Mittwoch, Dezember 05, 2007

Voll der Gnade


Das Evangelium Lukas 1: 26 – 38

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt wer-den.
36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.


Das Fest, das wir heute feiern, lässt mich an einen denken, der ganze Arbeit macht; der sein Werk von Anfang an plant und nichts dem Zufall überlässt. Er handelt so, weil er dieses Werk über alles liebt.

Mir fällt da ein, was Jesus an einer anderen Stelle im Evangelium im Hinblick auf die Nachfolge seiner Jünger sagt: er spricht im Gleichnis von einem, der sich hinsetzt und den Bau eines Turmes genau plant. Ansonsten könnte es nämlich passieren, dass er zwar das Fundament legt, dann aber nicht mehr weiterbauen kann. Und die Leute würden ihn dann auslachen und sagen: dieser da wollte ein Haus bauen und konnte den Bau nicht vollenden. (vgl. Lk 14:28-30)

Genau so hat Gott sein Werk geplant – sein Erlösungswerk an uns Menschen, das er durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes ausgeführt und vollendet hat. Zu diesem Plan gehört auch die Menschwerdung seines Sohnes dazu und dass dies durch Maria, die Mutter Jesu, geschieht.

Nun erweist sich die Gründlichkeit Gottes bei der Ausführung seines Planes darin, wie er seinem Sohn die Mutter bereitet; nämlich, indem er sie von Anfang ihres Daseins an aus jeder Verstrickung in Schuld und Sünde heraushält. Er hat seinem Sohn in Maria eine Wohnung bereitet und er hat ihm eine vollkommene Wohnung in dieser Frau bereitet.

Um die Gründlichkeit Gottes darzustellen fällt mir der Texaner Lance Armstrong ein, der sieben Mal in Folge die Tour de France gewonnen hat – so oft, wie keiner vor ihm. Das hat dieser Mann geschafft, weil er sich penibel auf dieses Ereignis – und nur auf dieses Ereignis vorbereitet hat. So ist er sonst bei keinem anderen Radrennen mitgefahren und richtete seine ganze Aufmerk-samkeit und sein ganzes Planen allein auf die Tour de France.

Diese umfassende Aufmerksamkeit beim Ausführen seines Erlösungswerkes an uns Menschen lässt Gott also gerade am heuti-gen Fest erkennen. Wir können diese ungeteilte Aufmerksamkeit auf seinen Sohn und damit auf uns Menschen aus seinem Umgehen mit Maria herauslesen.

In Worten finden wir diese ganze und volle Achtsamkeit Gottes ausgedrückt in dem, was der Engel Gabriel zu Maria sagt, wenn er sie anspricht: „Sei gegrüßt, du Begnadete!“ (Lk 1:28) Im Gebet „Gegrüßet seist du Maria“ nehmen wir diesen Gruß auf indem wir sprechen: Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade!
Dieses „voll der Gnade“ hat die Kirche im Verlauf der Zeit immer tiefer und umfassender verstanden. Sie erkannte, dass „voll der Gnade“ sich auch auf den zeitlichen Lebenslauf dieser Frau Maria erstreckt und dass dieses Wort auch meint, dass Maria von allem Anfang ihres Lebens an frei geblieben ist von jeglicher Verstrickung in Schuld und Sünde.

So war es mit der Zeit nur mehr denkbar, dass Jesus, der ganz Heilige, nur von einer ganz heiligen Mutter geboren werden konnte.
Derjenige, der gekommen ist, den Willen des Vaters ganz zu erfüllen (Heb 10:7.9), konnte nur von einer Frau geboren werden, die aus ganzem Herzen zum Engel sagen konnte: „Ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe wie du es gesagt hast!“ (Lk 1:38)
Je gläubiger wir die Worte im „Gloria“ beten können: „Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters. Amen!“ Je gläubiger wir so von Jesus beten können umso bereitwilliger werden wir das Glaubensgeheimnis von der unbefleckten Empfängnis Mariens annehmen können.
Und schließlich sehen wir im Umgehen Gottes mit Maria ein Vorausbild für sein Umgehen mit allen Menschen. So wird gerade dieses Fest ein Fest des Trostes für uns alle, die wir uns oft genug verstrickt erleben in unsere schuldhaften Abhängigkeiten.
Das heutige Fest will unseren Eifer anregen, jene Quellen aufzusuchen, an denen wir wieder jene Freiheit, jene Klarheit, jene Unbeflecktheit erlangen können, die Gott uns allen schenken möchte: Die Quellen des Gebetes, der Eucharistie, der Buße, der Nächstenliebe.
So danken wir am heutigen Tag Gott für seine Liebe, sein Erbarmen, für das Große, das er an Maria getan hat und das er an uns allen tun will – jetzt und in Ewigkeit. Amen!

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