Donnerstag, April 24, 2008

Glaubt an Gott und glaubt an mich!


Das Evangelium Johannes 14: 1 – 12

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.




Es ist die Stunde des Abschiedes von Jesus. Für die Jünger ein Anlass zu tiefer Sorge, zu Verwirrung, zu Panik. Es ist für sie nicht mehr vorstellbar, wie es ohne Jesus denn weitergehen soll. Ohne diesen Jesus, der sich durch seine Worte und seine Taten – also durch sein ganzes Leben so sehr in ihr Leben eingeprägt hat, dass sie sich dieses Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen können.
Jesus sieht diese Not seiner Jünger und er versteht sie. Darum bagatellisiert er ihre Ängste nicht, er nennt sie nicht Hasenfüße und Schlappschwänze und er weist sie auch nicht zurecht. Vielmehr fordert er sie zum Glauben auf – an ihn und an Gott! (vgl. Joh 14:1) Und um ihnen diesen Glauben zu erleichtern umschreibt er sein Scheiden durch Leid und Tod mit der Erzählung von seinem Heimgang zum Vater. Mit dieser Erzählung teilt er ihnen die tiefere Wahrheit mit, die sich mit dem Gewand des Leidens und des Sterbens am Kreuz umkleidet: Sein Kreuzweg und sein Sterben sind eigentlich eine Rückkehr, eine Heimkehr zu seinem Vater.
Des Weiteren fügt er an, dass dies für sie, für die Jünger geschieht, denn beim Vater wird er auch für sie eine Wohnung bereiten; (vgl. Joh 14:2) das Ziel seines Weges wird auch das Ziel ihres Weges sein: Auch sie sollen mit ihm beim Vater sein. Die Gemeinschaft, die sie jetzt noch haben wird erhöht beim Vater ihre Fortsetzung finden, um dann nicht mehr, nie mehr zu enden. Das Leiden und das Sterben, in das Jesus eingeht, kommen einer Läuterung ihrer Gemeinschaft mit Jesus gleich. Was soll aber bei den Jüngern geläutert werden? Nun, die Einsicht, dass die Gemeinschaft mit dem Herrn nicht von ihnen abhängt, nicht aus ihrer Kraft heraus ermöglicht wird. Sie müssen zur Erkenntnis gelangen, wie sehr sie allein von sich aus unfähig sind, bei Jesus zu bleiben: Judas durch seinen Verrat (vgl. Lk 22:48), Petrus durch sein Verleugnen (vgl. Mt 26:69-75), die Jünger, dass sie alle Jesus verlassen (vgl. Mt 26:56). Sie müssen zutiefst erfahren, dass das Beisammensein mit dem Herrn ein Geschenk seiner unergründlich liebenden Freundschaft ist.
Darum sagt er ja auch: „Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Joh 14:3) Durch sein Wiederkommen nach seiner Auferstehung werden diese Worte Wirklichkeit. Da gehen der Impuls und die Kraft und der Wille zur Gemeinschaft mit seinen Jüngern allein und einzig von ihm aus. Er ist es, der auf seine Jünger zugeht; er ist es, der sie erneut um sich versammelt, er stiftet erneut, was die Jünger für immer verloren glaubten: das Beisammensein mit ihrem Herrn! Er haucht ihnen seinen Geist ein, das beständige und ewige Band liebender Gemeinschaft mit ihm. (vgl. Joh 20:22)
Dass Jesus seine Jünger heimholt in die Wohnung, die er für sie beim Vater bereitet hat, geschieht also nicht erst am Ende ihres irdischen Lebens – gerade so, als wäre ihr Leben bis zum Zeitpunkt ihres Todes ein zielloses Umherirren auf Erden. Das Heimholen beginnt Jesus gleich nach seiner Auferstehung, indem er seine Jünger zur Gemeinschaft der Kirche um sich versammelt und sie mit seinem Geist beschenkt und erfüllt. In diesem Geist haben sie den Garant, den Weg zu den himmlischen Wohnungen nicht nur nicht zu verlieren sondern sie haben in diesem Geist jene Kraft, die sie das Sein beim Vater bereits in gläubiger Vorwegnahme feiernd und ergriffen erleben lässt. In der Kraft des Geistes sind sie auf Grund der Taufe und durch den Glauben bereits hier auf Erden Erben des Reiches Gottes und seine Hausgenossen. (vgl. Eph 2:19)
Seht ihr, und das dürfen auch wir nie vergessen!
Wir dürfen nie vergessen, dass auch unsere Gemeinschaft mit dem Herrn der leidvollen Reinigung bedarf. Auch wir werden immer wieder in Verwirrung, in Angst und in Panik geraten, weil wir glauben, der Herr wird oder hat uns verlassen. Solange wird dies der Fall sein als wir in unserm Wahn, alles machen zu können, ja, alles machen zu müssen, glauben, es hänge von uns ab, dass Gottesbegegnung gelinge: von unserer Zeit, von unserer Stimmung, von unserer Kraft, von unserer Gesundheit .... In dieser Haltung werden wir solange in Gottferne leben und unter ihr leiden, bis wir am Boden zerstört und am Ende unserer Kräfte den Herrn bitten: „O Gott, komm mir zu Hilfe! Herr, suche deine Magd, suche deinen Knecht. Komm und hilf mir, denn ohne dich kann ich nichts tun.“
Wenn wir so weit sind, sind wir reif dafür, dass der Herr uns als der Auferstandene wieder in seine Nähe ruft und Gemeinschaft mit uns stiftet; dass der Herr auch uns seinen Frieden schenken und uns mit seinem Geist erfüllen kann. Wir sind reif, mit der Herrengemeinschaft beschenkt zu werden.
Wir dürfen des Weiteren nicht vergessen, dass auch bei uns die Heimholung in die Wohnungen des Vaters durch Jesus seit unserer Taufe bereits voll im Gang ist. Und die schmerzliche Läuterung unserer Gemeinschaftsfähigkeit mit dem Herrn führt uns dazu, dass wir die Gelegenheiten, in denen Gott bei uns ist und wir bei Gott sind, in ihrem unermesslichen Wert immer tiefer erkennen und schätzen,
so dass es etwa undenkbar ist, die hl. Messe ganz zu versäumen oder auch nur eine Minute zu spät zu kommen;
dass es auch undenkbar ist, nicht unverzüglich alles liegen und stehen zu lassen, um zum Chorgebet, zur Betrachtung oder zum Rosenkranz zu eilen, sobald die Glocke ruft;
dass es undenkbar ist, bei der Beichte nicht wirklich alle Schuld zu bekennen und gerade das zu beichten, dessen man sich am meisten schämt.
Dass es schließlich undenkbar ist, die Begegnung mit dem Nächsten – gerade mit dem lästigen und unsympathischen – nicht als Begegnung mit dem Herrn zu feiern.

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib dich ganz zu eigen dir, damit wir annehmen können, dass du uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen hast, denn du willst uns die wahre Freiheit und das ewige Erbe schenken. (vgl. Tagesgebet vom 5. Sonntag der Osterzeit) Amen!

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