Freitag, Juni 06, 2008

Da stand Matthäus auf und folgte ihm!


Das Evangelium Matthäus 9: 9 – 13

In jener Zeit

9 sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.

10 Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.

11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?

12 Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13 Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.



Jedes Gefäß dient in der Regel dazu, damit es gefüllt wird. Nun gibt es für Christen keine wertvolleren Gefäße, als jene, die uns der Herr in seinem Evangelium reicht. Sei es, dass wir Kostbares daraus entnehmen sei es dass wir unseren Geist hinein gießen – beides gereicht uns zum Heil, hier auf Erden bereits und erst recht im Himmel!

So wollen wir uns in dieser zweifachen Haltung des Gebens und Nehmens in das heutige Evangelium vertiefen, in dem Jesus ein Meisterstück gelungen ist. Ich meine damit die Berufung des Matthäus in seine Nachfolge. Bündig berichtet der Evangelist seine eigene Berufung: „Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.“ (Mt 9:9) Das klingt so einfach, wenn – ja, wenn da nicht diese andere Geschichte vom dem jungen Mann wäre, den Jesus auch eingeladen hat, ihm zu folgen – der dies aber nicht geschafft hat; er ging vielmehr traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen. Darauf sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen. Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mt 19, 23f.)
Nun, Matthäus war gewiss kein Armer: Er hatte ein Haus, wie wir heute hören und konnte es sich leisten, zusammen mit Jesus, seinen Jüngern und mit vielen Zöllnern und Sündern ein Mahl zu halten. Kein Tagelöhner könnte sich so was leisten!
Warum war dem Matthäus anscheinend so leicht möglich, was der junge Mann nicht geschaff hat, nämlich sich von seinem Reichtum zu lösen und Jesus nachzufolgen?
Der junge Mann konnte wohl im Blick zurück auf sein Vermögen nicht erfassen, welchen Reichtum ihm die Nachfolge Jesu erschließt.
Wogegen es dem Matthäus im Blick voraus auf die Nachfolge Jesu ein Leichtes war, sein Vermögen hinter sich zu lassen. Ihm ist es gelungen, sich nach dem auszustrecken, was vor ihm lag und so das zu vergessen was hinter ihm liegt. (vgl. Phil 3,13)
Es ist in der Nachfolge Jesu immer der Blick auf den Herrn, der es ermöglicht, dass wir von IHM dermaßen ergriffen werden, dass uns nichts mehr von ihm fernhalten, nichts mehr von ihm scheiden kann. Denn im Blick auf Jesus können wir alles überwinden durch ihn, der uns liebt. Und mit Paulus und Matthäus können auch wir sagen: „Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8, 37ff.)
Es ist dieser Blick auf Jesus, der den Matthäus erkennen hat lassen: Das ist der Schatz im Acker, der es wert ist, alles zu verkaufen um diesen Acker zu erwerben. (vgl. Mt 13, 44) Und so wird sich Matthäus gedacht haben: Was werd ich mich noch weiter mit dem Münzenkram der Leute plagen, wenn mir Jesus doch unvergleichlich wertvollere Schätze zu bieten hat.
Und tatsächlich scheint Jesus auch so gedacht zu haben, denn er hat Matthäus keineswegs mit der Verwaltung der Jüngerkassa betraut, wie wir an seiner Stelle synergetisch getan hätten. Die Jüngerkassa hatte ein anderer über, wie wir an einer anderen Stelle erfahren. (vgl. Joh 12:6; 13:29)
Jesus hat die Fähigkeit des Matthäus, zu sammeln und zu horten in eine ganz andere Richtung gelenkt: Die Schätze, die Matthäus sammelt sind die Worte und Taten Jesu, die er dann äußerst kunstvoll zu einem Evangelium komponiert. Daran können wir erkennen, dass Jesus in seiner Nachfolge die Fähigkeiten seiner Jünger keineswegs vernichtet. Was er vernichtet ist sehr wohl die verkehrte Ausrichtung unserer Begabungen; diese selber aber veredelt er, indem er sie auf ein wertvolles Ziel ausrichtet; und dieses Ziel kann bei Jesus freilich nur das Reich Gottes und das Heil von uns Menschen sein.

Es wird dem Matthäus wohl so ähnlich ergangen sein, wie dem lahmen Bettler, der an der Schönen Pforte des Tempels bettelte: Er erwartet von Jesus Geld zu bekommen. Aber Jesus sieht ihn an und sagt: Silber und Gold besitze ich nicht! Doch was ich habe, das gebe ich dir: Steh auf und folge mir nach! Das hat eingeschlagen: Jesus braucht ihn gar nicht mehr an der Hand zu nehmen, wie Petrus den Gelähmten! Von alleine stand Matthäus auf und folgte ihm! (vgl. Apg 3, 4-8)

In einer Zeit, wie unsere auf das Geld versessen, ist das heutige Evangelium wirklich eine befreiende Botschaft, die starke Hoffnung gibt. Die Hoffnung nämlich, dass der Herr auch heute Menschen mitten aus dem Geldsumpf herausrufen kann. Dass für Jesus keine Zeit so schlimm sein kann, ihm so fremd, dass Menschen nicht von seinem Blick getroffen, von seiner Stimme aufgeweckt und von seiner Nähe berührt werden könnten. Ja es sind gerade Zeiten, in denen die Sünde mächtig ist, besondere Zeiten des Herrn, Zeiten nämlich, in denen seine Gnade übermächtig wird! (vgl. Röm 5, 20)

Jesus hat einmal gesagt: Sorgt euch nicht um euer Leben! Ängstigt euch nicht! Euch soll es um das Reich Gottes gehen; dann wird euch das andere dazugegeben. (vgl. Mt 6, 31 – 34)

Darum beten wir: Gott. Wir fürchten, wenn wir uns auf dich einlassen, wird unser Leben noch schwerer; wenn wir uns für deine Sache mühen, kommen wir selber zu kurz. Mach uns frei von der Angst. Lass uns auf Jesus blicken, gib uns Freude an deinem Reich und lass uns erfahren, dass dir allein die Zukunft gehört. Das gewähre uns durch Crhistus, unsern Herrn! Amen!

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