Samstag, Juni 28, 2008

In Jesu Liebe ein Herz und eine Seele!


Das Evangelium aus Matthäus 16:13 – 19

13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?

14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.

15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

16 Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

17 Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.




Die Frage: Was hältst du von mir? Was bedeute ich dir? Steht in unserem menschlichen Zusammenleben immer am Beginn einer Beziehung. Jede Freundschaft, jede eheliche Beziehung aber auch jede Feindschaft lebt davon, was wir voneinander halten, wer wir füreinander sind.
Die Frage: Für wen hältst du mich? Was bedeute ich dir? Halte ich für einen ganz wichtigen und notwendigen Anlass, um meine freundschaftliche Beziehung zu meinem Partner zu prüfen. Mit dieser Frage an meinen Partner beginnt nicht nur die Freundschaft; mit ihr wird die Freundschaft auch am Leben erhalten und ganz bewusst in das Licht der Aufmerksamkeit gestellt. Wir sollten einander immer wieder diese Frage stellen; das bewahrt unser Zusammenleben vor Verflachung und Versteinerung und gibt ihm Tiefe und Lebendigkeit.
Diese Frage kann ich übrigens auch an mich selber stellen: Für wen halt ich mich selber? Was bedeute ich mir selber? Welche Wertvorstellung habe ich von mir selber?
Was nämlich mein Nächster und ich selber mir bedeuten, das gibt meinem Leben Richtung, Form, Ordnung. Das können wir täglich in unserem Leben beobachten.

Mit dieser Frage hat übrigens auch die Ordnung unserer Kirche begonnen. Jesus stellt sie im heutigen Evangelium seinen Jüngern: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16:15)

So, wie Jesus diese Frage stellt, erwartet er eine andere Antwort als von den Leuten, die ihn für Johannes den Täufer, für Elias oder sonst einen Propheten halten. Für diese Leute ist Jesus nur eine Kopie von großen Leuten der Vergangenheit; ein Abklatsch von Dagewesenem – um es grob zu sagen.

Von seinen Jüngern erwartet Jesus eine andere, eine besondere Antwort auf diese Frage, da sie ja auch in einer anderen, in einer besonderen Nähe zu ihm leben. Und Petrus gibt diese andere Antwort, indem er sagt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16:16) Tina Turner würde diese Antwort mit ihrem Lied „The Best“ geben: „Du bist einfach der Beste,“ würde sie zu Jesus sagen, „besser als der Rest; besser als alle, denen ich bisher begegnet bin.“
Mit dieser Antwort hat die Kirche begonnen; denn diese Antwort hat den Simon zum Felsen – zu Petrus – gemacht; und auf diesen Felsen hat Jesus seine Kirche gebaut. Die Kirche hat mit dieser Antwort zu leben begonnen. Und diese Antwort ist es auch, die sie am Leben erhält.
Darum ist diese Antwort nach wie vor aktuell; und es ist nach wie vor aktuell, dass auch wir uns dieser Frage stellen, die Jesus an seine Jünger richtet: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Du aber, für wen hältst du mich?
Mit unserer Antwort steht und fällt unsere eigentliche Zugehörigkeit zu Kirche. Diese Antwort ist wichtiger als unser Kirchenbeitrag. Die Antwort auf diese Frage Jesu muss uns bewegen oder abhalten, den Gottesdienst besuchen. Wenn hinter meiner Religion nicht meine Antwort auf diese Frage steht – dann ist meine Religion nur mehr leere Tradition und lästige Pflichterfüllung. Meine Antwort auf diese Frage Jesu an mich ist der Lebensatem meines katholischen Glaubens und meiner christlichen Religion.

Nachdenklich stimmt mich auch, dass Jesus den Simon zum Petrus – zum Felsen seiner Kirche macht – bloß auf Grund dieses Bekenntnisses. Da ist keine Rede davon, ob Petrus sich bisher korrekt und integer verhalten hat und ob er das wohl auch künftig hin tun werde. Und selbst nach seiner feigen Verleugnung (Mt 26:69-75) hat Jesus die Worte an Petrus im heutigen Evangelium nicht zurückgenommen: er hat ihn vielmehr in seinem Amt bestätigt (Joh 21:15-17), nachdem Petrus sein Verhalten bereut und beweint hat.

Bei Paulus kommt es noch dicker daher: Über den Christushasser und Christenverfolger Saulus sagt Jesus in einer Vision zu Hananias: „Dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.“ (Apg 9:15f.) Und Paulus selber weiß ganz genau, dass er sich diese Berufung nicht verdient hat: „Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. So übergroß war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte. Das Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der erste. Aber ich habe Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.“ (1Tim 1:12-16) Es ist wirklich nicht verwunderlich, was Jesus dem Paulus schließlich bedeutet: „Für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn!“ (Phil 1:21)

Ich bin froh, dass Jesus in Petrus und Paulus keine perfekten Menschen zu Felsen seiner Kirche gemacht hat. Die Hirten, die die Kirche gerade heute braucht, müssen demütige Hirten sein;
Hirten, die sich von Jesus immer wieder fragen lassen, was er ihnen bedeutet und für wen sie ihn halten;
Hirten, die in Beantwortung dieser Frage ein Leben der Umkehr und der Erneuerung führen.
Solche Hirten sind nämlich erst in der Lage, ihre Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken.
Beten für unsere Seelsorger und in diesen Tagen besonders für unsere Neupriester, damit sie Hirten nach dem Vorbild der beiden Apostel Petrus und Paulus werden. Amen!

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