Montag, Mai 12, 2008

Gott ist dreifaltige Liebe


Das Evangelium Johannes 3: 16 - 18

16 Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass es seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.



Gepriesen sei der dreieinige Gott:
der Vater und sein eingeborener Sohn
und der Heilige Geist;
denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt. (Eröffnungsvers zur Hl. Messe)

Mit diesen Worten wird der Gottesdienst am heutigen Hochfest eröffnet. Es ist ein Lobpreis, der Gott dargebracht wird, weil er uns sein Erbarmen geschenkt hat. Das Erbarmen kommt aus seinem Schoß, das heißt aus seinem Herzen, aus seinem Innersten. Dieses Erbarmen ist keine ideelle Regung Gottes sondern eine Kraft, eine Macht, die aus seinem Innersten herausdrängt auf uns Menschen zu, um Gestalt anzunehmen – eine Gestalt, die uns Menschen entspricht, die wir verstehen, begreifen, erleben, ertragen können; eine Gestalt, bei deren Ereleben es uns gut geht. Eine Gestalt, deren Wesen und deren Ausstrahlung Liebe ist – in all ihrer Leben begründenden und Leben erhaltenden Auswirkung. Das meint Gott, wenn er von sich selber in der Lesung spricht: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue.“ (Ex 34:6) So beschreibt Gott sich selber. Und Moses nimmt diese Selbstdefinition Gottes ernst und bittet, dass sie Gestalt annehme: „Wenn ich deine Gnade gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch mein Herr mit uns. Es ist zwar ein störrisches Volk, doch vergib uns unsere Schuld und Sünde, und lass uns dein Eigentum sein!“ (Ex 34:9) Das Erbarmen des Herrn möge in der Weise Gestalt annehmen, dass ER mit seinem Volk ziehe und dass Israel sein Eigentum sein dürfe!
Ist das nicht wunderbar: Das Innerste Gottes entfaltet sich nach außen hin und erweckt in Mose das Bedürfnis nach der Nähe Gottes. Nicht wir haben Gott geliebt sondern Gott uns zuerst geliebt! (vgl. 1 Joh 4:10; 19) Er hat die Liebe zu ihm in uns geweckt; durch seine Sehnsucht nach uns Menschen hat er unsere Sehsucht nach ihm, dem lebendigen Gott zum Leben erweckt.

Es liegt in der glückseligen Logik dieses Prozesses, dass das Erbarmen Gottes mit uns Menschen so sehr nach Gestaltwerdung drängt, dass es selber Mensch wird und in diesem Menschen die Sehnsucht Gottes nach uns Menschen und die Sehnsucht von uns Menschen nach Gott seine unüberbietbare Verbindung und zugleich ihre Vollendung findet.
Das ist in Jesus Christus geschehen, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Davon redet das Evangelium: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass es seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3:16f.)
Die Atmosphäre dieses liebenden, erbarmenden Heilsgeschehens ist dermaßen dicht und menschlich unfassbar, dass sie in einer eigenen Gestalt Form annimmt – in der Gestalt des hl. Geistes: Von ihm ist die Rede bei der Empfängnis durch Maria, bei der Taufe im Jordan, bei seinem Wüstenaufenthalt, bei seinem Sterben am Kreuz.

Das ist es, was den Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks, den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Gott, der uns seinen Geist schenkt, auszeichnet – und die Götter sämtlicher anderer Religionen, einschließlich der Religionen der Heutzeit als das bloßstellt, was sie wirklich sind: als Götzen, die den Menschen nicht Freiheit sondern Sklaverei, nicht Licht sondern Finsternis, nicht Heil sondern Krankheit, nicht Leben sondern Tod bringen.
Es ist sein unbedingter Wille nach Gemeinschaft in Liebe mit uns Menschen. Es ist seine unermüdliche Treue, diese Gemeinschaft durch alle menschliche Untreue hindurch immer wieder neu zu suchen und zu finden. Diese Treue ist wie Wasser, das immer wieder seinen Weg findet durch die Schlammlawinen der Untreue, mit der wir Menschen uns diesem Wasser der Liebe und des Lebens entziehen wollen. Diese Botschaft von Gottes liebender Gemeinschaft ist genau die erlösende Antwort auf die schreckliche Einsamkeit, in die zahllose Menschen durch ihren Götzendienst geraten sind. Diese Botschaft offenbart einen Gott, der aus der majestätischen Distanz, wie die jüdische Religion sie empfindet, heraustritt, um uns Menschen zu unserer Erlösung ganz nahe zu kommen und der sich nicht wieder nach dem Glauben des Islam in die erhabene und kühle Ferne zurückzieht – gerade so, als bereute er das Abenteuer mit uns Menschen, weil er sich vielleicht die Hände dabei verbrannt hätte!

Wir sind für ihn keine heiße Kartoffel sondern „wir sind (s)ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit wir die großen Taten dessen verkündet, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9). Wir können wie das jüdische Volk sprechen – freilich durch Christus unendlich begründeter: Welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Jahwe, unser Gott, uns durch Christus nah ist, wo immer wir ihn anrufen? (vgl. Dtn 4,7) Näher kann Gott uns Menschen nicht mehr kommen als durch die Menschwerdung seines Sohnes.
Diesem Gott gehört die Zukunft, weil ihm auch die Vergangenheit und die Gegenwart gehört. Der Glaube an ihn ist das Lebenselixier für das Menschengeschlecht. Und die Gemeinschaft, die auf diesen Glauben baut; die Gott durch Jesus Christus gegründet hat – die Gemeinschaft der Kirche – ist die wirkliche Heimat aller Völker, aller Menschen, der sie im Grunde ihres Herzens zustreben. Nur ist vielen Menschen dieser Herzensgrund noch verhüllt, verschüttet, verbaut. Beten, lieben und wirken wir, dass sie ihn so bald wie möglich entdecken; seinen wir dankbar, jetzt schon zu dieser Gemeinschaft zu gehören und hören wir nicht auf in dieser Gemeinschaft den dreifaltigen Gott zu loben und zu preisen – den Vater mit seinem eingeborenen Sohn und dem heiligen Geist, denn er hat uns wirklich Erbarmen geschenkt für Zeit und Ewigkeit. Amen!

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