Freitag, Dezember 28, 2007

Liebe - das Band, das alles zusammenhält


Das Evangelium Matthäus 2: 13 – 15.19 – 23

13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.


14 Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.


15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.


19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum


20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.


21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.


22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa


23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.



„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast Du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt...“ so haben wir vorhin gebetet. Wenn wir uns nun die hl. Familie anschauen, wie sie uns im Evangelium begegnet – worin könnte sie uns Vorbild sein?

Wir erleben im Evangelium die hl. Familie auf der Flucht vor dem tödlichen Zugriff des Herodes. Die Familie flieht, um das Kind zu schützen. Viele Familien sind auch in unseren Tagen auf der Flucht: Denken wir an die Krisengebiete unserer Erde oder an die Familien, die zu uns nach Österreich geflohen sind und hier eine sichere Bleibe suchen. Für alle diese Familien will die hl. Familie Solidarität und Trost sein. Uns will die hl. Familie auf der Flucht zum Gebet anregen und zu wirksamer Hilfe für die Familien, die heute auf der Flucht sind.

Zugleich will sie die Familien hinweisen darauf, dass es heute vieles gibt, was das Leben der Familie bedroht und was daher zu meiden und zu fliehen ist. Ich denke an die Fehlhaltungen des Egoismus und des Konsumismus, die bereits viele Familien zerstört haben und zahlreiche Familien bedrohen. Die Lesungen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 3: 2-6.12-14) und aus dem Kolosserbrief (Kol 3:12–21) weisen uns den Fluchtweg, den es zu beschreiten gilt: den Weg hin zu größerem Verständnis zwischen den Generationen; den Weg hin zu jener Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht. Gerade für die immer gültigen Grundhaltungen des Miteinander und des Füreinander sind diese beiden Lesungen eine hilfreiche Gewissens- und Lebenserforschung. Folgen wir also der hl. Familie und fliehen wir mit ihr ins Leben!


Es ist auffallend wie die hl. Familie den Weg ins Leben findet: Jedes Mal wird dem Josef im Traum von einem Engel gesagt, was er zu tun hat. Und was noch erstaunlicher ist: Jedes Mal folgt Josef dem Hinweis des Engels im Traum. Die hl. Familie ist uns Vorbild in der Achtsamkeit auf jene Stimme, die den Weg zum Leben weist. Dabei ist anzufügen, dass dieser Weg auch schwierig – eben ein Fluchtweg – sein kann! Und also nicht die Beschwerlichkeit des Weges sondern die Stimme des Engels maßgeblich ist.

Wo aber sind für unsere Familien diese Engelsstimmen heute zu hören? Es wird wohl eher selten einem Vater oder einer Mutter ein Engel im Traum erscheinen und ihnen hilfreiche Tipps für drohende oder aktuelle Familienkrisen geben.

Doch meine ich, dass diese Engel in den Familienberatungsstellen sprechen, die etwa die Caritas anbietet; oder in den verschiedenen Selbsthilfegruppen; oder im Beichtgespräch; oder im Gebet; oder in der Hl. Schrift.

Der Lebensengel spricht nach wie vor! Öffnen wir ihm unser Ohr!


Wenn wir den Aspekt der Flucht etwas zurückstellen, können wir sagen: die hl. Familie ist eine Familie unterwegs. Damit will ich nicht nur an jene Familien erinnern, die gerade auch in diesen Ferientagen unterwegs sind und Urlaub machen.

Ich möchte vielmehr noch tiefer sehen und Familie als eine Gemeinschaft unterwegs im Sinne einer lebendigen Gemeinschaft sehen: Die einzelnen Mitglieder der Familie ändern sich: aus Eltern werden Großeltern und aus Kindern Erwachsene, die selber wieder Kinder zeugen. Dieses lebendige Unterwegssein gilt es bei jedem einzelnen Mitglied der Familie zu beachten und jedem einzelnen Mitglied muss es zugestanden werden. Das heißt für jedes Mitglied der Familie ein immer neues Weggehen und Ankommen, ein Annehmen und Loslassen. Es meint ein stetiges Bemühen um die angemessene Einstellung zur aktuellen Situation meines Familienpartners. Daraus folgen Aufmerksamkeit, Spannung, Konflikt – aber auch neue, tiefere, reifere Beziehung; neues Glück, neuer Friede, neue Freude – kurz und gut: Neues Leben in Fülle!

So dürfen Kinder Erwachsene werden – die Eltern können sie freilassen in ihre eigene Verantwortung.

Und Eltern haben einen Anspruch auf besondere Sorge, wenn sie alt und gebrechlich werden.

Auf welcher Grundlage aber ist diese lebendige und liebende Aufmerksamkeit möglich? Die Grundlage ist, dass wir von Gott geliebt sind!
Ich wiederhole noch einmal Paulus im Kolosserbrief: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ (Kol 3:12 – 14)

So wollen wir beten: Lebendiger Gott! Junge und alte Menschen, Mütter, Väter und Kinder sind heute hier zusammengekommen als deine Familie. In jedem einzelnen von uns bist du gegenwärtig. Lass uns immer daran denken! Erhalte in uns gegenseitigen Respekt und die Achtung vor dem anderen. Stärke das Vertrauen, das wir einander entgegenbringen und erhalte in uns die Liebe, die uns untereinander und mit dir verbindet. Denn du bist unser Gott, heute, alle Tage und in Ewigkeit.

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