Freitag, Dezember 21, 2007

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht!


Das Evangelium Matthäus 1: 18 – 24

18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23 Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.



Die Lebensplanung des Josef wird im heutigen Evangelium gehörig auf den Kopf gestellt; es geht alles durcheinander: Seine Verlobte Maria bekommt ein Kind – aber nicht von ihm. Da ist wohl eine Welt zusammengebrochen für diesen Mann: Das Leben, das er sich mit Maria vorgestellt hat: Hochzeit, Kinder, ein ruhiges Familienleben, schließlich die Übergabe seiner Werkstatt an seinen Sohn und dann der Lebensabend.

Das alles kann sich Josef jetzt in den Wind schreiben. Es ist schon erstaunlich, dass Josef nicht empört ist. Er macht vielmehr einen sehr beherrschten, gefassten Eindruck: Er schimpft nicht und ist nicht grob zu Maria; er denkt nur darüber nach und beschließt, sich in aller Stille von Maria zu trennen. Dieses Verhalten wird als „gerecht“ (Mt 1:19) bezeichnet. Josef verhält sich vorbildlich. Er will Maria nicht bloßstellen; er will nicht, dass ihr Zustand allgemein bekannt wird und dass alle mit dem Finger auf sie zeigen. Er ist rücksichtsvoll zu Maria: Ein deutliches Zeichen, dass er Maria trotzdem liebt und ihr den Weg zum Vater des Kindes möglichst ebnet.

Ich meine, dieses einfühlende und liebevolle Verhalten des Josef ist eine wesentliche Voraussetzung für alles Folgende: Es ermöglicht nämlich seine Offenheit für das Verständnis dessen, was wirklich mit Maria geschehen ist. Und damit ist Josef auch offen für den Plan, den Gott mit ihm hat. Man stelle sich vor, Josef hätte gewütet und getobt, er hätte seine Verlobte beschimpft, geschlagen und dann an den Pranger gestellt: Er hätte sich in seiner wütenden Eifersucht total verschlossen für das, was da an und in Maria geschehen ist.

In seiner Gerechtigkeit ist Josef aber bereit, in ein tiefes Geheimnis im Leben seiner Verlobten und in seinem eigenen Leben eingeweiht zu werden: Im Traum sagt ihm ein Engel, dass im Leben der Maria der Geist Gottes am Werk ist. (vgl. Mt 1:20-23) In der Unordnung, die da auf einmal in seinem Leben entstanden ist will sich eine neue Ordnung durchsetzen – die Ordnung Gottes.

Was er als Durcheinander in seinem Leben wahrnimmt ist tiefer besehen ein Weg, den Gott mit ihnen gehen möchte: Durch Maria möchte Gott seinen Sohn in diese Welt schicken – seinen Sohn, „der sein Volk von seinen Sünden erlösen wird.“ (Mt 1:21) Und Josef soll dabei behilflich sein.

Josef, der Maria trotzdem liebte, soll helfen, dass Gott seine Trotzdemliebe zu uns Menschen verwirklichen kann in der Menschwerdung seines Sohnes. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingegeben hat (vgl. Joh 3:16a), damit dort, wo die Sünde mächtig geworden ist die Gnade übergroß werden konnte. (vgl. Röm 5:20b)
Und Josef konnte bei diesem Plan helfen: Denn in seiner Trotzdemliebe zu Maria war er geradezu prädestiniert dafür – ja in dieser Liebe zu Maria gehörte er gewissermaßen schon dieser Welt an, in der Gott lebt und die er in seinem Sohn Jesus allen Menschen eröffnen wollte.
So konnte Josef handeln, wie es im Evangelium heißt: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.“ (Mt 1:24) Als Gott in seinem Leben Platz nehmen wollte durch dieses Kind Jesus hat Josef sich nicht verweigert sondern sein Leben geöffnet für dieses Kind Jesus. In der konkreten Form der Nächstenliebe hat sich dieses Platzmachen geäußert, indem er Maria als seine Frau zu sich genommen hat.

Wenn unser Leben ohne unser besonderes Zutun in Unordnung geraten sollte, dann handeln wir wie Josef: Keine lieblosen Äußerungen, keine voreiligen Reaktionen. Sondern Bleiben in der Trotzdemliebe und offen dafür, dass Gott uns sagen kann, was er von uns will; dass Gott uns zeigen kann, wie er in unserem Leben Platz nehmen möchte.

In dieser Haltung des Josef besteht unsere beste Vorbereitung auf jedes Kommen Gottes in unser Leben – auch auf sein Kommen im Kind, das in heiliger Nacht uns allen geboren, uns allen geschenkt werden will. (vgl. Jes 9:5) Amen!

1 Kommentar:

robertomaria hat gesagt…

servus jona. schöne Predigt. danke! Josef scheint Dir irgendwie sympathisch zu sein ;)
in Graz werden die Gedanken wieder verwertet!
roberto