Mittwoch, Januar 23, 2008

Das Himmelreich ist nahe!


Das Evangelium: Matthäus 4: 12 – 23

12 Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück.

13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.

14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:

15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa:

16 das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.

17 Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer.

19 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,

22 und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.



Kirche wird! Kirche wächst! Davon berichtet das heutige Sonntagsevangelium. Sehen wir zu wie sie wächst, wo sie wächst und vor allem: durch wen sie wächst!

Wir hören, wie Jesus Menschen in die Gemeinschaft mit ihm ruft – vorerst vier Männer. Jesus beginnt auf diese Weise die Botschaft zu entfalten, mit der er sein Wirken beginnt: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 4:17) Das ist die Überschrift, die er seinem Wirken voranstellt; das ist das Programm, das er sich vornimmt. Und alles Weitere ist die Entfaltung dieses Programms, so dass die Leute zunehmend eine Antwort bekommen auf die Frage: Ja, was ist denn das: das nahe gekommene Himmelreich?

Was will Jesus also sagen, wenn er Menschen in seine Nähe ruft? Offenbar nicht, dass das Himmelreich nur etwas für Berufene und Auserlesene ist; denn Jesus schließt sich nicht in diesen Kreis von Männern ein, den er nun zusammen mit den vier Jüngern bildet. Im Gegenteil: Kaum in seine Nachfolge berufen, verschwinden sie wieder von der Bildfläche; denn wir hören: 
Er zog in ganz Galiläa umher,
lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Das klingt ganz so sich, als wäre er nach wie vor alleine. Doch will Jesus damit sagen, dass nun, wo sich eine Gemeinschaft um ihn bildet, er nicht verschwindet sondern im Gegenteil ER die Mitte bleibt und die Mitglieder seiner Gemeinschaft – gerade sie! – ihm zuschauen sollen und von ihm lernen sollen, was es heißt: das Himmelreich nahe kommen und nahe sein lassen! Jesus ruft Menschen in seine Nähe und in seine Nachfolge, damit sie eines vor allem anderen lernen: Dass sie Lernende sind und bleiben! Und zwar Lernende von IHM!

So stellt Jesus sich dar als die Mitte der kirchlichen Gemeinschaft. Und es gilt, ihm zuzuschauen und von ihm zu lernen, wie das geht: das Himmelreich nahe kommen lassen! Und wie macht das der Jesus: „Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.“ (Mt 4:23)
Das Himmelreich hat somit nichts mit kirchlicher Nabelschau zu tun sondern mit den Krankheiten und Leiden der Menschen, mit den Nächten und Dunkelheiten also, in denen sich die Menschen befinden. Und damit sind beileibe nicht nur und nicht zuerst die körperlichen Dunkelheiten und Leiden gemeint. Viel schwerer wiegen die Dunkelheiten des Geistes auf Grund von Unwissenheit und die Depressionen des Herzens wegen Hoffnungslosigkeit. Deswegen ist dem Heilen von allen Krankheiten und Leiden das Lehren in den Synagogen und das Verkünden der Frohbotschaft vom Reich vorgeordnet.

Die Vier, die Jesus ruft, sollen Menschenfischer sein! Sie sollen Menschen sammeln und nicht zerstreuen! Menschen in ihre Nähe holen und sie nicht von sich stoßen! Sie sollen Gemeinschaft bilden und nicht Gemeinschaften verlassen! Mit diesem Wort müssen sich alle konfrontieren – jene, die unsere Kirche verlassen haben, die mit diesem Gedanken spielen und jene, die in ihr verbleiben. Habe sie dieses Wort des Herrn als Auftrag gehört, verstanden und verwirklicht – und wie habe sie es verwirklicht – oder nicht verwirklicht!

Eines macht Jesus heute klar: Das Himmelreich wird dort, wo ER ist und eine Gemeinschaft wird dort zum Reich Gottes, wo ER die Mitte ist und bleibt.
Hingegen löst sich jene Gemeinschaft auf, die IHN nicht mehr als ihre Mitte erlebt und lebt; die ihn nicht mehr sieht und seine Stimme nicht mehr hört.
Darum ist die Kirche dort auch Reich Gottes, wo sie die Verbundenheit mit IHM pflegt und lebendig hält, wo sie den Menschen in ihrer Richtungslosigkeit Orientierung schenkt und wo sie sich einsetzt, alle Krankheiten und Leiden der Menschen zu heilen. Wo sie nach dem Wort der Mutter Jesu lebt: „Was er euch sagt, das tut!“

Nur so hilft die Kirche mit, dass sie selber und alle Menschen Jesus als das Licht sehen können, das unsere Finsternis heute erhellt und das uns alle als Kinder des Lichtes ausweisen will! (vgl. 1 Thess 5:5) Amen!

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