Donnerstag, Mai 08, 2008

Empfangt den Heiligen Geist!


Lesung aus der Apostelgeschichte 2: 1 – 11

1 Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

7 Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,

10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.


Das Evangelium aus Joh 20: 19 – 23


19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.




Es ist in den Lesungen nicht zu übersehen, dass von ein und demselben Ereignis, das wir heute feiern, in verschiedener Weise berichtet wird: Die Mitteilung des Hl. Geistes an die Jünger wird in der 1. Lesung als eine Ausgießung in Feuer und Sturm beschrieben (Apg 2:1-11) während sie im Evangelium als eine Eingießung in der persönlichen Begegnung mit Jesus erfolgt. (Joh 20:19-23) Hier geschieht dieses Ereignis im Rahmen einer intimen Begegnung mit dem Herrn in der verborgenen, stillen Abgeschiedenheit eines verschlossenen Raumes dort im Rahmen eines effektvollen, gewaltigen Events, der die Massen anzieht. Bei diesen zwei so verschiedenen, ja scheinbar gegensätzlichen Ereignissen ist doch der eine und selbe Geist am Werk und es sind bei beiden Ereignissen auch dieselben Jünger, die von diesem Geist erfüllt werden.

Diese unterschiedliche Erzählung vom Ereignis der Geistgabe an die Jünger wird uns nicht überliefert, um uns zu verwirren. Vielmehr will sie uns über die Art und das Wesen dieses Geistes aufklären.

Was nämlich in der einen Geschichte als ganz persönliche Gabe, als Herzgabe Jesu, dargestellt wird, erscheint in der anderen Geschichte vermittelt durch Feuer und Sturm als Gabe des Gottes Israel, der sich seinem Volk am Berg Sinai durch Feuer und Sturm in den 10 Geboten mitteilte.
Von diesem Geist bekennen wir deshalb im großen Glaubensbekenntnis: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht.“ Der Heilige Geist kommt aus dem Herzen Jesu gleichermaßen wie aus dem Innersten des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs. In der Gabe dieses Geistes an uns sind sich der Sohn und der Vater eins; sie sind dabei ein Herz und eine Seele!
So bezeichnet Jesus diesen Geist einmal als Gabe des Vaters: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14, 26). Und an anderer Stelle nennt er ihn eine Gabe, die er, Jesus, senden wolle: „Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.“ (Joh 15,26)

Blicken wir nun von der Seite der Jünger die verschiedene Darstellung dieses einen Ereignisses an. Im Evangelium bekommen sie den Hl. Geist in einer persönlichen Begegnung mit Jesus geschenkt – im Gespräch mit ihm, in der Mahlfeier. Sie bekommen ihn, damit er ihr Herz mit Freude erfülle. Wir können die betende und Eucharistie feiernde Kirche in diesen Jüngern erkennen. Die Gemeinde, die sich in der Eucharistie und im Gebet um den Herrn versammelt um so seinen Wunsch zu erfüllen: Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (vgl. Joh 15:4.5)
In der Apostelgeschichte bekommen sie diesen Geist geschenkt als Gabe für andere, als Gabe, die sie nicht für sich behalten dürfen. Wir erkennen in dieser Jüngerschar die evangelisierende, missionarische, aktive Kirche. Jene Kirche, die bereit ist, den Auftrag des Herrn zu erfüllen: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet allen Geschöpfen das Evangelium.“ (Mk 16:15)

Beides gehört wesentlich zusammen: Die betende und feiernde Kirche kann nicht anders – sie drängt hin zur Evangelisierung, zur Mission, zur Aktion. Und die Kirche in der Verkündigung, in der Auseinandersetzung mit den Sorgen und Nöten der Menschen kann dies nur fruchtbringend tun als betende und Eucharistie feiernde Kirche. Der Hl. Geist verwurzelt die Kirche untrennbar in Christus und durch Christus in Gott. Und derselbe Geist drängt die Kirche zur Verkündigung des Evangeliums um Jesu Willen. Darum ist es auch unmöglich, in dem Geist, den wir heute feiern, zu sagen: Jesus ja, Kirche nein! Wer so spricht und denkt, ist nicht vom Geist des Herrn erfüllt sondern von der menschlichen Seite der Kirche völlig in Beschlag genommen und verblendet. Wie kann man denn auch trennen, was Gott durch seinen Geist unlösbar verbunden hat!?

Abschließend noch ein letzter Gedanke: Beim Lesen der Geistausgießung in der Apostelgeschichte wird offenbar, dass der Geist des Herrn in aller Öffentlichkeit und machtvoll wirken will – durch die Menschen, die er innerlich ergreift und antreibt.

Derselbe Geist wirkt aber auch im Verborgenen, im Stillen, im Geheimen, im Unscheinbaren, im Alltäglichen. Darüber werden wir wohl erst erfahren wenn wir vor dem Angesicht des Herrn stehen und aus dem Buch des Lebens lesen.
Wir dürfen jedoch für das Leben hier auf Erden gewiss sein,
dass der Geist Gottes in seiner Machtfülle da ist in jedem kleinen Dienst, den wir tun und der von anderen womöglich noch verkannt wird;
dass dieser Geist in seiner Weisheit da ist, wenn wir uns für uns selber und für andere um die rechte Entscheidung und den rechten Weg in unserem Leben bemühen.
Dass dieser Geist da ist mit seinem ganzen Trost bei jedem stillen und einsamen Gebet, das wir vor dem Herrn aussprechen.

Dieser Geist gibt dem Volk, das ihm vertraut, das auf seine Hilfe baut, seine Gaben zum Geleit.
Er lässt es in der Zeit bestehn, seines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen! Halleluja!

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