Donnerstag, März 20, 2008

... wie ich an euch gehandelt habe!


Das Evangelium Johannes 13: 1 – 15

1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.

2 Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.

3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,

4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.

5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?

7 Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.

8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.

9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.

10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.

11 Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?

13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.

14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.



Wir ziehen uns in dieser Stunde mit Jesus und seinen Jüngern in jenes Obergemach zurück, in dem der Herr Mahl halten wollte. Dieses Mahl ist von einer besonderen Atmosphäre geprägt: es ist die Atmosphäre eines Abschiedes in Liebe: „Jesus erkannte, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zum Vater ginge; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende!“ (Joh 13:1)
Es ist ergreifende von der Liebe Jesu zu seinen Jüngern zu hören, von denen er weiß, dass einer ihn verraten, ein anderer ihn verleugnen wird und alle ihn verlassen werden. Er liebt diese Jünger, die ihn nicht verstehen und sich gegen ihn sträuben – wie Petrus uns dies stellvertretend vorzeigt. Es ist dies eine Liebe, die die Last der Jünger tragen kann; es ist eine Liebe, in der Jesus bleibt: „Wer in der Liebe bleibt, in dem bleibt Gott und Gott bleibt in ihm!“ (1Joh 4:16b)
Wir sind eingeladen, diese Liebe am heutigen Tag besonders nachzulieben und einander anzunehmen in unserer Verschiedenheit, in der Last, die wir füreinander sind.
Jesus lebt jene Liebe, die es Gott zur „Freude macht, bei uns Menschen zu sein“ (Spr 8:31) – unabhängig von unserer Befindlichkeit und die sich gerade angesichts unserer Schwachheit und Sündhaftigkeit als Barmherzigkeit erweist: Gnädig und barmherzig ist der Herr, voll Huld und reich an Erbarmen! (Ps 145:8)
Und so ist es auch diese Liebe, die im Abschied einen Neubeginn setzt: In heilige Zeichen gibt der Herr sich hinein, um seinen Jüngern zu deuten, was sein Leiden und Sterben für sie bedeutet: Es bedeutet Hingabe für sie: Darum sagt er zum Brot mein Leib für euch hingegeben, und zum Wein, mein Blut für euch vergossen.
Und es bedeutet Dienst an ihnen: Darum wäscht er ihnen die Füße und sagt dann: „Wenn ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe!“ (Joh 13:14f.)
In dienender Hingabe will er unter uns weiterleben. Durch unser Dienen und unsere Hingabe will er unter uns lebendig bleiben.
„Ich bin nicht gekommen, mich bedienen zu lassen sondern um zu dienen und mein Leben als Lösegeld hinzugeben für viele!“ (Mk 10:45)
Wenn Jesus selber an den Beginn der drei österlichen Tage von seinem Leiden und Sterben, von seiner Grabesruhe und seiner Auferstehung den Menschendienst so sehr in den Mittelpunkt stellt dann deshalb, dass wir uns gerade in diesen Tagen nicht im Gottesdienst erschöpfen sondern damit wir den Stein wegrollen und der Menschendienst aus dem Grab des Gottesdienstes zu neuem Leben erstehen kann.
Es ist die Stunde unseres Hohen Dieners Jesus Christus. Und er lehrt uns heute als unser Herr und Meister, dass priesterlicher Dienst Dienst an den Menschen ist und je mehr er Menschendienst ist um so mehr wird er zum Gottesdienst. Wir müssen als Priester den Menschen so dienen, wie Gott ihnen dient durch Jesus Christus.

Aufgrund der Weihe meint dies alle Priester; weil in der Taufe aber auch zum Priester gesalbt, sind alle Christenmenschen angesprochen. Wir Christen wurden in der Taufe zu einem heiligen Volk, zu einer auserwählten Priesterschaft; (vgl. 1Pet 2:9) auserwählt zum Dienen.
Und sollte ein Christ sich scheuen, seine Hände an Menschen schmutzig zu machen so kann er gewiss sein, dass sein Gottesdienst sich unverzüglich in einen Satansdienst wandelt.
Darum hat Jesus den Petrus so scharf getadelt: Weiche, von mir Satan! – als der ihn hindern wollte am Leidens- und Kreuzesdienst für alle Menschen. (vgl. Mk 8:33)
Wer sich für den Dienst an den Menschen zu gut vorkommt, der ist für den Dienst am Altar zu minder – als Priester wie als Gläubiger.
Der Herr will, dass wir Christen den Menschen priesterlich dienen, dass wir uns für sie hingeben; dass wir für sie werden wie Wein, wie Brot.
Wir Christen sind durch unser Priestertum bestimmt, genießbare Speise für die Menschen zu sein, die ihnen göttliches Leben in Fülle vermittelt.
Im II. Vatikanischen Konzil lautet dieser Wille des Herrn so: „Durch die Salbung des Heiligen Geistes geweiht und von Christus ausgesandt, ertöten sie in sich die Werke des Fleisches und geben sich gänzlich dem Dienst an den Menschen hin;“ (PO 12,2)
So können sie als wahre Jünger Christi „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, zu ihrer Freude und Hoffnung, zu ihrer Trauer und Angst machen.“ (GS 1)
Mit den Worten des Thomas von Aquin wollen wir unser priesterliches Adsum erneuern – unsere Bereitschaft nach Jesu Beispiel den Menschen zu dienen:
„Was bei jenem Mahl geschehen sollen heute wir begehen und verkünden seinen Tod.
Wie der Herr uns aufgetragen, weihen wir, Gott Dank zu sagen, nun zum Opfer Wein und Brot.“ (Lauda Zion Str. 4)

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