Dienstag, Mai 20, 2008

Engelspeis' auf Pilgerreis'


Das Evangelium Johannes 6: 51 – 58

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?

53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.

54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.

55 Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank.

56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.

57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.



Dieses Brot sollst du erheben, / welches lebt und gibt das Leben, / das man heut‘ den Christen weist.

Diese Worte aus der Fronleichnamsequenz beschreiben sehr treffend den Inhalt des heutigen Festes: Wir erheben das Brot, zu dem Jesus gesagt hat: Das ist mein Leib! Wir erheben die Eucharistie. Mit diesem Erheben ist ein Hochhalten gemeint, damit es allen sichtbar werde. Dieses Hochhalten ist eine Einladung zur erneuten Wertschätzung, zur erneuten Verehrung dieses Brotes. Gerade unsere Zeit braucht dieses Erheben, weil sie gar so schnelllebig ist und auch Allerheiligstes in Gefahr gerät, zu selbstverständlich und in seinem wahren Wert verkannt und übergangen zu werden.
Das Erheben dieses Brotes geschieht gegen die Erhebung des Trivialen und Nebensächlichen, des Banalen und Oberflächlichen wie sie in unserer Zeit in einem bisher noch nie da gewesenen Ausmaß geschieht. Diese Erhebung des Nebensächlichen gibt vor zu antworten auf die Frage des Menschen nach dem einen Notwendigen. Sie gibt vor den Wunsch des Menschen nach Leben zu erfüllen – und kann es nicht! Sie verspricht in dem, was sie anbietet eine Fülle, die sie nicht geben kann, weil sie dieses Leben in Fülle nicht hat. Auf diese Lebensfülle könnte sie höchstens hinweisen; dann müsste sie das, was sie anbietet relativieren; aber das tut sie nicht; und so betrügt sie uns Menschen mit dem Irdischen um das Überirdische. Mit dieser Lüge treibt sie uns Menschen in eine Unersättlichkeit, die uns friedlos macht und uns Leben raubt. Denn sie bedeckt uns mit dem Irdischen, so dass wir das Himmlische nicht mehr sehen können und wir dem Irrtum verfallen, unsere Sehnsucht werde gestillt, je mehr wir vom den Dingen dieser Welt haben.
Das Erheben dieses Brotes ist ein völlig gewaltloses Aufstehen gegen diese Machenschaften des Trivialen. In seiner Schlichtheit, in seiner Einfachheit, in seiner Friedfertigkeit ruft es uns zu: Mensch, hier ist das, von dem du lebst! Hier ist Himmel in Erde! Hier ist Gott, der Herr im Brot! Hier geschieht das, was jedes Geschöpfliche eigentlich tun sollte: Dich mit dem Schöpfer zu verbinden und nicht, dich von ihm abzuhalten und von ihm zu entfernen.
Dabei wird nicht nur für den Körper die natürliche Ernährung durch das Brot in Erinnerung gerufen als ein Sinnbild für jegliche Nahrung.
Wir werden vielmehr eingeladen, den übernatürlichen Nährwert zu bedenken, mit dem Jesus dieses Brot ausgestattet hat. Dieser übernatürliche Nährwert wird durch den Glauben für uns greifbar und wirksam.
So heißt es dann in der Sequenz: Treu dem heiligen Befehle / wandeln wir zum Heil der Seele / in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, / der Gestalten Wesen schwindet, / Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen, / der Verstand nicht kann verstehen, / sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten / hohe Dinge sind enthalten, / in den Zeichen tief verhüllt.

Es kommt in diesem Geschehen ein bestimmtes Bestreben Gottes zum Ausdruck, das sich schon recht deutlich in der 1. Lesung ausdrückt: Das Streben, uns Menschen von der alleinigen Sättigung durch das Irdische zu lösen. Dadurch will der Herr uns sagen: Mensch, du bist zu groß, um allein mit Erde ausgefüllt zu werden; du hast eine Fassungskraft für mehr, für viel mehr; du bist des Himmels fähig. Dies wird allein schon dadurch ausgedrückt, dass der Mensch nicht wie die Tiere auf allen Vieren herumkriechen muss sondern dass er des aufrechten Ganges mächtig ist.
So haben wir in der Lesung gehört: „Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine Väter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von jedem Wort lebt, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht.“ (Ex 8:3)
Verstehen wir nun die Erhebung dieses eucharistischen Brotes besser? Es ist die Erhebung unseres Herrn Jesus, der in dieser Gestalt uns ganz nahe sein will zu allen Zeiten an allen Orten; er möchte auf diese Weise immer und überall die Speise für uns sein, die uns göttliches Leben schenkt – ein Leben, wie es die Welt nicht geben kann. Indem wir den Herrn aber so erheben erlauben wir es ihm, dass er auch uns erheben kann, damit wir gemäß unserer Berufung als Menschen und als Christen uns dem Himmel öffnen können.
In diesem Sinne wollen wir die Sequenz zu Ende beten mit der Absicht, sie auch zu Ende zu leben: Seht das Brot, die Engelspeise! / Auf des Lebens Pilgerreise / nehmt es nach der Kinder Weise, / nicht den Hunden werft es hin!
Lang im Bild war‘s vorbereitet: / Isaak, der zum Opfer schreitet; / Osterlamm, zum Mahl bereitet; / Manna nach der Väter Sinn.
Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich! Amen!

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