Mittwoch, April 30, 2008

... wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen


Lesung aus der Apostelgeschichte 1: 1 – 11

1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat,
2 bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben.
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt.
5 Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.




Der heutige Tag ist ein markanter Einschnitt im Leben Jesu: Sein Dasein als Mensch hier auf Erden geht zu Ende. Er kehrt heim zum Vater. Er wird vom Vater in den Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben – auf jenen Platz, der dem Sohn gebührt.

Wenn wir den Ort bedenken, an dem dies geschieht, gewinnen wir ein noch tieferes Verständnis von diesem Ereignis: Es ist der Ölberg. Von hier aus ist Jesus in einem Triumphzug in das irdische Jerusalem eingezogen (vgl. Mt 21:1-11parr). Jetzt zieht er in das himmlische Jerusalem ein. Vor vierzig Tagen wurde zeichenhaft vorweggenommen was nun in Herrlichkeit vollendet wird. Die große Menschenmenge ist jetzt nicht mehr da; an ihre Stelle tritt die unermessliche Schar der Engel, die den Sohn des lebendigen Gottes jubelnd willkommen heißen. Die Jünger waren vor vierzig Tagen dabei und sie sind jetzt dabei.

Diese 40 Tage erinnern an jene 40 Tage und 40 Nächte, die Jesus in der Wüste verbrachte (vgl. Mt 4:1f parr). In diesen Wüstentagen war Jesus allein; er bereitete sich auf seine Mission vor: nämlich das Reich Gottes zu verkünden.
Auch in diesen 40 Tagen hat Jesus sich vorbereitet auf seine Heimkehr zum Vater. Aber wie hat er sich vorbereitet? Er war nicht allein sondern immer mit seinen Jüngern beisammen. Das hört sich in der Apostelgeschichte so an:
„Er hat durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben.
Er hat ihnen nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt;
Er ist ihnen vierzig Tage hindurch erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Er gebot ihnen beim gemeinsamen Mahl: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.“ (Apg 1:2b-5)

Wir sehen: Jesus zieht sich nicht zu 40tägigen Exerzitien zurück, um sich möglichst gut auf seine Himmelfahrt vorzubereiten.
Er ist vielmehr die ganze Zeit mit seinen Jüngern beisammen: Er beweist ihnen, dass er lebt; er hält mit ihnen Mahl und spricht zu ihnen vom Reich Gottes. Er sagt, dass sie mit dem Heiligen Geist getauft werden.
Er bereitet sich auf seine Himmelfahrt vor, indem er seine Jünger vorbereitet auf die Zeit danach, auf die Zeit des Geistes, auf die Zeit, in der er Kraft dieses Geistes auf eine je neue Weise unter ihnen sein und so sein Wort im Evangelium verwirklichen wird: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ (Mt 28:20) Er macht sich gar keine Gedanken über seinen Himmel – gerade so als fände er seinen Himmel darin, sich um den Himmel seiner Jünger zu kümmern, dass die nicht als Waisen zurückbleiben (vgl. Joh 14:18) sondern sich bereiten und öffnen können für den Geist, den er ihnen schenken wird.

Mit den Worten der 2. Lesung (Eph 1:17-23) kümmert sich Jesus als das Haupt um seinen Leib, die Kirche. Er will die Herzensaugen der Jünger erleuchten, damit sie verstehen, zu welcher Hoffnung sie durch ihn berufen sind, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes ihnen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an ihnen, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat.
Jesus gibt seinen Jüngern wie schon bei der Fußwaschung (Joh 13:1-17) erneut ein Beispiel, damit sie lieben wie er liebt.

So sagt er ihnen denn auch wie ihr Weg in den Himmel ausschauen soll; wie sich gleichsam ihre Himmelfahrt gestalten soll: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1:8)
Oder mit den Worten des Evangeliums: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28:19f)

Wir wollen die Himmelfahrt Jesu mit großer Freude feiern darüber, dass er zum Vater heimgekehrt ist.
Wir wollen dieses Fest mit großer Dankbarkeit feiern, denn die Verheißung aus der 2. Lesung gilt auch uns und Jesus hat heute auch uns den Weg in den Himmel gewiesen als einen Weg zum Vater, bei dem er uns allen eine Wohnung bereitet hat. (vgl. Joh 14:2f)

Wir wollen dieses Fest als einen großen Aufbruch hin zu den Menschen feiern, denen wir die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkünden sollen; denn es ist unser Himmel, dem wir zustreben. Meinen Himmel an den anderen vorbei gibt es nicht. Dieser Himmel wäre die Hölle.
Die Himmelfahrt Jesu können wir nur feiern als Glieder seines Leibes, der die Kirche ist. Und wir dürfen sie im festen Vertrauen feiern, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist. Amen!

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