Dienstag, Februar 19, 2008

Herr, gib mir zu trinken!


Das Evangelium Johannes 4

5 In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

7 Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

9 Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?

12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?

13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

19b Ich sehe, dass du ein Prophet bist.

20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

23 Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

24 Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.

26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

39a Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus.

40 Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.

41 Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.

42 Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.



Sehr eindrücklich erzählen die Lesungen uns heute vom Wasser und wie wichtig es ist für das Leben der Menschen: das dürstende Volk Israel in der Wüste (Ex 17:3-7), Jesus und die Samariterin zu mittäglicher Hitze am Jakobsbrunnen (Joh 4:5-15) – sie sind auf der Suche nach Wasser.
Dabei wird in beiden Lesungen deutlich, dass es nicht um natürliches Wasser allein geht, nicht nur um das Stillen leiblichen Durstes.

Schon die Lesung aus dem ersten Testament macht deutlich, dass Wasser eine Gabe Gottes ist und dass zuerst das Vertrauen auf Gott fließen muss ehe die Quellen zu fließen beginnen, die den Durst des Leibes stillen. Darum sagt Gott zu Moses: „Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.“ (Ex 17:5f)
Das Volk erfährt, dass der Herr für es sorgt und dass ihm nichts fehlen wird, wenn es auf ihn vertraut. Sich beim Ärger über den Durst aufzuhalten bringt nichts; sehr wohl aber die inständige Bitte an Gott um Hilfe und die Bereitschaft, zu tun, was er sagt (vgl. Joh 2:5).

Auch im Evangelium bemerken wir Eigenartiges. Sitzen die beiden am Brunnen – Jesus und die Samariterin um 12 Uhr mittags bei einer Affenhitze. Man möchte doch meinen, sie würden gleich aus dem Brunnen schöpfen, um den ärgsten Durst zu löschen und dass die beiden anschließend sich dann unterhalten. Nichts davon!
Jesus verwickelt die Frau in ein Gespräch, bei dem der Durst des Leibes auf einmal weg ist; gerade so, als ob es wichtigeres gäbe, als diesen Durst; als ob es einen Durst gibt, der heftiger quält als jener des Leibes: einen Durst, unter dem die Seele leidet.
Und tatsächlich wird dieser Durst angesprochen von der Samariterin: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ Und erklärend fügt der Evangelist an: „Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.“ (Joh 4:9) Es ist der Durst der Verachtung, der Diskriminierung, den Jesus löscht, indem er als Jude eine Samariterin und als Mann eine Frau anspricht und zudem noch von ihr einen Gefallen erbittet. Er löscht diesen Durst, indem er diese Frau als Menschen behandelt, ihr menschlich begegnet von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz.
Es ist das Wasser respektvoller, unvoreingenommener – eben großzügiger Liebe, das Jesus der Samariterin von Anfang an zu trinken gibt. Was Wunder, dass sie dabei völlig auf den Durst ihres Leibes vergisst!

Es ist das Wasser der Liebe Gottes zu uns Menschen, das Jesus der Samariterin und allen Menschen zu trinken geben möchte.
Dieses Wasser fließt nicht nur damals am Jakobsbrunnen. Es fließt überall dort, wo der Herr uns begegnen will: Hier im Gottesdienst, bei der Beichte, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden; vor allem aber, wo wir caritativ tätig sind.

Genau dies erkannte auch unsere Mutter Teresa von Avila; deshalb ist das heutige Evangelium eine ihrer Lieblingsstellen aus der Frohbotschaft Jesu.
Und wie die Samariterin völlig auf ihre ursprüngliche Aufgabe, Wasser zu holen, vergisst, und in ihr Dorf eilt, um den Leuten von Jesus zu erzählen genau so macht sich auch Teresa bis an ihr Lebensende unermüdlich auf den Weg, um den Menschen von diesem lebendigen Wasser der Liebe Gottes zu erzählen und sie zu Jesus hinzuführen.

Meine lieben Freunde! Mit der Samariterin, mit unserer hl. Mutter Teresa wollen auch wir Jesus bitten: „Herr, gib mir dieses Wasser!“ (Joh 4:15)
Suchen wir in dieser Fastenzeit vermehrt jene Brunnen des Gottesdienstes, der Beichte, des Gebetes und der Nächstenliebe auf, aus denen wir dieses Wasser schöpfen können, wo es überreich für uns fließt.
Und lassen wir uns so von Jesus in Quellen wandeln, aus denen dieses lebendige Wasser der Liebe Gottes weiter fließen kann zu unseren Mitmenschen. (vgl. Joh 4:14) Amen!

Keine Kommentare: