Donnerstag, April 24, 2008

Ich bin im Vater - ich bin in euch!


Das Evangelium Johannes 14: 15 – 21

15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.

16 Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

17 Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch.

19 Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.

20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.



Auf einem Computer können wir nur in einem Programm arbeiten. Dieses müssen wir verlassen, wenn wir in einem anderen arbeiten wollen.

Bei Jesus ist das anders, wenn er heute sagt: „Ich bin in meinem Vater..... und ich bin in euch.“ (Joh 14:20) Jesus kann beides gleichzeitig: in seinem Vater sein und in uns sein! Er braucht den Vater unseretwegen nicht zu verlassen und uns braucht er wegen seines Vaters nicht zu verlassen. Warum kann Jesus das? Nun, einfach geantwortet: Weil Jesus keine Maschine ist! Noch einfacher: Weil er liebt – seinen Vater und uns Menschen! Und wir wissen ja aus eigener Erfahrung: wo ein Mensch liebt dort ist er! Wo sein Schatz ist, da ist auch sein Herz. (vgl. Mt 6:21) Sein Herz gehört ganz Gott und es gehört ganz den Menschen; es ist ganz offen für Gott und es ist ganz offen für uns Menschen. Weil es ganz offen ist für Gott, kann es ganz offen sein für uns; und weil es ganz offen ist für uns, ist es auch ganz offen für Gott. Das kommt daher, weil der Mensch das Programm Gottes ist und Gott das Programm des Menschen. Gott hat Jesus ja zu uns gesandt, um Mensch zu werden und uns so zu erlösen. Er erfüllt so das Programm, den Plan, den Willen Gottes. Gott ist aber auch das Programm des Menschen: Er ist das Ziel seiner Sehnsucht; die Vollendung seines Lebens, auf das alle seine Kräfte hinstreben. Wenn er dieses Ziel aus den Augen verliert, steigt der Mensch aus seinem Lebensprogramm aus und in ein Programm des Todes ein.

Jesus zeigt uns, wie die Welt Gottes und die Welt von uns Menschen in seinem Herzen Platz haben, weil sie aufeinander zugeordnet sind – und weil er einen besonderen Beistand hat, der sein Herz grenzenlos weit macht – für Gott und für uns Menschen.

Diesen Beistand will er vom Vater auch uns erbitten. Er nennt ihn den „Geist der Wahrheit“ (Joh 14:17); welcher Wahrheit? Dass Gott uns so sehr liebt, dass er seinen Sohn für uns hingegeben hat. (vgl. Joh 3:16) Der Wahrheit, dass unsere Seele unruhig ist bis sie Ruhe findet in Gott. (vgl. Augustinus, Confessiones 1) Der Wahrheit, dass wir in der Liebe zueinander das Gebot des Herrn erfüllen: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. (Joh 13:34)
Dieser Geist der Wahrheit steht uns gerade heute bei, damit wir als Bürger zweier Welten leben können – der himmlischen und der irdischen Welt. Die Gefahr ist groß, dass wir heute beide Welten verlieren und in eine tödliche Einsamkeit geraten. Geblendet vom Egoismus und verdorben vom Konsumismus sind wir nicht mehr fähig, Gott und die Menschen – einschließlich unser selbst – wahrzunehmen. Darum brauchen wir ja diesen Geist der Wahrheit so sehr, damit er uns beistehe, wenn wir eine Antwort suchen auf die Grundfragen: Woher kommt der Mensch? Wohin geht er? Wozu lebt er?

Auf diese Fragen geben die beiden Lesungen Antwort: Philippus verkündete in Samaria Christus und tat Wunder in der Befreiung Besessener und in der Heilung Kranker – er war mit dem Herrn und den Menschen in Berührung: er ist in Christus, indem er ihn verkündet; er ist in den Menschen, sodass er sie befreien und heilen kann. Die Liebe drängt ihn zu beidem! (vgl. Apg 8:5-7)

Oder Petrus und Johannes, die von Jerusalem nach Samaria kamen um sich am Werk zu freuen, das der Herr durch Philippus gewirkt hat und die nun dieses Werk durch die Firmung krönten; wir lesen von ihnen: Sie legten ihnen die Hände auf – sie sind in den Menschen – und beteten für sie – sie sind in Gott. Und Gott hört auf die Jünger und schenkt seinen Geist. (vgl. Apg 8:14-17)

Und dann in der 2. Lesung aus dem 1. Petrusbrief: Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn heilig – im Herrn sein – und seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt – in den Mensche sein. (vgl. 1 Petr 3:15)

Seht ihr, wie auch die Jünger die Worte Jesu mit Recht in den Mund nehmen können: Wir sind im Vater und wir sind in euch! Durch diese Jünger kam große Freude zu den Menschen; durch diese Jünger hat der Herr seinen Geist geschenkt.

Solche Menschen brauch die heutige Zeit: Menschen, die in Gott sind und die in ihren Mitmenschen sind; Menschen die Gott und ihre Mitmenschen lieben gerade so wie Jesus sie geliebt hat. Menschen, die offen sind auf beide Seiten hin – auf Gott und die Menschen, so dass durch sie Göttliches zu den Menschen und Menschliches zu Gott gebracht werden kann. Das sind jene Propheten, die den Menschen zum einen ihre Gottvergessenheit klar vor Augen halten und andererseits ihnen ihre Sehnsucht nach eben diesem Gott entdecken helfen. Diese Menschen beider Welten sind Mitarbeiter des Herrn an der Rettung dieser einen Welt, auf der wir alle leben. Amen!

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