Freitag, Mai 02, 2008

Sie verharrten einmütig im Gebet


Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 12 – 14

12 Als Jesus in den Himmel aufgefahren war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.

13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.

14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.



Die Atmosphäre der ersten Lesung ist bemerkenswert. Alle Jünger, die Mutter Jesu und etliche andere Bekannte des Herrn versammeln sich in einem Obergemach zu beharrlichem Gebet. Im Vergleich zu den dramatischen Ereignissen vorher im Zusammenleben mit Jesus, und nachher durch die Geistausgießung und die darauf folgende Ausbreitung der Jesusgemeinde ist die Situation der heutigen Lesung einer Windstille, einer Flaute vergleichbar.

Doch hat diese stille Zeit ihren Sinn und ihre verborgene Kraft. Mündet doch in diese stille, zurückgezogene Zeit des gemeinsamen und beharrlichen Betens alles, was zuvor mit Jesus geschehen ist. Und aus dieser Verborgenheit und Zurückgezogenheit quillt dann das Folgende hervor wie eine Quelle aus dem verschwiegenen und geheimnisvollen Quellgrund. Ich meine, diese betende Gemeinschaft ist dabei, das Geschehene zu verdauen und sich auf das Kommende vorzubereiten. Sie tut dies, obwohl sie das Vergangene nicht in seiner ganzen Tiefe ergründen kann und obwohl sie nicht weiß, was auf sie zukommt. Sie kann den Worten ihres Herrn und Meisters nur entnehmen, dass etwas geschehen wird – aber was, das weiß sie nicht.

Uns passiert es doch auch immer wieder, dass Bewegendes in unserem Leben geschieht: eine große Freude etwa oder viel Leidvolles. Dann ist es gewiss auch in unserem Leben sinnvoller innezuhalten und zu schauen und zu hören, was da geschehen ist; diesem Geschehen in unserem Leben bewusst Raum geben; diese Ereignisse sich anzueignen; anzunehmen, dass sie nun zu mir gehören, dass sie Bestandteil meines Lebens sind. Dieses Innehalten zu unterlassen und gleich weiterzulaufen ist entweder Anzeichen von Angst, die davonläuft vor Unangenehmem oder es ist Anzeichen von Unfähigkeit, das Leben zu genießen. Dieses Innehalten, dieses Hören und Schauen, dieses „in die Tiefe Gehen,“ dieses begreifen und erfassen Wollen – das hat mit Beten zu tun, ob wir uns dessen nun bewusst sind oder nicht. Das Verhalten der ersten Jüngergemeinde gibt Anstoß dazu, dieses Verweilen nach Ereignissen in unserem Leben wieder neu zu üben. Und Übung wird es wohl bei den allermeisten von uns sein, weil wir dieses Verweilen so gar nicht gewohnt sind. Allein schon deswegen, weil der Rhythmus und das Tempo der heutigen Zeit immer mehr zur Eile drängen. Innehalten und Verweilen – das bedeutet nur Zeitverlust und ist daher unproduktiv.

Und weil wir heute gerade den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel begehen – diese sozialen Kommunikationsmittel werden leider auch dazu missbraucht, eilige und daher oberflächliche Menschen aus uns zu machen, wobei das Soziale, das mit anderen Menschen Verbindende, natürlich auf der Strecke bleibt.

Dabei haben es diese Mittel durchaus auch in sich, Gemeinschaft zu bilden und zu fördern und sie können auch gut anregen zum Verweilen, zum Innehalten, zum Hören und zum Schauen. Es hängt im Umgang mit diesen Mitteln von uns ab, ob wir wirklich Hören und Schauen wollen, ob wir wirklich in die Tiefe dringen wollen – oder ob es uns nur darum geht, für kurze Zeit unseren Leidenschaften die Zügel schießen zu lassen und unsere Triebe zu befriedigen. In diesem Sinn werden die Kommunikationsmittel in unserem Herzen sozial oder unsozial, Leben fördernd oder tödlich.

Nun, die Jüngerschar in der ersten Lesung hat kein Fernsehen und kein Radio, das sie im Obergemach versammelt. Das tut bei ihnen die Erinnerung an den gemeinsamen Herrn und das Hören auf sein Wort, mit dem er sie zum Warten auffordert, bis er ihnen den Beistand, den Heiligen Geist senden werde. Der werde ihnen dann sagen, was weiter zu tun sei.

Und dieses Warten auf den Beistand, der ihnen sagen wird, was weiter zu tun sei, dieses Warten ist die zweite große Stärke jener stillen Verborgenheit, in die die Jüngerschar in der heutigen Lesung sich zurückgezogen hat. Dieses Warten ist ein erwarten Können, ein sich beschenken lassen Können; es zeugt von einer Haltung, die nicht gleich alles selber machen will, die eigenmächtig handelt; dieses Warten zeugt von Ehrfurcht vor der Zukunft, von Verantwortung für die Zukunft, von der Ahnung, dass ein Alleingang in die Zukunft ohne die Hilfe von Oben zu keinem guten Ende führt. Bedenken wir doch einmal, wie notwendig dieses warten Können etwa für uns ist im Hinblick auf die Zukunft unserer Schöpfung; wo zeigt sich da bei uns die Ehrfurcht und die Verantwortung?

Auf die Fürsprache der Gottesmutter und der Apostel schenke der Herr uns jene Liebe sowohl zu Vergangenem wie auch zu Künftigem, die uns innehalten, schauen und hören lässt, in der wir erwarten können, was auf uns zukommt und in der wir uns beschenken und helfen lassen durch den Heiligen Geist, mit dem der Herr auch uns erfüllen will. - Amen!

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