Mittwoch, November 07, 2007

Ein Gott von Lebenden


Das Evangelium Lukas 20, 27 – 38

27 In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn:

28 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.

29 Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.

30 Da nahm sie der zweite,

31 danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.

32 Schließlich starb auch die Frau.

33 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.

34 Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen.

35 Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.

36 Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.

37 Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.

38 Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.




Das Evangelium erzählt uns von Leuten, die die Auferstehung von den Toten leugnen. Sie sind nicht die einzigen, die ein Problem damit haben. Auch bei gläubigen Christen von heute geht der Glaube an die Auferstehung immer mehr zurück. Dafür wächst der Gaube an eine Wiedergeburt.

Das kommt daher, dass sie so sehr in dieser Welt gefangen sind, dass sie sich nicht mehr von ihr lösen können. Sie können sich ein Leben ohne diese Welt und ihre Umstände nicht vorstellen. Sie sind so sehr "eingeweltet", dass sie selbst nach dem Tod immer wieder in diese Welt zurückkommen müssen. Die Welt sind nicht mehr Scheuklappen, sie nimmt ihr Gesichtsfeld ganz gefangen, dass sie darüber hinaus keine andere Welt mehr sehen.

In Lesung und Evangelium hören wir da ganz andere Töne.
In der 1. Lesung sagt der erste der gequälten Brüder: „Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken.“ (2Makk 7:9) Der dritte der Brüder antwortet seinen Peinigern: „Vom Himmel habe ich meine Zunge bekommen und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wieder zu erlangen.“ (2Makk 7:11) Der vierte schließlich bekennt in den letzten Zügen: „Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben.“ (2Makk 7:14)

Es ist unverkennbar: diese Menschen schöpfen aus dem Glauben an die Auferstehung eine enorme Kraft für das Bestehen in ihrer extremen Prüfung. Es ist auch deutlich, dass in der Auferstehung der ganze Mensch mit Leib und Seele gemeint ist. Schließlich wird die Auferstehung als ein Geschenk Gottes betrachtet, das er ihnen wegen ihrer Treue zu seiner Weisung geben wird.

Wir können insgesamt sagen: Diese gequälten Juden hoffen auf ein neues, unvergängliches Leben nach dem Tod. Diese Hoffnung hat ihnen Gott gegeben auf Grund ihrer lebendigen Beziehung zu diesem Gott. Diese lebendige Beziehung drückt sich aus in einer unerschütterlichen Treue zum überlieferten Gebot Gottes.

Diesen Gott gilt es näher anzuschauen. Jesus hilft uns dabei.

Im Evangelium antwortet Jesus den Juden auf ihr konstruiertes Beispiel: „Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind.“ (Lk 20:34-36)
Jesus sagt wie die Brüder in der Lesung: Es gibt ein ewiges Leben nach dem Tod. Es ist dies ein Geschenk Gottes, das er jenen gibt, die er für würdig hält. Jesus betont dazu noch, dass dieses Leben ganz anders ist als wie hier auf Erden; das meint er, wenn er sagt: „Sie werden den Engeln gleich und zu Kindern Gottes gemacht.“ (Lk 20:36)

Und dann begründet Jesus die Auferstehung von den Toten in Gott selber, in dem er auf die Begegnung hinweist, die Moses mit Gott im brennenden Dornbusch hat; dort stellt sich dieser Gott nämlich vor als der Gott der Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. „Er ist doch kein Gott von Toten sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.“ (Lk 20:38)

Wir Christen sind in der glücklichen Position, dass wir diesen Worten des Herrn noch unsere Erfahrung mit der Auferstehung Christi anfügen können: Gott hat sich definitiv als der Lebendige erwiesen, indem er Jesus von den Toten auferweckt hat. Damit haben wir Christen und durch uns alle Menschen begründete Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten in ein neues unvergängliches Leben.

So können wir abschließend sagen: Unser Glaube an die Auferstehung steht und fällt mit unserer Glauben an den lebendigen Gott.
Der Glaube, dass der Gott Jesu die Quelle eines immer neuen und ewigen Lebens ist führt uns zum Glauben an die Auferstehung von den Toten. Dieser Glaube lässt unser Leben hier auf Erden zu unserem ganz persönlichen und einzigartigen Weg werden hin zum ewigen Leben.
Dieser Glaube führt zu einer Hochschätzung unseres einmaligen Lebensweges, die sich darin ausdrückt, dass wird diesen Lebensweg mit dem Herrn gehen – gemäß seinem Gebot, in der Kraft seines Geistes, indem wir jetzt schon sind, wozu wir in der Auferstehung werden: Kinder Gottes!

Im Glauben an die Auferstehung sind wir, was wir werden, leben wir hier und heute unsere Zukunft. In der Hoffnung öffnen wir uns dieser ewigen Zukunft bei Gott; wir lassen sie ins Heute hereinströmen, damit sie uns jetzt stärkt zum treuen, christlichen Zeugnis. Amen!

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