Samstag, Juli 26, 2008

... und kaufte den Acker


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 13: 44 – 52

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.

46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

47 Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen.

48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.

49 So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen

50 und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.

52 Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.




Wenn Jesus vom Himmelreich redet, dann spricht er von einer unergründlichen Wirklichkeit, die wir nur teilweise erfassen können. Deshalb kann Jesus sich auch nicht mit nur einem Gleichnis vom Himmelreich begnügen sondern er erzählt deren mehrere; heute sind es drei Bilder, in denen er uns das Himmelreich nahe bringen möchte: Der Schatz im Acker; die kostbare Perle; das Fischernetz.

Bei allen drei Gleichnissen heißt es zudem nicht: Das Himmelreich ist der Schatz im Acker oder die kostbare Perle oder das Netz voller Fische. Jesus setzt das Himmelreich nicht einer fixen Größe gleich.
Vielmehr sagt Jesus: Mit dem Himmelreich ist es wie ... und dann erzählt er eine Kurzgeschichte, in der ein Prozess abläuft.

So gehört zum ersten Gleichnis vom Himmelreich nicht nur der Schatz dazu sondern auch der Acker, in dem der Schatz verborgen ist. Es gehören zudem der Finder dazu und sein Umgehen mit dem glücklichen Fund.
Himmelreich ist also nicht nur das Finden eines unermesslichen Schatzes sondern auch das Aneignen dieses Schatzes – und zwar ein rechtmäßiges Aneignen, so dass der Schatz wirklich ganz dem Finder zu eigen ist und er ihn gleichsam mit gutem Gewissen genießen kann: das bedeutet, dass er nicht den Schatz sondern den Acker kauft, in dem er den Schatz gefunden hat.
Und last but not least gehört zum Himmelreich dazu, dass beim rechtmäßigen Erwerben des Schatzes der glückliche Finder alles verkauft, was er besaß.
Jedes Gleichnis enthält eine Schule des Himmelreiches, in der wir lernen können, was das Himmelreich für uns bedeuten und wie wir in rechter Weise mit ihm umgehen bzw. wie das Himmelreich recht mit uns umgehen kann.
So ist das Himmelreich etwas unermesslich Wertvolles, das in etwas verborgen ist, was ihm scheinbar widerspricht und wir gar nicht mit „Himmelreich“ verbinden – in unserem Fall der Acker.
Nun können wir den Schatz des Himmelreiches aber nur im „Unschatz“ des Ackers erwerben. „Acker“ bedeutet Mühe, Plage, Arbeit, Leiden, Kreuz, Sterben. In all dem Schweren entdecke ich nun einen Schatz – der für mich aber erst zugänglich wird, indem ich mir den „Acker“ ganz aneigne; Jesus würde sagen, indem ich „täglich mein Kreuz auf mich nehme – und ihm so folge“ (Lk 9:23) Dies bedeutet: In den Acker eindringen, in den Alltag und seine Mühen, seine Verletzungen – und dort den Schatz zu finden und zu genießen, nämlich die Gemeinschaft mit Jesus, die Nähe zu ihm, die Freundschaft mit ihm. Es gilt den Acker zu schätzen um des Schatzes willen, den er birgt.

Genau das hat Marthe Robin gemacht: Sie lebte von 1902-1981, war eine Bäuerin, die seit dem Alter von 18 Jahren bis zu ihrem Tod mit 78 Jahren, bettlägerig war. 1929 empfing sie die Stigmata, und lebte viele Jahrzehnte nur von der Kommunion. Sie gründete die „Foyers,“ was soviel wie „Feuerherde der Liebe“ bedeutet. „Foyers“ sind Gemeinschaften von Priestern und Laien, die durch ihr Leben des Gebetes und der Arbeit Zeugnis geben. Marthe Robin hat in ihrem Bauernhof mehr als 100.000 Personen empfangen und einige der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit gekannt. Durch ihren Rat, ihre Tröstungen und Ermutigungen, hat sie das Leben von Hunderten von Menschen verändert. Die Gründer einiger neuer geistlicher Bewegungen in der katholischen Kirche kannten sie, und holten bei ihr Rat.

Wir können sagen, Marthe Robin hat täglich den Acker gekauft und so den Schatz erworben, der darin vergraben war. Sie hat den Schatz für sich und die Vielen erworben, die zu ihr kamen um Beistand, Kraft und Rat für die Wege ihres Lebens.
Erleuchtet und gestärkt vom Wort des Herrn und vom Beispiel der Marthe Robin wollen auch wir den unermesslichen Schatz entdecken, der im Acker unseres Lebens verborgen ist. Unverzüglich, mutig und entschlossen wollen wir alles geben, um den Acker zu kaufen, der den Schatz des Himmelreiches enthält, die Freundschaft mit unserem Herrn Jesus Christus, der gelobt sei in alle Ewigkeit! Amen!

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