Freitag, Januar 04, 2008

Sie sahen das Kind und seine Mutter


Das Evangelium Matthäus 2: 1 – 12

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.



Man möchte es kaum glauben – aber das Jesuskind in der Krippe bereitet nicht nur Freude: König Herodes und mit ihm ganz Jerusalem erschrecken, als sie von diesem Kind hören. Sie erschrecken, weil dieses Kind nach dem Bericht der Sterndeuter der neugeborene König der Juden sein soll. Sie haben Angst, dieser neugeborene König könnte ihnen etwas nehmen. Und in dieser Angst kommen sie gar nicht auf die Idee, dass dieses Kind ihnen auch etwas schenken könnte.

Wir haben die Situation vor uns, dass ein Geschenk nicht ankommt: Die mit diesem Kind beschenkt werden sollten erleben es als eine Gefahr. Denen Gott mit diesem Knaben Gutes tun will fühlen sich durch eben dieses Kind bedroht. Die Ursachen sind klar: Herodes und mit ihm ganz Jerusalem sind verliebt in die Macht und in die Lebensweise, die sie gerade führen. Und sie führen ein bequemes, ja, luxuriöses Leben. Dieses Leben erlaubt es ihnen nicht, verliebt zu sein in Gott. Aber gerade dies wäre die Voraussetzung, von diesem Kind beschenkt zu werden.
Deswegen wissen sie zwar von ihrem Verstand her, dass aus Bethlehem ein Fürst hervorgehen wird, der Hirt des Volkes Israel. Aber dieses Wissen bleibt im Kopf. Es sinkt nicht ins Herz. Deswegen könne sie nicht voll Freude mit den Sterndeutern mitgehen sondern bleiben voll Angst und mit verschlossenem Herzen in Jerusalem. Die Anhänglichkeit an ihr Leben lässt sie erstarren, macht sie unempfänglich für das neue Leben, das Gott ihnen in diesem Kind schenken möchte: Sie sind wie lebende Tote.

Wie so anders die Sterndeuter aus dem Osten: Menschen, empfänglich für die Anregungen von oben, bereit auf die Stimme ihres Herzens zu hören, auf der Suche nach der Gabe Gottes, unterwegs zum neugeborenen König der Juden: Menschen, die leben!
Mit dieser Geschichte will Matthäus gleich zu Beginn seines Evangeliums andeuten, was dann am Ende traurige Wirklichkeit wird: Dass das jüdische Volk Jesus als seinen Messias ablehnt, die Heiden ihn aber aufnehmen. Matthäus stellt uns Jesus als den Erlöser für Juden und Heiden vor Augen.

Ich stelle mir nun die Frage, ob die Sterndeuter auf der einen Seite und Herodes mit Jerusalem auf der anderen Seite nicht auch in unserem Herzen da sind; dass also auch in uns „jemand“ da ist, der sich über das Jesuskind freut und seine Nähe sucht und „jemand“, der Angst hat vor diesem Kind und seine Nähe meidet. Dieser „jemand“ will das Kind töten durch Gleichgültigkeit, in dem er lebt, als gäbe es dieses Kind nicht, als wäre es nie geboren, als hätte dieses Kind mit ihm überhaupt nichts zu tun.
Mit diesem „jemand“, der Angst hat, meine ich die Bereiche der Eigenmächtigkeit in unserem Leben, in denen wir uns auch vom Kind in der Krippe nichts dreinreden lassen wollen und wo wir uns fürchten, unsere Herrschaft an dieses Kind zu verlieren. Wir kommen mit diesen Bereichen vor allem in der Gewissenserforschung in Berührung, mit der wir uns etwa auf die Beichte vorbereiten.

Wir sind wie ein Scheiterhaufen, bei dem noch nicht alle Scheiter ergriffen sind von der Liebe zu Gott und den Menschen; etliche Scheiter liegen noch zu weit vom Feuer der Liebe entfernt.
Und die Aufgabe unseres christlichen Lebens ist es, auch diese Scheiter in das Feuer zu legen – eine Aufgabe, die uns wohl Zeit unseres Lebens beschäftigen wird.

Auf jeden Fall könnten wir in diesen Scheitern jene Gaben sehen, die wir den Sterdeutern gleich dem Kind bringen könnten, um es zu verehren und ihm zu sagen, dass wir ihm zutrauen, dass es die Berufung und das Zeug zum Herrn nicht nur über alle Menschen sondern auch über unser ganzes Leben hat.

Keine Kommentare: