Mittwoch, Januar 16, 2008

Seht, das Lamm Gottes!


Das Evangelium Johannes 1: 29 – 34

29 In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.

30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.

31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen.

32 Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.

33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.

34 Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.



„Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt!“ (Joh 1:29)
Mit diesen Worten stellt Johannes Jesus vor – seinen Jüngern damals und uns heute.
Wir kennen diese Worte von der hl. Messe: Der Priester spricht sie unmittelbar vor der Kommunion; er zeigt der Gemeinde dabei die Hostie und den Kelch mit dem kostbaren Blut Jesu. Und die Antwort, die wir geben, lautet: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“

Damit wird noch einmal deutlich gemacht, worum es geht bei der Kommunion, bei der hl. Messe, bei der Begegnung Gottes mit uns Menschen: Es geht um die Gesundheit unserer Seele; es geht um das Heil und das Wohl unseres inneren Menschen. Es geht um unsere Kerngesundheit: Dass der Kern unserer Person im Frieden und in der Freude sein kann. Diese Gesundheit ist nicht etwas, getrennt vom Herrn! Sie ist mit dem Herrn da und verlässt uns auch wieder mit dem Herrn!
Darum hat jeder Gottesdienst so was wie Ewigkeitswert in dem Sinn, dass er nicht als singuläres Ereignis gelebt werden darf, wenn er wirklich greifen soll. Er ist vielmehr auf ein endloses Dauern angelegt. Er ist ein immer wieder geschenkter Einstieg in das Zusammenleben mit Gott. Ein immer wieder erneuertes Angebot Gottes, mit uns, für uns sein zu wollen – das auf unsere Bereitschaft wartet, auch mit ihm und für ihn leben zu wollen.

Das wird ja über deutlich in den Evangelien: Die Nähe des Herrn berührt die Menschen und sie werden heil und frei, erlöst und froh. Und die Menschen suchen die Nähe des Herrn, sie bleiben bei ihm und folgen ihm nach. Jeder Gottesdienst will wie ein leuchtender Stern sein, der uns klar macht, dass der Herr bei uns sein will bis ans Ende der Zeit. Und jeder Gottesdienst möge doch auch unsere frohe Bereitschaft ausdrücken, die Verbundenheit mit dem Herrn zu erneuern und zu vertiefen.

Es ist auch auffallend, dass in diesem Wort des Täufers der Sünde der Welt ein Lamm gegenübergestellt wird. Wollen wir diese Gegenüberstellung recht verstehen, müssen wir das begreifen, was mit Sünde der Welt gemeint ist: Begriffe wie Abhängigkeit, Krankheit, Enge, Unterdrückung, Kälte, Lieblosigkeit, Zynismus, Hass, lassen uns die böse Macht dieser Kraft erahnen, die Johannes „Sünde der Welt“ nennt. Und dem gegenüber nun keine irgendwie geartete Macht militärischer, technischer oder medizinischer Art, sondern ein Lamm in all seiner Wehrlosigkeit und seiner Ohnmacht.

Dieses Lamm ruft Erinnerungen wach an jenes Lamm, von dem bei Jesaja 53:7 die Rede ist: „Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.“ Verbunden mit der Erinnerung an das Paschalamm, das ja auch geschlachtet wurde, um dann von der feiernden Gemeinde verzehrt zu werden, weist Johannes darauf hin, wie Jesus als das Lamm, die Sünde der Welt hinweg nehmen wird: Indem er ein Opfer der Sünde wird; indem er von der Sünde der Welt geschlachtet wird. Das allein wäre aber zuwenig; so wäre er nur eines von den zahllosen Opfern, das die Sünde der Welt verschlungen hat.

Er ist das Lamm Gottes! Das heißt: Seine Kraft und Stärke kommt nicht aus ihm sondern ganz von Gott. Dessen bewusst hat er bis in den Tod hinein sein Vertrauen auf diesen Gott nicht verloren und hat noch im Gefühl tiefster Verlassenheit von diesem Gott sein Leben in die Hände eben dieses Gottes hinein gegeben: „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist!“ (Lk 23:46a)

Wem kommen da nicht die Worte des Apostels in den Sinn: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark!“ (2 Kor 12:10) Oder: „Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt!“ (2 Kor 12:9) Wen wundert es, dass dieses Vertrauen auf die Kraft des Herrn schließlich sagen kann: „Ich vermag alles durch ihn, der mir Kraft gibt!“ (Phil 4:13)

Meine lieben Freunde! Das Zeugnis des Täufers will uns ermutigen im Kampf gegen die Sünde der Welt, unter der wir alle leiden – jeder auf seine Weise. Der Täufer will uns einladen, dass wir uns ganz diesem Lamm Gottes anvertrauen und das heißt, dass wir ganz seiner Kraft vertrauen. Nicht dass wir unsere eigenen Kräfte missachten und das übersehen, was wir tun können. Aber dass wir unsere Kräfte in seiner Kraft gründen und einsehen, dass wir ohne ihn nichts vermögen. (vgl Joh 15:5c)

Die Sünde der Welt ist ja nur deshalb so mächtig in unserem Leben, weil unser Vertrauen so schwach ist, dass der Herr bei uns, mit uns ist. Und die Sünde der Welt hatte im Leben Jesu keine Chance, weil er wusste, dass er ganz Gott gehörte und er vertraute, dass dieser Gott ihn nie verlassen würde.

So wollen wir jede Mutlosigkeit und Verzagtheit ablegen und unser Vertrauen erneuern, dass der Herr unser Hirte ist und uns nichts fehlen wird. (vgl. Ps 23:1) Wir wollen uns so durch unser Lebenszeugnis jener großen Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen anschließen, die niemand zählen kann und die in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm stehen und Palmzweige in den Händen tragen und die mit lauter Stimme rufen: „Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.“ (vgl. Offbg 7,9-10) Amen!

Keine Kommentare: