Freitag, Juli 04, 2008

Niemand kennt den Vater, nur der Sohn ...


Das Evangelium nach Matthäus 11:25 – 30

25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

27 Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

30 Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.



Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will!

Mit diesen Worten spricht Jesus eine wichtige Frage an – die Frage nach Gott. Wie kann ich Gott kennen lernen? Wie kann ich Gott erkennen, erfahren, erleben? Wo und wie soll ich Gott suchen?

Vielleicht denken sich manche: Diese Frage ist nicht mehr aktuell! Diese Frage ist ein alter Hut, den heute niemand mehr aufsetzen will! Ich antworte darauf: Die Frage ist heute aktuell wie eh und je und mehr denn je! Denn jeglicher Götzendienst, der gerade auch heute betrieben wird, lebt von dieser Frage. Allein schon das Wort „Götze“ verrät dies Streben: Götze ist ein Abgott, ein Irrgott! Ein Gott, der uns auf Irrwege, auf Abwege führt. Es ist ein Gott, den wir auf falsche Weise, auf falschen Wegen, an falschen Orten suchen – aber es ist im Grunde Gott selber, den wir dabei suchen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Jeglicher Götzendienst offenbart eine Unruhe unseres Herzens – die jedoch allein bei Gott zur Ruhe findet.

Die Frage nach Gott, das Suchen nach Gott ist uns als Geschöpf von unserem Schöpfer in die Wiege gelegt; unser Fragen und Suchen nach Gott ist ein Fragen und Suchen nach unserem Ursprung. Es stellt die Frage: Woher komme ich?
Es spricht nun für das Erbarmen Gottes, dass er uns diese Frage ins Leben eingeschrieben hat und uns damit nicht allein lässt; er überlässt uns mit dieser Frage nicht einem ziel- und planlosen Suchen, er schickt uns mit dieser Frage nicht auf zahllose Irrwege.
Nein, er hat uns gerade im heutigen Evangelium den Weg gezeigt, auf dem wir die Antwort auf diese Frage finden können. Dieser Weg führt nicht über die Weisheit und Klugheit dieser Welt sondern dieser Weg führt mit den Worten unseres Vorspruches zu Jesus: „Niemand kennt den Vater nur der Sohn!“ Zudem hat Gott uns auch mit jener Haltung ausgerüstet, mit der wir von Jesus diese Antwort bekommen können: Es ist die Haltung des gläubigen Bittens: „Herr, zeig uns den Vater!“ (Joh 14,8f) Und es ist die Haltung des gläubigen Gehorsams, die uns die Antwort Jesu auch annehmen lässt!

So können wir uns Gottes nicht bemächtigen auf dem Weg der Weisen und Klugen; vielmehr möchte Gott sich unser bemächtigen, indem Jesus uns beschenkt mit der Offenbarung Gottes; dieses „Sich beschenken lassen“ ist die Haltung der Unmündigen.

Damit ihr besser verstehen könnt, was ich meine, möchte ich euch erzählen, wie es mir einmal bei der Vorbereitung einer Predigt ergangen ist: Ich kam spät abends nach Hause zurück. Auf dem Anschlagbrett konnte ich lesen, dass ich am nächsten Tag, einem Sonntag, für eine hl. Messe am Vormittag eingeteilt war. „Aha,“ dachte ich mir, „dann musst du jetzt noch gleich die Predigt machen.“ Nachdem ich also mein Reisegepäck verräumt hatte, setzte ich mich an den Laptop, und wollte die Predigt machen. Aber da kam nichts; ich war müde; der Kopf war leer, das Herz kalt! Ich konnte nichts schreiben. Nach einigem Überlegen kam ich so weit, dass ich mich mit meinem „Predigt-machen-wollen“ unter den Weisen und Klugen vorfand, von denen Jesus im Evangelium spricht. Und dann fragte ich mich: Wie müsste wohl die Haltung des Unmündigen ausschauen, dem Gott sich offenbart? Und mir wurde klar: Josef, du gehörst dann zu den Unmündigen, wenn du jetzt nicht mehr weiter über der Predigt herumkopfst, sondern zu Bett gehst in der einfachen Erwartung, dass der Herr es den Seinen im Schlafe gibt! (vgl. Ps 127,2)
So ging ich zu Bett und bin auch gleich eingeschlafen. In der Frühe erwachte ich eine Stunde früher als geplant. In dieser Stunde vor dem Aufstehen kamen die Gedanken, die ich euch eben darlege.
Beim Morgengebet dann und bei der anschließenden Stunde Betrachtung geriet ich erneut in Versuchung, ein Kluger und Weiser zu werden, indem mich Gedanken über die Predigt beim Beten ablenken wollten. Diesen Ablenkungsmanövern habe ich anhaltend Widerstand geleistet und bin ein Unmündiger geworden, indem ich mich wie Maria zu Füßen des Herrn gesetzt habe mit der Absicht, ihm diese Gebetszeit zweckfrei zu schenken und einfach bei IHM zu sein und offen zu bleiben für das, was er mir in dieser Stunde des Gebetes schenken möchte. (vgl. Lk 10, 38-42)

So ist es mir gelungen als Unmündiger mit der Last meines Predigtdienstes zum Herrn zu kommen, bei ihm zu bleiben und mich von ihm beschenken zu lassen mit der Botschaft von seinem Vater. Auf diese Weise habe ich von Jesus gelernt. Auf diese Weise habe ich Ruhe gefunden – für meine Seele und für die Nacht. Ich habe zudem entdeckt, dass das Joch, von dem Jesus spricht, das Joch wahrer Gotteserkenntnis ist und die Last die er meint, jene Erkenntnis meiner Unmündigkeit und Schwachheit ist, die mich stark sein lässt in IHM. (vgl. 2 Kor 12, 10) So hat der Herr in mir den Törichten erwählt, um den Weisen zu Schanden zu machen, und den Schwachen hat er in mir erwählt, um den Starken zu beschämen. (vgl. 1 Kor 1,27) Und ich habe in etwa erahnt, was Paulus meint, wenn er schreibt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark!“ (2Kor 12,10)

Lassen wir uns abschließend das Joch und die Last, die Jesus uns auflegen möchte, vom Propheten Ezechiel beschreiben: „Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“ (Ez 36, 25-27).

Der Herr mache uns dieser Last würdig; mit Freuden mögen wir unseren Nacken unter dieses Joch beugen – denn dieses Joch bedeutet unsere Erlösung, diese Last unsere Befreiung. Amen!

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