Dienstag, Februar 26, 2008

Christus wird dein Licht sein!


Das Evangelium Johannes 9: 1 – 41

1 In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.

2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?

3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen

7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

8 Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?

9 Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?

11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.

12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.

13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.

14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

16 Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.

17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten

19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?

20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.

21 Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.

22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.

23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.

24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.

25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.

26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?

27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?

28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.

29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.

30 Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.

31 Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.

32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.

33 Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.

34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

35 Jesus hörte, dass sie ihn hinaus gestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

36 Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.

37 Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.

38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.

40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?

41 Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.



Ein Blindgeborener kann sehen. Einer, der die Schöpfung noch nie in seinem Leben gesehen, kann auf einmal sehen. Eine völlig neue Welt eröffnet sich diesem Menschen.
Das Evangelium berichtet nichts von den Empfindungen dieses Menschen; es erzählt nichts davon, was und wen er nun alles sieht, ob und wie er sich darüber freut.
Dies ist dem Evangelisten Nebensächlich.
Statt dem muss er immer wieder erzählen, wie es denn gekommen ist, dass er sehen kann.
Erst am Ende der Geschichte erzählt der Evangelist vom bewussten Sehen des Blingeborenen: „Jesus fragt ihn: Glaubst du an den Menschensohn?
Er antwortet: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
Jesus sagt zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder!“ (Joh 9:35-38)

Jesus hat dem Blindgeborenen das Augenlicht geschenkt, damit er ihn, Jesus, sehen kann. Dieses Sehen bedeutet aber mehr als bloß mit den Augen zu schauen. Es bedeutet in dem Menschen Jesus den Menschensohn zu erkennen und an ihn zu glauben. Es geht um jenes Sehen, das nicht an der äußeren Gestalt hängen bleibt.
Es geht um ein Sehen wie Gott: Wir hörten von diesem göttlichen Sehen in der 1. Lesung: „Der Herr sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ (1Sam 16:7)
Zu diesem Sehen will Jesus auch uns die Augen öffnen. Wir sollen in Jesus nicht nur den Menschen sehen, der vor unseren Augen ist; wir sollen in sein Herz sehen und in ihm den Menschensohn erkennen, den Messias, den Sohn Gottes, unseren Herrn und Erlöser.

Diesen Blick in das Herz Jesu können wir nur im Glauben tun.
Und wie uns das Verhalten der Pharisäer und der Angehörigen des Blindgeborenen im Evangelium zeigt, ist dieser Blick keine Selbstverständlichkeit. Er ist ein Geschenk des Herrn.
Und es wird auch deutlich, dass die Erkenntnis Jesu nicht von Anfang an in voller Klarheit da ist; wir könne dies am Blindgeborenen selber erkennen: Zuerst ist Jesus bloß „der Mann, der Jesus heißt“ (Joh 9:11) dann nennt er Jesus einen Propheten (vgl. Joh 9:17) und schließlich kann er in Jesus gläubig den Menschensohn erkennen, den Herrn, den Kyrios, vor dem er sich anbetend niederwirft. (vgl. Joh 9:38)

Wir können feststellen: Das Sehen, das Jesus schenkt, wandelt den Menschen von einem, der Jesus nicht gesehen und nicht gekannt hat zu einem, der Jesus als den Herrn bekennt!
Diese Wandlung beschreibt der Epheserbrief in der 2. Lesung: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden.“ (Eph 5:8)
Finsternis in der Ferne und in der Unkenntnis von Jesus;
Licht in der Nähe und in der Erkenntnis Jesu Christi.
Diese Verwandlung zu Licht gewordenen Menschen kann nicht ohne Auswirkungen bleiben: Darum fährt der Apostel in der Lesung fort: „Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!“ (Eph 5:8-11)
Die Frucht des Lichtes, das der Blingeborene hervorbringt, ist sein Bekenntnis zu Jesus als dem Menschensohn und seine Verehrung Jesu als des Herrn.
Jesus hat dem Blindgeborenen die Augen geöffnet, damit er ihn, Jesus, als das Licht der Welt erkennt und von diesem Licht erleuchtet wird und so erleuchtet als Kind des Lichtes lebt.

Wie wäre es denn, wenn wir diese Bußzeit als Zeit sehen, in der Jesus auch uns auffordert: „Geht und wascht euch, geh und wasch dich im Teich Schiloach!“ (Joh 9:7)
Immer wenn wir das Weihwasser beim Kommen oder Verlassen der Kirche oder bei uns zu Hause nehmen können wir dies als Einladung Jesu hören, unsere Augen abzuwaschen von den Verkrustungen, die uns blind machen für ihn; die uns in Jesus noch nicht den Sohn Gottes und unseren Erlöser sehen lassen.
Und eignen wir uns die Bitte des Blingeborenen an: „Wer bist du Herr! Sag es mir, damit ich an dich glaube!“ (vgl. Joh 9:36)
So wollen wir uns in diesen Tagen vom Herrn aus der Finsternis ins Licht führen lassen und mehr und mehr leben als Kinder des Lichtes.

Es soll der Ruf des Apostels lebendige Wirklichkeit werden: „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.“ (Eph 5:14) Amen!

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