Dienstag, November 20, 2007

König der Juden!


Das Evangelium Lukas 23: 35 – 43

35 In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.

36 Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reich-ten ihm Essig

37 und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!

38 Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.

39 Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!

40 Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.

41 Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; die-ser aber hat nichts Unrechtes getan.

42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.

43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.




Wenn wir im Evangelium hören, wie die führenden Männer des Vol-kes, wie die Soldaten und wie einer der Verbrecher Jesus verhöh-nen, dann sollten wir uns hüten zu sagen: Uns wäre das nicht pas-siert! Wir hätten diesen Jesus am Kreuz sicher als König verehrt – so wie wir es heute tun, wo es uns keine Schwierigkeiten macht, Jesus am Kreuz als König zu bezeichnen.

Die Sache ist nämlich die, dass wir uns nicht mehr vorstellen kön-nen, was es heißt, gekreuzigt zu sein.
Es war das äußerste, was man einem Menschen an Verachtung an-tun konnte. Es war das eindrücklichste Mittel, ihm seine eigene Macht- und Wertlosigkeit erleben zu lassen.
König sein und Gekreuzigter sein – das waren die entgegen gesetz-ten Enden der Skala menschlicher Wertschätzung. Bedeutete Kö-nigsein höchste Wertschätzung so Gekreuzigtsein tiefste Verachtung. Nichts ist unvereinbarer als Königsein und Gekreuzigtersein.

Deswegen sind ja seine Jünger alle davon gelaufen (Mt 26:56 parr.) und haben nur einige Frauen von der Ferne das Sterben Jesu mit-verfolgt. (Mt 27:55 parr.)
Deswegen war es im Frühchristentum verpönt, Jesus am Kreuz dar-zustellen. Die einzige Darstellung Jesu am Kreuz aus dieser Zeit ist eine Karikatur in den Felsen einer Katakombe eingeritzt: Sie stellt einen gekreuzigten Menschen mit Eselskopf dar und darunter steht: Alexamenos betet seinen Gott an.

Bedenken wir zudem, dass Jesus es immer abgelehnt hat, als König bezeichnet und behandelt zu werden. Erinnern wir uns, wie er die königlichen Attribute energisch zurückgewiesen hat, die der Teufel ihm bei der Versuchung in der Wüste nahe gelegt hat (Mt 4:1-11 parr.) und wie er sich den Menschen entzogen hat, als sie ihn nach der wunderbaren Brotvermehrung zum König machen wollten. (Joh 6:15)
Vergessen wir auch nicht, dass Jesus selber gesagt hat, er sei nicht gekommen um sich bedienen zu lassen sondern um zu dienen (vgl. Mt 20:28 parr.) und wie er den Jüngern gesagt hat, bei ihnen soll es nicht so sein, wie bei den Herrschern der Erde, die ihre Völker un-terdrücken, sondern wer bei ihnen de erste sein will, der soll der letzte und der Diener aller sein.

Wenn wir all dies im Auge haben, dann werden wir verstehen, dass Jesus sich jetzt nicht mehr wehrt, wenn sie über seinem Haupt die Inschrift am Kreuz anbringen: Das ist der König der Juden!
Denn nun es ist unmissverständlich, dass Jesus kein König im Sinne dieser Welt ist.
Vielmehr deutet er durch sein Verhalten am Kreuz dieses Königsein: Indem er dem anderen, dem guten Verbrecher sagt: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Er sagt dem Verbrecher Heil zu, er öffnet ihm die Tür zum Leben. So erweist sich Jesus bis zu letzt als guter Hirt, der den Verlorenen rettet. Jesus sieht sein Königsein als Hirtesein.
Vom Hirtesein haben wir bereits in der Geschichte von David in der ersten Lesung gehört: Dort hörten wir, wie Gott zu David sagt: „Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein.“ (2 Sam 5:2) Was David recht und schlecht dann auch getan hat, das hat Jesus vollendet gemacht, wortwörtlich bis zum letzten Atemzug – Hirt zu sein für je-ne, die sich ihm anvertrauen.
Jesus ist der vollkommene David.

Wir können das Kreuz wie ein Ikon auf dem Computer sehen: Wenn wir dieses Symbol anklicken, dann tut sich ein Menü auf, das uns er-läutert, was dieses Königsein Jesu am Kreuz und was das Paradies bedeutet: Die 2. Lesung Kol 1:12 – 20 stellt uns dieses Menü vor Augen: Gott gibt uns durch Jesus Anteil am Los der Heiligen, die im Licht sind; er entreißt uns der Macht der Finsternis, er schenkt uns Erlösung und Vergebung der Sünden, er will alles mit sich versöh-nen.
Das Königsein Jesus bedeutet, dass Gott selber ungehindert zu un-serem Heil wirken kann.
Das Königsein Jesu heißt: Gott ist da für uns. Es bedeutet die unge-hinderte Königsherrschaft Gottes zu unserem Heil.

Dann kann aber Verehrung dieses Königs nicht allein im Weihrauch bestehen, den wir ihm zu Ehren verbrennen und nicht in der Krone, die wir ihm auf das Haupt setzen und nicht im Prunkgewand, das wir ihm umlegen – so geraten wir in gefährliche Nähe jener römischen Soldaten, die Jesus im Vorhof des Pilatus auf diese Weise ja auch zum Zerrbild eines Königs gemacht haben.

Unsere Verehrung muss demnach vor allem anderen darin bestehen, dass wir mit dem rechten Verbrecher im heutigen Evangelium beten: „Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst.“ (Lk 23:42)
Jesus als König verehren heißt uns seiner Hirtensorge anzuvertrau-en, diese Sorge über unser Leben herab rufen.
Jesus ist erst dann wirklich unser König, wenn wir ehrlichen Herzens zu ihm sagen: „Sei du unser Hirte und führe uns zum ewigen Leben – jetzt auf dieser Welt und einmal in Ewigkeit.“ Amen!

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