Montag, Juli 21, 2008

Lasst beides wachsen bis zur Ernte!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13: 24 – 30

In jener Zeit

24 erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

25 Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.

26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

27 Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

28 Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29 Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.

30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.


Unkraut im Acker oder im Garten! Wen hat das nicht schon beschäftigt, der Anbau betreibt im Kleinen oder im Großen? Wer et was hält auf seinen Garten ist hin und hin beschäftigt, Unkraut auszujäten, sobald es sich zeigt. Undenkbar, dass er wartet bis zur Erntezeit. Das Unkraut würde ja dem guten Gewächs die Kraft nehmen; darum muss es heraus – so schnell wie möglich. Wer heute also einen Garten beim Haus hat, wird sich gewiss in den Reihen jener Knechte wieder finden, die das Unkraut sogleich ausreißen gehen wollen.

Der Herr im Gleichnis sagt jedoch: Nein!
Nicht weil er zu faul zum Jäten wäre – diese Arbeit würden sowieso seine Knechte machen;
auch nicht weil man das Unkraut nicht von der Saat unterscheiden könnte und man deshalb versehentlich Weizen für Unkraut und umgekehrt halten könnte;
sondern aus Rücksicht auf den Weizen: Sie könnten zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen! Der Weizen soll ganz ausreifen können bis zur Ernte! Lasst beides wachsen bis zur Ernte!
Diese Geduld ist nicht Schwäche, die sich des Bösen nicht erwehren kann; die um das Böse gar nicht weiß. Der Herr im Gleichnis weiß um das Unkraut und woher es kommt.
Diese Geduld kommt von der Liebe zum Guten. Das Gute soll in keiner Weise beeinträchtigt werden – auch nicht durch den Eifer, der das Böse vorzeitig ausrotten will.

Das Gleichnis des heutigen Evangeliums hat mit unserem Leben mehrfach zu tun. Es will uns sagen, dass das Reich Gottes nicht nur mit Weizen sondern auch mit Unkraut zu tun hat.
Unsere Kirche ist auf das Reich Gottes hingeordnet und auch sie hat mit guter Saat zu tun und auch mit Unkraut. Mit Unkraut plagen wir uns etwa wenn in unserer Pfarre oder in unserer Kirche etwas geschieht, das unserem religiösen Empfinden zuwiderläuft. Unkraut wird uns aber auch über die Medien zum Teil sogar genüsslich dargeboten, wenn von Konflikten und von Fehlhaltungen in unserer Kirche des Langen und Breiten berichtet wird. - Nun, wie umgehen damit?
Unkraut darf beim Namen genannt werden. Doch mit dem Ausreißen Vorsicht! Es könnte Gutes zu Schaden kommen. Dieses Gute übersehen wir bisweilen im Übereifer.
Wir vergessen, dass unsere erste Aufgabe nicht die ist, das Unkraut auszurotten.
Unsere erste Aufgabe ist es, das Gute zu sehen, zu fördern, zu bewahren.
Nicht unsere Abneigung gegen das Ungute soll zuerst wachsen, sondern unsere Zuneigung zum Guten. Das will uns der Herr im Gleichnis durch sein Verhalten sagen.

Wie also wird das Unkraut vernichtet?
Indem die gute Saat über alles geliebt wird. In dieser Liebe zum Guten hat das Böse dann nicht mehr die Spur einer Chance. Denn das Böse und sein Einfluss leben alleweil von der Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Durch unsere Aufmerksamkeit auf das Gute wird das Böse machtlos.

In der vorrangigen Aufmerksamkeit auf die gute Saat werden wir auch jenen Zeitpunkt erwarten, den der Herr als Ernte bestimmt hat und das ist dann die Stunde der Klarheit darüber, was nun guter Weizen und was Unkraut ist.

Die Haltung des Herrn im heutigen Gleichnis können wir wohl noch besser mitvollziehen, wenn wir uns selber, unser Herz, unser Leben als jenen Acker anschauen, in den sowohl der Herr gute Saat wie auch sein Feind Unkraut gesät hat. Denn in der Tat ist auch bei uns Weizen neben Unkraut vorzufinden und beides wächst und beides ist auch bei uns nur zu oft untrennbar verbunden. Denn bei wem ist es noch nie geschehen, dass sich seinem besten Wollen auf einmal zweifelhafte und dunkle Absichten beimengen – oft ohne, dass er dies bemerkt? Später erst wird ihm das Unkraut bewusst, das sich auf einmal unter seinem Weizen befindet.
Und auch hier: Geduld, wachsen lassen bis zur Ernte – aus Liebe zur guten Saat. Dieses Zuwarten bietet uns selber und anderen die Chance, dass das Böse durch das Gute besiegt wird.

So wollen wir beten:
Heiliger Gott du allein bist der Richter über Gut und Böse. Hilf uns, dass wir nicht über andere urteilen und gib uns die Kraft, uns für das Gute zu entscheiden. Durch Christus, unseren Herrn. – Amen!

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