Dienstag, August 12, 2008

Der Mächtige hat Großes an mir getan!


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1: 39 – 56

39 Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

40 Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.

41 Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt

42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

45 Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,

47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.

50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;

52 er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.

54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,

55 das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.



„Der Mächtige hat Großes an mir getan und heilig ist sein Name.“ (Lk 1:49) So hören wir Maria im Evangelium singen. Das Große, das Gott an Maria getan hat, ist vor allem anderen, dass er sie zur Mutter seines Sohnes erwählt hat. Das ist die Urgroßtat Gottes an Maria. Dabei weiß Maria noch gar nicht, wie es mit der Geburt dieses Kindes gehen wird; sie weiß noch nicht, was alles ihr mit diesem Kind passieren wird; sie ahnt noch nichts vom apokalyptischen Drachen, der ihr Kind und sie bedrohen wird. (vgl. Offb 12:3-6a) Sie weiß nicht um die Sorgen, die ihr dieses Kind bereiten wird; sie weiß noch nicht, welche Spuren ihr Kind auf Erden hinterlassen wird. Sie weiß von all dem noch gar nichts – und dennoch singt sie: Der Mächtige hat Großes an mir getan. Sie singt es allein auf die Verheißung des Engels hin, dass sie ein Kind gebären werde, dem sie den Namen Jesus geben solle; dieses Kind werde groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; Gott, der Herr, werde ihm den Thron seines Vaters David geben; er werde über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. (vgl. Lk 1:31ff)
Sie singt, weil sie der Botschaft des Engels Glauben schenkt; diesen Glauben schenkt sie so Gott selber; sie glaubt Gott, der ihr den Engel geschickt hat.
Sie singt, weil sie glaubt, dass der Höchste nicht anders kann, als Großes an ihr zu tun!
Sie singt weil sie nur Großes denken kann vom Großen, vom Allmächtigen, vom Höchsten!
Selig ist sie, weil sie glaubt, dass sich erfüllen wird, was der Herr ihr sagen ließ. (vgl. Lk 1:45)
Diese Seligkeit aus dem Glauben lässt sie singen, dass der Herr Großes an ihr getan hat.
Maria hat gewiss hineingeahnt in dieses Große, in seine Tiefe und Breite, in seine Höhe und Weite; sie hat in diesem Großen bereits jenes erspürt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große nämlich, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben? (vgl. 1 Kor 2,9).
Maria hat in ihrem Glauben dem Großen keine Grenze gesetzt, das der unbegrenzt Große an ihr getan hat.
Wir dürfen im Rückblick auf ihre Lebensgeschichte und im Hinblick auf die Vollendung ihres Lebens im Himmel, die wir heute feiern, einstimmen in ihren Gesang: Ja, der Herr hat wirklich dein ganzes Leben hindurch Großes an dir getan, jungfräuliche Mutter Maria! Dein Leben war von deiner unbefleckten Empfängnis an bis zu deiner leiblichen Aufnahme in den Himmel eine einzige unaussprechliche Großtat an dir und an der gesamten Menschheit.
Wir sehen nämlich an dieser Frau, was mit einem Menschen geschieht, der Gott ganz in sein Leben einlässt, in dem er sagt: „Ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe wie du es gesagt hast!“ (Lk 1:38) Diesen Menschen lässt Gott auch ganz in sein Leben ein! So wie sie die Gottheit in ihrem Sohn Jesus ganz in ihr Leben aufgenommen hat so hat Gott sie mit Leib und Seele ganz zu sich in sein Leben aufgenommen.
So ist Maria für uns zu einem Zeichen der Hoffnung! Denn wie für sie gilt auch für uns: Je mehr Gott in uns desto mehr wir in Gott! Dies soll uns trösten und uns auf Maria und auf alle jene Zeichen schauen lassen, in denen der Herr Großes an uns tun möchte. Ich meine jene Zeichen, in denen uns seine besondere Nähe zugesagt ist, jene Zeichen, in denen auch wir seinen Sohn empfangen dürfen: Vorab und grundlegend in der Taufgnade, dann im Wort der Hl. Schrift, im Brot des Lebens in der Eucharistie, im Wort der Versöhnung in der Beichte, in den bedürftigen Nächsten.
In all diesen Zeichen will Gott durch Jesus Christus bei uns, in uns sein – zu unserem Heil, zu unserer Befreiung und Erlösung, zu unserem Glück und Frieden. So will der Herr hier und heute Großes auch an uns tun. Und er will uns damit keinen geringeren Himmel verkosten lassen als jenen, in den er Maria mit Leib und Seele aufgenommen hat. Nehmen wir mit Maria gläubig dieses Geschenk an; sagen wir mit ihr: Ich bin die Magd, der Knecht des Herrn! Mir geschehe nach seinem Wort!

Doch hören wir noch, wie Maria dann weiter singt: ... „und heilig ist sein Name!“ (Lk 1:49b) Das Große, das Gott an ihr getan hat lässt sie nicht bei ihr stehen bleiben; lässt sie nicht um sich selber kreisen und dabei den Herrn vergessen; es führt sie zur Heiligung seines Namens; sie preist den Namen Gottes, indem sie ihn heilig nennt – und ihn in der Tat heiligt durch den Liebesdienst an ihrer Verwandten Elisabeth.
Das ist ein sicheres Kennzeichen, dass der Herr Großes tut in unserem Leben, wenn uns dies zum Dank und zum Lobpreis seines Namens im Wort und in der tätigen Nächstenliebe führt, und so die Vaterunserbitte Wirklichkeit wird: „geheiligt werde dein Name!“ (Mt 6:9c)

Die Himmelfahrt Mariens macht abschließend und krönend deutlich, wozu sie berufen ist und wozu auch wir berufen sind: Ein Lob von Gottes herrlichem Namen zu sein! Amen!

Keine Kommentare: