Freitag, November 16, 2007

Lauft ihnen nicht nach!


Das Evangelium Lukas 21: 5 – 19

5 In jener Zeit als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:

6 Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niederge-rissen werden.

7 Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?

8 Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach!

9 Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.

10 Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.

11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

12 Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.

13 Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.

14 Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;

15 denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.

16 Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten.

17 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.

18 Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.

19 Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.




Die völlige Zerstörung des Tempels, Kriege, Unruhen, Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte, persönliche Verfolgung, Zerwürf-nis mit der Familie, Tod – Terrorgeschichten, Kriegsberichte, Schreckensmeldungen – um die zu lesen und zu hören brauche ich nicht in die Kirche zu gehen und das Evangelium anhören; die kann ich auch zu Hause in den Medien serviert bekommen.
Oder Heilsbringer – auch die bietet mir die Werbung haufen-weise.

Doch gibt es im heutigen Evangelium nicht nur Schreckliches zu hören.
Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Lauft ihnen nicht nach! Lasst euch nicht erschrecken! Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus zu sorgen! Ich werde euch Worte und Weisheit geben! Euch wird kein Haar gekrümmt werden!
Das sind Worte wie Sterne am finsteren Himmel. Das ist Frohbotschaft in der Drohbotschaft! Ermutigung in einer bedrohlichen Welt! Wegweisung im Durcheinander.
Das Evangelium will keine Sensationspresse mit negativen Schlagzeilen sein. Es will uns helfen mit dem Bedrohlichen, dem Bösen, dem Verführerischen so umzugehen, dass wir das ewige Leben dabei gewinnen: Das meint der abschließende Satz des Evangeliums: Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.
Jesus will uns durch sein Wort helfen, dass wir gegenüber dem, was uns umwerfen, entwurzeln, irreführen, von ihm wegbringen möchte – dass wir dem gegenüber standhaft blei-ben.
Jesus will durch sein Wort und sein Beispiel ein Wogenbrecher sein in der Springflut des Verderblichen, der ja auch wir Christen ausgesetzt sind. Und er will uns auch zu Wogenbrechern machen!

Wie zum Beispiel Franz Jägerstätter, der jüngst selig gespro-chen wurde. Im Angesicht eines unmenschlichen und gewis-senlosen politischen Systems hat er auf sein Gewissen gehört und den Wehrdienst in einem ungerechten Krieg verweigert.


Es schwillt bereits die Woge an, die dann in den Tagen des Advent visuell und akustisch über uns hereinbrechen wird in dem Vielen, was uns zum Konsum angeboten wird. Über unsere Sinne werden diese Reize in uns eindringen und das Begehren anstacheln. Und das Habenwollen wird dann machtvoll versuchen uns zu willigen Konsumenten zu machen und den Umsatz zu steigern auf möglichst hohes Niveau.
Wie da Wellenbrecher sein?
Durch bewusstes Verweilen in der Stille! Jeden Tag geraume Zeit; soviel wie es mir leicht möglich ist; Gemeinsamkeit kann unter Umständen die Entscheidung für die Stille erleichtern. Dadurch bewusst dem Lärm und dem Aktivismus in uns und um uns herum täglich eine klare Absage erteilen.
Zugleich bewusst werden unserer eigentlichen, wirklichen, wesentlichen Bedürfnisse. Und schließlich Hinwendung und Ausrichtung auf Jesus.
Auf diese Weise zu verstehen geben, dass Jesus unser wahrer Erlöser ist und nicht der Besitz materieller Güter, die sich uns in diesen Tagen im Übermaß anbieten werden.
Sich so auch abwenden von jenen Heilslehrern aus Nah und Fern, die zeitweise oder für immer Jesus als Heiland in den Ruhestand schicken wollen, indem sie uns weismachen, sie oder wir könnten uns selber zeitweise, teilweise oder ganz erlösen und befreien, wenn wir nur ein bestimmtes Programm abwickeln.
So gestärkt durch Jesus sich den Sinn schärfen lassen für das, was in dieser Überfülle für mich oder für andere hilfreich und wertvoll sein könnte.
Mit Jesus, der in seiner Auferstehung die Wogen des Todes gebrochen hat, werden auch wir zu Wellenbrechern in der kommenden Zeit des Advent.
So wird, was von Jesus abdrängen möchte, uns noch mehr mit ihm verbinden. Und wir werden und bleiben bereit für SEIN Kommen!
Und die Worte von St. Pauli aus Röm 8:38f werden sich an uns erfüllen: „Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Amen!

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