Freitag, Mai 30, 2008

... denn es war auf Fels gebaut!


Das Evangelium nach Mt 7: 21 – 27

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.

22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?

23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!

24 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.

26 Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute.

27 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.



Üblicherweise bekommt man mit jedem Gerät, das man sich besorgt, eine Gebrauchsanweisung mit, sei sie schriftlich oder mündlich. Und je komplexer das Gerät ist umso umfangreicher die Handreichung zur Verwendung. Und jede Firma, die was auf sich hält, gestaltet diese Einführung so umfangreich wie nötig und zugleich so einfach wie möglich.

Wenn nun schon beinahe jeder Waschlappen mit einer Anweisung versehen ist, wie er zu verwenden sei – darf man sich da wundern, dass der Herr im heutigen Evangelium seine Zuhörer aufklärt, wie in rechter Weise mit seinem Namen umgegangen werden soll?
Denn es fällt die Welt gewiss nicht zusammen, wenn man einen Waschlappen nicht richtig verwendet; beim Umgang mit dem Namen des Herrn geht es jedoch um das Eingehen in das Himmelreich. Man möge es mir nicht als Geschmacklosigkeit anrechnen, wenn ich es wage, einen Waschlappen neben den Namen des Herrn zu stellen – aber damit bin ich genau dort, wo der Herr auch ist; und ich lege meinen Finger genau auf das, was der Herr im heutigen Evangelium anspricht, wenn er sagt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich kommen.“ (Mt 7:21)Denn die Leute, die der Herr mit diesen Worten anspricht, verwenden einen Waschlappen mit größerer Aufmerksamkeit als den Namen des Herrn! Was meine ich damit?

Nun, ich meine damit, dass der Herr im heutigen Evangelium ein tragisches Geschehen anspricht – das eben durch die genannte Unaufmerksamkeit dem Namen des Herrn gegenüber verursacht wird. Wenn wir nämlich die Worte des Herrn genau hören, bemerken wir, dass die Angesprochenen im Namen des Herrn als Propheten auftreten, dass sie im Namen des Herrn Dämonen austreiben, dass sie im Namen des Herrn Wunder tun – kurz und gut, dass sie im Namen des Herrn lauter Gutes tun. (Vgl. Mt 7:22) Dass sie dieses Gute aber anderen tun: wie vielen werden sie wohl durch ihr Prophezeien im Namen des Herrn zur Umkehr geholfen haben? Wie vielen werden sie wohl durch das Dämonen Austreiben eine neue Freiheit geschenkt haben? Wie viele werden sie wohl durch ihr Wunderwirken im Namen des Herrn angeregt haben, den Herrn zu lobpreisen. Wir können also wohl sagen: Sie haben im Namen des Herrn anderen viel Gutes getan! Sie selber aber kommen nicht ins Himmelreich! Ist das nicht in höchstem Maße tragisch? Das Heil, zu dem sie anderen verholfen haben bleibt ihnen selber verwehrt! Was ist da geschehen? Was haben sie mit dem Namen des Herrn gemacht, dass dies passieren konnte?
Nun, das konnte geschehen, weil sie den Willen von Jesu Vater im Himmel nicht erfüllt haben, wie Jesus selber sagt! (vgl. Mt 7:23)
Ja, war es denn nicht der Wille des Vaters, dass sie im Namen Jesu Gutes tun an den Menschen? Gewiss doch! Und das haben sie auch getan!
Aber es ist ebenso der Wille des Vaters, dass durch denselben Namen des Herrn auch ihnen selber Heil geschehe! Und genau das haben sie völlig vergessen! Sie haben es verabsäumt, sich selber dem Namen des Herrn zu unterstellen, den sie über anderen ausgerufen haben.
Wie ginge das?
Nun: Indem sie im Namen des Herrn anderen prophezeien, dass sie umkehren, hätten sie zugleich selber den brennenden Wunsch im Herzen tragen sollen: Herr, hilf auch mir zur Umkehr, denn ich bin womöglich ein noch größerer Sünder als jene, zu denen ich in deinem Namen rede!
Die Umkehr, die sie anderen predigen hätten sie noch vor diesen oder zumindest zugleich mit diesen auf sich nehmen sollen.
Oder wenn sie andere im Namen des Herrn von Dämonen befreit haben hätten sie im selben Augenblick den Herrn bitten sollen: Herr, schau auf mich und die Dämonen, die mich plagen; sie sind viel ärger, als jene, die ich gerade bei anderen austreibe! Wie du diese befreist so befreie auch mich!
Und die Wunder, die sie im Namen des Herrn gewirkt haben: Sollten sie selber nicht die allerersten sein, die sich dieser Wunder unwürdig wissen und sollten sie nicht als Allererste den Dank und den Lobpreis anstimmen und sich so als unwürdige Knechte äußern, die nur ihre Pflicht getan haben und völlig unverdient mit Wundergaben vom Herrn überhäuft wurden?

Hätten sie so gehandelt, dann wäre der Wille des Vaters im Himmel auch an ihnen geschehen in ihrer eigenen Umkehr, in ihrer eigenen Heilung und Befreiung, in ihrem eigenen Lobpreis – und die Türe zum Himmelreich wäre auch ihnen sperrangelweit offen gestanden.
Warum konnten sie nur auf so fatale Weise sich selber vergessen? Weil sie, beeindruckt von dem Großen, das Gott durch sie im Namen Jesu wirkte, blind geworden sind für die eigene Armseligkeit, für die eigene Sünde, die eigene Besessenheit. Sie wurden überheblich, dachten, sie seien was besonderes, stünden über den anderen. Sie haben vergessen, dass sie verwundete Ärzte sind und der Barmherzigkeit des Herrn, der Kraft seines heiligen Namens oft mehr bedürfen als jene Menschen, zu denen sie im Namen des Herrn gesandt sind.

Was will der Herr uns damit sagen? Dass wir zum Herrn besonders für jene beten, die in seinem Namen unter uns und an uns wirken! Sie mögen die Ersten sein, die unter allen Mächten im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen und mit ihrer Zunge bekennen: Herr ist Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters! (Phil 2:10f.) Sie sollen immer zusammen mit uns danken, dass wir durch den Namen Jesu gerettet sind. Und zusammen mit ihnen mögen wir schon in diesem Leben die Seligkeit verkosten, die aus diesem Namen kommt und einst im Vaterhaus Gottes die Fülle der Freuden empfangen, die dieser Name verheißt. Amen!

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