Mittwoch, März 12, 2008

Josef, der gerecht war


Das Evangelium Matthäus 1: 16.18-21.24a

16 Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.

18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.

19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

24a Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte.



„Josef, ihr Mann, der gerecht war.“ (Mt 1:19a)

Wie erweist sich Josef im Verhalten gegenüber seiner Frau Maria als gerecht?
Denn zweifellos befindet er sich menschlich in einer merkwürdigen Situation, da er doch sieht, dass sie von einem anderen schwanger ist. Wurde sie vergewaltigt? Hat sie ihn betrogen? Von beidem möchte ich annehmen, dass er es nicht einmal in Erwägung gezogen hat. Meine Annahme wird nicht durch eine Reinheit genährt, welche kirchliche Tradition idealisierend nachträglich in die Beziehung zwischen diesen beiden hineingetragen hat.
Vielmehr gehe ich davon aus, dass die Vorsehung Gottes von vornherein in Maria und Josef zwei herzensreine Menschen einander zugeführt hat im Hinblick darauf, dass diese beiden seinen Sohn in diese Welt einführen sollen.
Auf Grund dieser von Gott geschenkten Reinheit kommen für Josef die beiden oben erwähnten Möglichkeiten für die Schwangerschaft seiner Frau Maria nicht in Frage. Bleibt noch eine dritte Möglichkeit, die er aber nicht kennt; diese dritte Möglichkeit weist auf jemanden hin, der sich ausschweigt. Womöglich hat Josef im Stillen bereits den Bereich des Göttlichen vermutet. Wir wissen es nicht!
Auf jeden Fall gleicht er sich diesem sich ausschweigenden Bereich an und beschließt selber zu schweigen und sich in aller Stille von seiner Frau zu trennen. (vgl. Mt 1:19b)
Damit erreicht er zweierlei: Zum einen wird Maria nicht bloßgestellt und dem kurzsichtigen und daher ungerechten Reden und Handeln der Menschen ausgeliefert und zum anderen werden eben dadurch jenem Unbekannten, Schweigenden, Stillen alle Möglichkeiten zum Handeln offen gelassen.
Zugleich gibt Josef unmissverständlich zu verstehen, dass er bereit ist, Maria dem Unbekannten Schweigenden, von dem sie offenbar schwanger ist, völlig frei zu geben. Er kann mit Maria machen, was er für richtig und gut befindet.
So bewahrt Josef seine Verlobte vor dem Bösen, das über das Reden und Handeln anderer auf Maria zugegriffen hätte im Falle einer Bloßstellung.
Und sein Herz hält Josef frei von bösen Gedanken und Gefühlen, die ihn für ein weiteres Handeln des unbekannten Schweigenden behindert oder gar verunmöglicht hätten.

Wir sehen also: Josef war gerecht weil er der Situation gerecht wurde und sich so verhalten hat, dass der unbekannte Schweigende seinen Plan weiter entfalten und sein Werk tun konnte.

Wie sehr Josef der Situation gerecht worden ist erweist der weitere Verlauf des Geschehens. Denn sowohl Maria als auch er selber stehen unbelastet zur Verfügung für das, was nun kommt. Und das, was nun kommt betrifft zuerst unmittelbar Josef. Sein inneres Freisein erweist sich darin, dass er nicht sagt: „Nun habe ich Maria nicht bloß gestellt und ich habe sie entlassen. Damit ist diese Angelegenheit für mich erledigt.“ Was wäre das auch für eine Liebe gewesen, die die Beziehung zu seiner Verlobten wie ein Geschäft behandelt.
Vielmehr hören wir, dass Josef nach seinem Beschluss, Maria in aller Stille zu entlassen, nach wie vor darüber nachdenkt. (vgl. Mt 1:20) Dieses Nachdenken stellt keineswegs seinen Entschluss in Frage. Es ist dieses Nachdenken vielmehr wie ein Nachgehen in Liebe. Es ist wie ein Echo der Liebe zu Maria in seinem Herzen. Es ist ihm mit anderen Worten nach wie vor ein Anliegen, wie es mit seiner Verlobten weitergeht und dass es vor allem gut weitergeht mit ihr – wenn dies auch nicht mehr in ehelicher Gemeinschaft mit ihm sein sollte!
Es ist geradezu mit Händen jene Liebe zu greifen, die auf eine unglaublich wohltuende Weise frei lassen und frei bleiben kann.
Und wir dürfen uns wahrlich nicht wundern, dass dieser Freiraum in Josef voll ausgenützt wird von... ja, von wem denn nun? Von dem schweigenden Unbekannten, der in aller Stille da ist und dem Josef durch sein Stillsein die Ehre gegeben hat und dies auch weiterhin tun wird.
Es ist der Herr, der durch seinen Engel den Freiraum ausfüllt, den Josef so vorbehaltlos darbietet. In diesen Freiraum hinein offenbart der Engel im Traum, was an Maria eigentlich geschehen ist und wer die treibende Kraft hinter all diesem Geschehen ist.
Josef wird es wohl selber nicht unterscheiden haben können, was ihn mehr mit Freude erfüllt hat: Dass ihm seine Verlobte erneut und nun mit göttlicher Vollmacht, in göttlichem Auftrag geschenkt wurde – oder dass der Allmächtige – gepriesen sein ER – sich herablässt, ihn, den Zimmermann, als Werkzeug an der Erlösung Israels zu benützen.
Als Josef nach dem Erwachen dann tat, was der Engel ihm befohlen hatte (vgl. Mt 1:24a), konnte er gewiss auch deshalb nicht reden, weil ihm die übergroße Freude ganz einfach die Sprache verschlagen hat! Amen!

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