Donnerstag, März 20, 2008

... und nahm den Leichnam ab.


Das Evangelium Johannes 19: 38 – 42

38 Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab.

39 Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.

40 Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.

41 An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war.

42 Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.



Wir haben eben gehört, wie Josef aus Arimathäa, Nikodemus und die Frauen, die unter dem Kreuz gestanden sind, den Leichnam Jesu vom Kreuz abgenommen und in ein Grab gelegt haben. Sie haben Jesus nicht hängen lassen.

Wenn wir sagen, dass wir einen nicht hängen lassen, dann verbindet sich damit die Vorstellung, es kommt für einen Menschen Hilfe in einer Not, aus der er sich selbst nicht mehr befreien kann. Er fühlt sich gebunden, angehängt, unfrei, angewiesen auf einen anderen, der hilft. Was die Freunde Jesu vollziehen ist das Grundanliegen seines Lebens. Sie bewegen sich ganz in dem Programm und auf dem Weg, den er selbst gegangen ist. Sie lassen ihn nicht hängen.

Die Menschen, mit denen Jesus zu tun hat, "hängen" alle irgendwo. Die einen hängen im Netz ihrer Schuld und kommen nicht frei: Maria von Magdala, Petrus, der Zöllner Zachäus, die Frau am Jakobsbrunnen. Andere leiden schwer unter der Last einer Krankheit oder einer Behinderung, die Aussätzigen, die Blinden und Lahmen, die von ihrem Volk Ausgestoßenen. Sie alle kommen ihm vor müde und erschöpft "wie Schafe, die keinen Hirten haben" (Mk 6,34). Die Sünderin, die sie ihm vorführen, hatte eigentlich nichts mehr zu erwarten, zumal in einer Welt, die eindeutig von Männern kontrolliert wurde. Er überlässt sie nicht denen, die kein Mitleid kennen und die bereit sind, sie zu steinigen. Er lässt sie nicht hängen.

Besonders deutlich wird dies etwa in der Begegnung mit der Witwe von Nain, die eben, als er dort vorbeikommt, ihren toten Sohn zu Grabe trägt. In Tränen aufgelöst, allein gelassen von Gott und den Menschen, folgt sie der Bahre. Jesus greift ein, er lässt den Zug anhalten, er redet den Toten an, er richtet ihn auf, er übergibt den Lebenden seiner Mutter (vgl. Lk 7,12 ff). Er lässt sie nicht hängen.
Eindrucksvoll auch das Gespräch Jesu mit dem rechten Schächer: "Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!" bittet, er und Jesus lässt ihn in seiner Not und in seiner Hoffnung nicht allein: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein" (Lk 23,43). Er lässt ihn nicht einfach hängen.

In der Liturgie des Karfreitags lässt die Kirche Gott aufzählen, wie oft er das Volk nicht hat hängen lassen in Unterdrückung, Verfolgung, in Verirrung, in Hunger und Durst.

Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt und den Pharao versinken lassen im Roten Meer -
Ich habe dir einen Weg durch das Meer gebahnt -
In einer Wolkensäule bin ich dir voran gezogen -
Ich habe dich in der Wüste mit Manna gespeist -
Ich habe dir Wasser aus dem Felsen zu trinken gegeben -
Deinetwegen habe ich die Könige Kanaans geschlagen -
Ich habe dir ein Königszepter in die Hand gegeben -
Ich habe dich erhöht und dich ausgestattet mit großer Kraft.

Die Freunde, die Jesus nicht hängen haben lassen, haben begriffen, was er für die Menschen bedeutet hat, was sich verändert hat dadurch, dass er auftrat. Sie stehen in seiner Nachfolge, und so wird ihr Verhalten zur Botschaft an uns, heute, am Karfreitag.

Wenn wir zu denen gehören, die sich vorkommen als von den Menschen vergessen und hängengelassen, dann dürfen wir ihm vertrauen, der jedem Verlorenen nachgegangen ist, um ihn aus aller Verstrickung herauszuholen.

Vielleicht aber gehören wir zu den anderen, die Zeugen werden, wie man einen Menschen hängen lässt in seiner Not. Oder lassen wir gar Gott hängen? Dann ist ihr Verhalten aktuell, dann gilt es hinzugehen und ihn abzunehmen.

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