Sonntag, Dezember 16, 2007

Bist du es, der da kommen soll?


Das Evangelium Matthäus 11: 2 – 11

2 In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm

3 und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?

4 Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:

5 Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

6 Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

7 Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?

8 Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.

9 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten.

10 Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.

11 Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.



„Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi.“ (Mt11:2) Leute werden ihm davon erzählt haben, die entweder selber erlebten, was sie erzählten oder die es von anderen gehört hatten.
Das reichte Johannes nicht. Er wollte es von Jesus selber hören. Da es damals so was wie Handy oder Telefon nicht gab und Johannes im Gefängnis war, schickte er seine Jünger zu Jesus. Über seine Jünger sprach er indirekt mit Jesus über dessen Sendung: „Bist du der, der kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11:3)
Daraufhin sagt Jesus den Jüngern des Johannes, was sie diesem antworten sollen: das was sie von seinem Tun und Reden hören und sehen!
Jesus autorisiert die Jünger des Johannes, von seinem Wirken zu berichten. Diese Autorisierung hatten die Leute nicht, die eingangs dem Johannes von Jesus erzählten.
Jetzt erst ist Johannes zufrieden; jetzt erst weiß er, dass in Jesus der Messias, der Heiland gekommen ist. Er hat seinen Auftrag erfüllt, indem er die Menschen auf ihn hingewiesen hat und seine Stimme verstummt.

Es geht hier um ein Reden von Jesus, das nicht im eigenen Ermessen liegt. Hinter dem Reden von Jesus steht der Auftrag Jesu selber. Die Jünger des Johannes werden von Jesus beauftragt: „Geht und berichtet dem Johannes!“ Und auch der Inhalt ihrer Botschaft wird ihnen von Jesus gegeben: „Berichtet, was ihr hört und seht!“ Der Inhalt ihrer Botschaft müssen Jesu Worte und Jesu Taten sein.
Und heute? Wie beauftragt Jesus heute, von ihm zu reden? Er tut dies heute durch die Hirten der Kirche, versammelt um den Papst. Dieses Hirtenkollegium gründet in der Gemeinschaft der Apostel, zu denen Jesus einmal gesagt hat: „Wer euch hört, der hört mich!“ (Lk 10:16) Der Inhalt ist heute der gleiche wie damals: Jesu Worte und Taten!

Gerade die Zeit des Advent als Zeit der Erwartung lebt von der Frage: „Wer ist es, den wir erwarten? Wer ist dieser Jesus? Ist er der wirkliche Heiland oder müssen wir den woanders suchen: im Konsum, in der Esoterik, im Genusstreben, in der Macht und wie die Götzen dieser Welt alle heißen mögen?“

Sichere, unverfälschte und unverkürzte Antwort kann da nicht einer geben, der sich selber ermächtigt, Jesus zu verkünden.
Das kann nur jener Mensch, der sich wohl auch dazu berufen fühlt; der aber auch von der Kirche dazu beauftragt ist und dessen Predigt im Wesentlichen die Worte und Taten Jesu beinhaltet.
Schauen wir uns nun die Botschaft näher an, welche die Jünger des Täufers sehen und hören: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören.“ (Mt 11:5a) Ebenso wird in der 1. Lesung (Jes 35:5-6a) das Heilswirken Gottes beschrieben wenn er selber kommt: Der Mensch wird in seiner körperlichen Gebrechlichkeit geheilt und ganz gemacht.
Doch bleibt Jesus beim leiblichen Heil nicht stehen sondern fährt fort: „Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet!“ (Mt11:5b) Das reicht über das Zeitliche hinaus ins Ewige; über das Körperliche hinaus ins Geistige; über das Menschliche hinaus ins Göttliche.
Oder sagen wir es adventlich/weihnachtlich: Das Ewige bricht ins Zeitliche herein; das Göttliche ins Menschliche! „Das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3:2; Mt 4:17)
Johannes und Jesus verkünden dem Wortlaut nach eine identische Botschaft.
Nur meint Johannes damit den kommenden Zorn Gottes, die Axt am Stamm der fruchtlosen Bäume, die Schaufel in der Hand, um Spreu vom Weizen zu trennen, das nie erlöschende Feuer, in dem sowohl das eine wie das andere verbrennt.

Jesus hingegen meint mit dem nahe gekommenen Reich Gottes das Heil der Menschen an Leib und Seele. Die Überwindung des Bösen durch das Gute. Das Erbarmen, welches größer ist als die Gerechtigkeit.

Es ist fürwahr nicht verwunderlich, dass Johannes es von Jesus selber wissen will, ob er es ist, der kommen soll oder ob man auf einen anderen warten muss.

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