Mittwoch, Dezember 05, 2007

Kehrt um!


Das Evangelium Matthäus 3: 1 – 12

1 In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa:

2 Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

3 Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.

5 Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;

6 sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

7 Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?

8 Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,

9 und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.

10 Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.

11 Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

12 Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.



„Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.“ (Rom Röm 15:4)
So suchen wir denn, was uns zur trostreichen Belehrung im heutigen Evangelium geschrieben steht.

Da ist zuerst einmal die Rede davon, dass Johannes seine Botschaft in der Wüste verkündet. Die Wüste ist ein Ort, der mir die Frage stellt nach dem Wesentlichen für mein Leben. Wenn ich in die Wüste gehe, nehme ich nur das mit, was ich für mein Leben unbedingt brauche. Die Wüste fragt mich, was ich zum Leben, zum Überleben in ihr notwendig habe.
Wenn ich in die Wüste gehe, lasse ich deshalb alles Beiläufige, alles Nebensächliche zurück. Die Wüste lehrt mich, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden; mich vom Unwesentlichen zu trennen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Genauso will der Advent eine Zeit sein, die mich an das Maßgebliche meines Lebens erinnern will; an das, von dem ich wirklich leben kann, was mir wirklich Lebensfülle schenkt. Zugleich entdecke ich dabei, was nur Beiwerk ist in meinem Leben, was mein Leben eigentlich nicht fördert sondern eher hindert.
Auf dieser adventlichen Entdeckungsreise durch die Güter meines Lebens werde ich dann auch an jenen Punkt kommen, wo ich mir sage: Dies und jenes ist mir zum Ballast geworden, von dem ich mich trennen muss – will ich wesentlicher leben, will ich eine größere Lebensqualität erreichen. Diese Station spricht Johannes dann mit seiner Botschaft an: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3:2)
Der Advent will uns hinführen zu einem Quantensprung in unserer Lebensqualität; die Botschaft des Täufers will uns zu die-sem Sprung ermutigen.

Zum anderen ist da die Wortwahl des Johannes im Gespräch mit den Sadduzäern und Pharisäern: Was will die Schrift uns damit sagen; womit will sie uns auf diese Weise „trösten?“ Dass wir uns diesen Wortschatz aneignen im Umgang miteinander?
Johannes bedient sich nämlich sehr grober und starker Worte: „Schlangenbrut“ (Mt 3:7) nennt er sie – das ist geradezu ver-letzend! Jesus wird dieselben Leute übrigens keineswegs zärtlicher anreden: „Nattern“ (Mt 23:33) wird er sie später schimpfen; nicht weniger zärtlich!
Diese starken Worte entsprechen einem starken Verhalten der Pharisäer und Sadduzäer; es sind dies nämlich gerade jene Leute, die glauben, sie seinen perfekt, hätten keine Sünde, sei-en gerecht und gesetzestreu auf der ganzen Linie – und hätten darum keine Umkehr nötig; die kommen höchstens an den Jordan, um dieses Spektakel zu beobachten und sich eventuell pro forma unter die taufende Hand des Johannes zu beugen, um von den Leuten gesehen und gelobt zu werden. (vgl. Mt 6:2.5) Es fehlt ihnen jedoch völlig eine aufrichtige Bußgesinnung und die Bereitschaft zu einer ernsten Umkehr.
Ihr Verhalten ist eine Ohrfeige Gott und den Menschen gegenüber; dem entspricht die Ohrfeige, die ihnen Johannes mit seinen Worten versetzt.
Johannes sagt ihnen mit anderen Worten: So schlimm meine Worte zu euch sind so schlimm ist euer Verhalten Gott und den Menschen gegenüber. Die starken Worte sollen ein Hinweis sein auf ihr moralisches, soziales und politisches Verhalten – das wahrlich ein starkes Stück ist und das sie nicht verniedlichen sollten, gar etwa auch deshalb, weil sie es sich schon angewöhnt haben.
Johannes will durch seine Rede nicht beleidigen sondern er will aufrütteln, er will sie verletzen, damit sie gesunden. Der Arzt muss ja auch operieren, wenn er seinen Patienten von einem Tumor befreien will.
Stellen auch wir uns den starken Worten des Täufers und las-sen wir uns hinführen zur schmerzlichen Frage: Wo bin auch ich nur oberflächlich gut im Grunde jedoch ein gemeiner Egoist?
Wo sind in meinem Leben Früchte gefordert, die meine Umkehr zeigen?
Der Gürtel, den Johannes trägt, will uns den Weg zeigen:
„Denn wie sich der Gürtel den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Juda mir anschmiegte - Spruch des Herrn – damit es mein Volk und mein Ruhm, mein Preis und mein Schmuck wäre.“ (Jer 13:11)
Der Advent – eine Zeit, uns an den Herrn zu schmiegen!

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