Mittwoch, Januar 09, 2008

Du bist mein geliebter Sohn!


Das Evangelium Matthäus 3: 13 – 17

13 Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.

14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?

15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.

16 Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.

17 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.


I

Ganz selbstverständlich sehen wir Jesus im heutigen Evangelium in der Reihe jener stehen, die sich von Johannes im Wasser des Jordan taufen lassen zur Vergebung ihrer Sünden. Dabei drängt er sich nicht vor sondern wartet bis er dran kommt – wie die anderen auch. (vgl. Mt 3:13)
Wir erleben Jesus völlig solidarisch mit den Menschen um ihn. Er tut sich in keiner Weise besonders hervor. Er ist einer von ihnen. Oder wie es Paulus ausdrückt: Er ist in allem uns gleich geworden. (vgl Heb 2:17; Phil 2:7)

Das Außerordentliche, das ihn aus allen anderen um ihn herum heraushebt kommt nicht von ihm selber; es kommt vom Himmel, es kommt von Gott, den Jesus seinen Vater nennen wird: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen,
da öffnete sich der Himmel,
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. 
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Mt 3:16f.)

Was da vom Himmel her mit Jesus geschieht, sagt uns, warum Jesus sich von Johannes taufen hat lassen. Es ging bei ihm nicht darum, Sünden abzuwaschen, wie bei den übrigen Leuten. Es ging bei Jesus darum, den Leuten zu zeigen und zu sagen, wer dieser Jesus eigentlich ist – nämlich der Sohn Gottes. Dies geschieht bei der Taufe.

Dadurch wird für uns dieses Geschehen um eine ganz wesentliche Dimension erweitert: Sie ist nicht bloß ein Abwaschen von Sünden sie ist in der Folge ein heiliges, wirkmächtiges Zeichen, in dem der Getaufte Kind Gottes wird.
In der Taufe wird uns nicht nur etwas genommen – nämlich unsere Sünde; in der Taufe wird uns vor allem etwas geschenkt – nämlich die Gotteskindschaft.
Mit Johannes wäre die Taufe auf halbem Weg stehen geblieben: Ja schon, Freiheit von Sünden – aber was nun?
Durch Jesus erreichte die Taufe ihr Ziel, ihre Vollendung – im Kindsein vor Gott.
Das ist das Große, das uns in der Taufe durch Jesus geschenkt wird: Wir werden Söhne im Sohn, wie es ein Kirchenvater einmal ausdrückte. Wir werden durch Jesus in der Taufe Töchter und Söhne Gottes. Wir werden dem Bösen entrissen und Gott geschenkt. Das meint Paulus, wenn er schreibt: Durch die Taufe sind wir der Sünde gestorben und leben für Gott in Christus, Jesus unserem Herrn. (vgl. Röm 6:1-8)

Die Taufe ist der Zeitpunkt, an dem wir für das Leben in Gott geboren werden. Da wir alle schon als Babys getauft wurden und nicht erst als Erwachsene, wie das in der Urkirche selbstverständlich war, haben wir nie so richtig in unserem Inneren realisiert, was die Tauf eigentlich bedeutet, was uns da eigentlich geschenkt wurde und dass der Tag der Taufe die Krönung und Vollendung unseres Geburtstages ist.

Darum sollte der Tauftag eigentlich genauso, ja, noch mehr gefeiert werden als unser Geburtstag; aber vermutlich wird niemand von uns das Datum seines Tauftages kennen. Auch ich musste erst in meiner Taufurkunde nachschauen.
Dass wir getauft sind ist leider zu selbstverständlich geworden, als dass wir dafür noch danken könnten. Die Taufe ist für uns ein Begriff so leer wie manchmal das Weihbrunnkrügel zu Hause, wenn wir dort überhaupt noch eines hängen haben.

Der alte Fließer Pfarrer, er lebte im 19. Jahrhundert, hat zum Zeichen seiner Dankbarkeit für das Geschenk der Taufe immer wieder einmal das Taufbecken seiner Pfarrkirche umarmt und so seine Freude über dieses Sakrament ausgedrückt.
Ja, seine Beziehung zum Sakrament der Taufe war dermaßen tief, dass sich folgendes zugetragen hat:

Er geht gerade auf einen Bauernhof in seiner Gemeinde zu. Die Leute dort sehen ihn kommen. Sie bemerken, dass im Weihbrunnkrügel kein Weihwasser mehr drinnen ist. Da sonst auch kein Weihwasser im Haus ist holen sie schnell etwas Wasser vom Brunnen. Kommt der Pfarrer in die Stube, taucht den Finger ins Krügel und will sich bekreuzigen – zögert, taucht noch einmal ein und bemerkt dann: Wohltan a seichtes Wosserle hobets es do!

Nehmen wir das heutige Fest der Taufe des Herrn zur Neubesinnung auf unsere Taufe. Beginnen wir einen Weg der uns aus unserem seichten religiösen Leben in die Tiefe des Christentums führt, in den Reichtum und in die Macht der Gotteskindschaft, die uns in der Taufe geschenkt worden ist, damit wir daraus leben in Zeit und Ewigkeit. Amen!

II

Wir feiern die Taufe des Herrn. Jesus wird von Johannes in das Wasser des Jordan getaucht. Durch dieses Eintauchen wird das Wasser des Jordan geheiligt, denn dieser Jesus ist der geliebte Sohn, an dem Gott, der Vater sein Wohlgefallen hat.

Wir können auch sagen: bei der Taufe geht Jesus baden! Er geht baden als Zeichen dafür, dass er „baden gehen wird,“ d.h. dass er Schiffbruch erleiden wird, indem er untertaucht im bitteren Meer des Leidens und des Todes.
Wie er nun aber die Fluten des Jordan durch sein Eintauchen heiligt, geradeso heiligt er auch die Fluten des Todes, indem er dem Tod seine vernichtende Macht raubt in der Auferstehung von den Toten. Seitdem führt Leiden und Sterben nicht mehr in die Endstation der Vernichtung sondern es wird Durchgang zum Leben – zum Leben im Herrn.
In der Taufe, die an uns vollzogen wird, sterben wir mit dem Herrn grundsätzlich dem Tod und der Sünde, um in der Wirklichkeit des neuen Lebens zu leben das ER uns in der Auferstehung schon hier auf Erden erworben hat.

An dieses grundlegende Geheimnis unseres christlichen Glaubens werden wir am Fest der Taufe des Herrn erinnert. Wir werden daran erinnert durch die Feier dieser hl. Messe und durch jede Begegnung mit dem Herrn: Der Herr taucht ein in unser Leben; ein berückender Gedanke: ER lässt sich taufen mit unserem Leben – in seinem Glück und in seinem Elend; in seiner Erhabenheit und seiner Erbärmlichkeit, in seinem Reichtum und in seiner Armut. Auch auf diese Weise Menschwerdung Jesu: Mensch wie wir, Mensch mit uns.
Und er taucht ein in unser Leben, damit es geheiligt werde. Nichts und niemand bleibt von seinem Eintauchen unberührt – mag er sich dessen nun bewusst sein oder nicht. Diese Begegnung mit dem Herrn verändert auf jeden Fall. Wir gehen anders von diesem Eintauchen des Herrn in unser Leben weg als wir hergekommen sind. Der Herr lässt durch sein Eintauchen Gesegnetes zurück – überreich Gesegnetes. Und unser Anteil? In dem Maße, wie wir uns dieses Segens bewusst werden, kann er sich entfalten, kann der Herr durch diesen seinen Segen in unserem Leben wirksam und präsent werden.

Halten wir uns die Unbegreiflichkeit dieses Geschehens vor Augen, um auch in rechter Weise dieses Tun des Herrn würdigen zu können.

Sein Eintauchen in unser Leben bedeutet, dass ER sich in seiner göttlichen Macht mit allem befasst, was unser Leben beeinträchtigt, behindert, beschädigt, zerstört, unterdrückt. Er entlässt Gefangenes, er macht Blindes sehend, Zerschlagenes setzt er in Freiheit, er ruft ein Gnadenjahr des Herrn aus (vgl. Lk 4:18f.) „Er löscht den glimmenden Docht nicht aus und das geknickte Rohr zerbricht er nicht“ (Mt 12:20; Jes 42:3) Er ist der gute Hirt, der dem Verlorenen nachgeht, bis er es findet (vgl. Lk 15: 4-7) und der die fetten Tiere auf gute Weide führt. (vgl. Ez 34:16) Er gibt sein Leben hin. (vgl. Joh 10:11) Das Gute in uns veredelt er; das Verwundete heilt er; das Böse vernichtet er. So schenkt er uns die Fülle seines göttlichen Lebens.

Verschließen wir ihm unser Leben nicht; lassen wir ihn ganz eintauchen; taufen wir ihn mit unserem ganzen Leben und wir werden das Wunder der Erlösung erleben: Wir finden uns ganz in den versenkt, der sich zuvor ganz in uns versenkt hat; den wir ganz in unser Leben eingelassen haben, der hat uns ganz in sein Leben hineingelassen; der sich durch sein Eintauchen ganz uns anverwandelt hat der verwandelt uns in den neuen Menschen, der ihm ähnlich ist.

Wir spüren hier die Kraft der Liebe am Werk. Denn der da bei der Taufe in unser Leben eintaucht ist der geliebte Sohn des Vaters im Himmel; (vgl. Mt 3:17; Mk 9:7) darum kann er nur und ganz aus diesem Geist der Liebe heraus in uns wirken. Weil er ganz geliebt ist von seinem Vater kann er auch uns ganz lieben; und weil wir so ganz vom Herrn geliebte sind haben auch wir die Kraft, ganz Liebende zu werden aneinander. In dieser Liebe besteht die Macht, Kinder Gottes zu sein! (vgl. Joh 1:12) Lassen wir diese Macht zu einem Segen werden für uns, unsere Kirche und unsere Welt. Amen!


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