Herr, rette mich!


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 14:22 – 33

22 Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.

23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.

24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.

25 In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.

26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.

27 Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!

28 Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.

29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.

30 Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!

31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.

33 Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.



Den Gegenwind der Jünger im Evangelium hat Elia in anderer, schmerzlicher Form erlebt: „Die Israeliten haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben!“ (1Kg 19:14) So beklagt sich Elia bei Gott! Und dabei ist er mit leidenschaftlichem Eifer für den Herrn eingetreten; d.h. er hat sich nicht geschont im Einsatz für den Herrn; er hat sich ganz hineingelegt und mit allen Kräften im Namen des Herrn gewirkt: Welcher Sturm der Enttäuschung, der Verbitterung, der Depression mag wohl in diesem Elia getobt haben!
Der Herr lässt seinen Propheten nicht in diesem Sturm allein; er lässt ihn nicht untergehen.
„Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ (1Kg 19:11a) Er ruft den Elia aus dem Sturm vor sein Angesicht. Das ist die Hand, die der Herr dem Elia reicht, um ihn zu retten – wie es Jesus mit Petrus und den übrigen Jüngern im Evangelium tut.
Es ist als wollte der Herr zu Elia sagen: Dein Eintreten für mich mit leidenschaftlichem Eifer zählt bei mir; das zeichnet dich aus;

Die 1. Lesung und das Evangelium sagen uns über Gott, dass er die Seinen in den Stürmen des Lebens nicht alleine lässt. Ja, er geht zu ihnen in den Sturm hinein, er ist bei ihnen, spricht mit ihnen, reicht ihnen die Hand und rettet sie vor dem Untergang.
Damit erweist sich Gott als treu und bestätigt, was von ihm in der Bibel gesagt wird: Dass er nämlich sein Volk in der Not nicht verlässt und dass er gerade in der Not sicherer Halt, Stütze und Stab, Rettung und Heil ist.

Auf der Linie der Bibel ist aber auch das Verhalten derer, die sich gerade im Sturm befinden: In den heutigen Lesungen Elia, Paulus, Petrus und die Jünger.
Wie verhalten sie sich im Sturm? Beginnen sie sich zu beklagen, warum das gerade ihnen passiert und wie der gute Gott so eine schlimme Situation in ihrem Leben zulassen konnte da sie doch überhaupt nichts Böses getan hätten, was so eine Strafe verdiente?
Derartige Klagen können wir immer wieder hören; die biblischen Gestalten der heutigen Lesungen verhalten sich anders: Sie drücken ihr Leid aus, dass sie bedrückt; sie erzählen Gott von dem Sturm, der in ihnen und um sie herum tobt und sie bitten diesen Gott um Hilfe: „Herr, rette mich!“ (Mt 14:30)
Wir sehen, sie gehen sehr effektiv mit ihren Kräften um, die sie gerade in der stürmischen Situation ihres Lebens notwendig brauchen. Sie quälen sich nicht ab mit Fragen, auf die es keine Antwort gibt sondern sie wenden sich gleich an Gott, von dem allein sie in ihrer Situation Hilfe erhoffen.
Das kommt gewiss auch davon, dass ihr Sturm eingebettet ist in ihre Beziehung zu Gott und dass sie als Gesandte des Herrn in diesen Sturm geraten sind: Elia wusste sich als Prophet von Gott gesendet; Paulus wusste sich vom Herrn als Apostel berufen und im Evangelium ist es Jesus, der die Jünger auffordert im Boot an das andere Ufer des Sees zu fahren.
Das Eingebettetsein in Gott und das Berufensein durch den Herrn wäre auch im christlichen Leben gegeben – durch die Taufe, die Firmung, die Ehe, die Priesterweihe; aber viele Christen wissen das nicht zu schätzen und vergessen es, so dass Gott in den Stürmen ihres Lebens bloß einen Sündenbock abgibt, den sie anklagen und dem sie die Schuld für ihr Unglück geben; das verhindert, dass sie diesem Gott ihr Leid klagten und ihn um Hilfe bäten;
Ihr Leid klagen sie vielmehr einem Psychiater und Gott bleibt die Anklage!
Wenn ich dieses brachliegende Christentum erlebe dann kommen mir ähnliche Gedanken wie dem Paulus, der in der 2. Lesung dem Herrn und der Gemeinde in Rom seinen Sturm klagt: „Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz. Ja, ich möchte selber verflucht und von Christus getrennt sein um meiner Geschwister willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind.“ (Röm 9:2f)
Und nun möchte ich aus christlicher fortfahren: Sie sind Christen, damit haben sie die Gotteskindschaft, die Herrlichkeit, den Neuen und ewigen Bund; ihnen ist das Gebot der Liebe gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Apostel und die Heiligen und dem Fleisch nach ist Christus einer von ihnen geworden.

Bedenken wir, dass Gott den Elia gerufen hat: „Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herr!“ (1Kg 19:11)
Bedenken wir, dass Jesus zu Petrus im Sturm gesagt hat: „Komm!“ (Mt 14:29)
Erinnern wir uns dankbar, dass dieser Ruf in der Taufe auch an uns ergangen ist. Seither hat der Herr diesen Ruf viele Male wiederholt: Bei der Firmung, im Sakrament der Ehe und der Priesterweihe, in der Beichte, bei jedem Gottesdienst, jedes Mal, wenn wir den Finger in das Weihwasser tauchen.
Bei jeder Gelegenheit, die wir nützen zum Gebet, zur Schriftlesung und immer, wenn uns ein Mensch in Not begegnet – ruft der Herr auch uns: Komm und stell dich vor den Herrn!
Folgen wir diesem Ruf und lassen wir uns retten! Meistern wir mit dem Herrn die Stürme unseres Lebens.
Und helfen wir im Herrn, dass andere aus den Stürmen ihres Lebens gerettet werden. Amen!

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