Montag, März 31, 2008

Es ist der Herr!


Das Evangelium am 3. Sonntag nach Ostern:
Johannes 21: 1 – 14


1 In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.

3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.

10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.

11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.



Wenn Petrus heute sagt: „Ich gehe fischen!“ (Joh 21:3), dann klingt das wie: „Diese ganze Geschichte mit Jesus war für die Fisch!“ Eine Seifenblase ist zerplatzt. Und die Jünger finden sich dort wieder vor, wo Jesus sie einmal abgeholt hat – bei ihrem Fischerhandwerk. (vgl. Mt 4:18-22) Jesus ist für sie gestorben.
Die Stimmung, in der sie sind, kommt überdeutlich im „Nein“ zum Ausdruck, mit dem sie Jesus antworten auf seine Frage: „Meine Kinder habt ihr nicht etwas zu essen?“ (Joh 21:5) Diese Frage meint eigentlich: Wovon lebt ihr? Was hat euer Leben für einen Sinn? Mit ihrem „Nein“ gestehen die Jünger, dass sie leer sind, dass ihr Leben sinnlos ist; dass sie wie ausgebrannte Ruinen sind. Sie können Jesus nicht erkennen, weil er für sie gestorben ist!
Wie gut, dass sie für ihn nicht gestorben sind! Dass er ihnen nachgeht und sie aufsucht, dort wo sie sind; dass er sie abholt, wo und wie sie sich gerade befinden. Das „Nein“ des Todes, in dem die Jünger sich befinden beantwortet er mit dem „Ja“ des Lebens. Und auf sein Wort hin ist dort auf einmal Leben in Überfülle wo eben noch gähnende, tödliche Leere war.
Es ist diese nachgehende Hirtenliebe, es ist dieses Licht in der Dunkelheit, es ist diese Lebensquelle in tödlicher Resignation, es ist dieses kraftvolle Leben in enttäuschter Schwäche an der der Lieblingsjünger erkennt: „Es ist der Herr!“ (Joh 21:7) Und mit dem lebendigen Herrn am Ufer werden auf einmal all die Geschichten wieder lebendig, die sie erlebt haben; es wachen die Worte zu neuem Leben auf, die er zu ihnen gesprochen hat: Das Leben mit Jesus – es war keine Seifenblase sondern lebendige Wirklichkeit, die weitergeht, ohne jemals wieder zu enden.
Einmal mehr werden die Worte Jesu klar: „Nicht ihr habt mich erwählt sondern ich habe euch erwählt und ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt!“ (Joh 15:16a) „Denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15:5c)

Wir dürfen jeden Gottesdienst als Ufer verstehen, an dem der Herr steht und uns sein Wort in unser alltägliches Leben zuruft, damit er in diesem Wort lebendig gegenwärtig werde mitten in unserem Leben.
Mit diesem Wort fragt er auch uns, wovon wir leben und was denn der Sinn unseres Lebens ist.
Mit diesem Wort will er auch uns sagen, was wir tun und wie wir leben sollen, damit unser Leben nicht leer bleibt und wir unser Geld nicht in einen löcherigen Beutel hineinverdienen.
Mit seinem Wort will er auch uns erinnern, dass die Gemeinschaft mit ihm das Nonplusultra unseres Lebens ist. Und er lädt uns ein, diese Gemeinschaft mit ihm zu erleben, zu feiern, zu genießen: In der hl. Messe am Sonntag, am Tag des Herrn, also an SEINEM Tag, im Gespräch mit ihm, also im Gebet, in geschwisterlicher Gemeinschaft, bei der Arbeit und beim Feiern, wo wir Leid und Freude miteinander teilen.

Und übersehen wir nicht, dass beim Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern hält, nicht nur sein Beitrag verzehrt wird sondern auch von dem gegessen wird, was die Jünger mit vereinter Mühe gefangen haben – wenn auch auf sein Wort hin. Sie leben nicht nur vom Fisch allein sondern vom Wort, das aus seinem Mund kommt.

Und vergessen wir zu guter Letzt eines nicht: Wenn ihr dann am Ende der Messe sagt: „Wir gehen nach Hause!“ dann ist das nicht jenes trostlose „Ich gehe fischen“ des Petrus sondern es ist ein fieberndes Zustreben dem Ufer; denn zu Hause erwartet uns genau so wie hier im Gottesdienst der, von dem auch wir sagen dürfen: „Es ist der Herr!“

Er bereitet uns die Mahlzeit des Alltages wie er uns hier das Mahl seiner Liebe bereitet hat. So erfüllt sich sein Wort: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ (Mt 28:20b)

Beten wir gemeinsam aus dem „Gotteslob“ 6/4
Herr Jesus Christus, du hast mich berufen, dass ich mit dir zum Vater gehe. Mit dir will ich allezeit auf dem Wege bleiben. Sei das Wort, auf das ich höre und dem ich folge. Sei das Licht, das mich erleuchtet. Sei die Kraft, die mich erfüllt. Sei der Beistand, der mich nicht verlässt. Mach mich vollkommen eins mit dir und lass mich zur ewigen Vollendung gelangen.

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