Mittwoch, Oktober 31, 2007

Ich muss heut' in deinem Haus zu Gast sein!


Das Evangelium Lukas 19: 1 – 10

1 Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.
2 Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
3 Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. 4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.
5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.


Wenn im Evangelium Jesus dem Zachäus begegnet, dann trifft er auf seinesgleichen; nicht dass Jesus ein Sünder gewesen wäre wie Zachäus, der durch sein Fehlverhalten Schuld auf sich geladen hätte. Nicht in diesem Sinn ist Jesus dem Zachäus gleich. Sondern in dem Sinn, dass er wie Zachäus ein Außenseiter ist: Von der führenden Schicht des Volkes abgelehnt und gehasst, von den Leuten um ihn herum und von seinen Jüngern nicht verstanden – eigentlich von niemandem geliebt; denn die Leute wollten Zeichen und Wunder von ihm sehen, die Jünger einen politisch mächtigen Messias. Ihn selber wollte eigentlich niemand – sie wollten alle nur etwas von ihm.

Wie sehr das stimmt, wird sich in Jerusalem erweisen, wohin er ja unterwegs ist, als er durch Jericho wandert. Dort in Jerusalem wird sich die schreckliche Einsamkeit erweisen durch sein Leiden und Sterben vor der Stadt auf einem Pfahl aus Holz, dem Kreuz, das so für uns zum Baum des Lebens wird. Schlimmer konnten sie Jesus nicht als Außenseiter hinhängen.
Die Jünger werden auch zu Außenseitern: sie werden sich nach dem Tod Jesu aus Angst vor den Juden hinter Türen einschließen; und erst als solche werden sie vom auferstandenen Jesus gefunden werden können; solange sie im Mainstream schwammen, waren sie für Jesus unerreichbar.

Nun, so ein Außenseiter ist auch Zachäus. Das kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass er allein im Geäst eines Baumes hängt, um dort auf Jesus zu warten. Zachäus ist allerdings durch sein Benehmen als oberster Zollpächter ins Outside geraten. Er hatte die Zollrechte von Jericho gepachtet und ließ die Zölle durch Helfer von seinen Landsleuten einheben; dabei hat er sie arg geschröpft und ist damit reich geworden. Das hat ihm die Abneigung der Leute eingetragen und ihn zum Außenseiter gemacht, zu einem öffentlichen Sünder, der am Heil des Volkes Gottes keinen Anteil mehr hat.
Und doch ist allein schon in seinem Namen Hoffnung enthalten: Denn Zachäus ist eine Abwandlung von Zacharias und das bedeutet: Gott ist eingedenk!
Und dieses Eingedenksein Gottes wird nun in dem Augenblick Wirklichkeit, als Jesus aufblickt, ihn sieht, ihn beim Namen nennt und sich bei ihm einlädt. Dieser Moment wird zum Augenblick der Gnade und die Zuwendung Gottes trifft auf kein verschlossenes Herz.

Dieses Herz war nämlich schon vorbereitet auf diese Gnade durch den Wunsch, Jesus sehen zu wollen.
Stellt euch vor: Ein Mensch in großen Reichtum und dennoch die Sehnsucht in ihm, diesen Jesus sehen zu wollen. Der Reichtum allein hat den Zachäus nicht zufrieden gemacht; es blieb eine Tiefe des Herzens, die hat alles Geld nicht erreichen und ausfüllen können.

Diese unerfüllte Tiefe des Herzens war der Platz, der für die Begegnung mit Jesus reserviert blieb; darum wundert es nicht, dass Zachäus eiligst vom Baume stieg und Jesus freudig bei sich aufnahm.

So wurde auch dem Zachäus das Heil geschenkt; und dass dies keine abstrakte, ideelle Größe war sondern zutiefst wirksam im Herzen des Zachäus, wird durch sein Verhalten deutlich: Die Hälfte seines Besitzes an die Armen und den Betrogenen das Vierfache zurück!
So zeigt sich bei Zachäus die Echtheit seiner Umkehr und seiner Buße.

Wenn in dieser Feier Jesus in seinem Wort und in seinem Brot zu uns kommt, uns beim Namen nennt und sich bei uns einlädt – haben wir dann im Herzen jenen Raum, der es auch uns erlaubt, ihn freudig bei uns aufzunehmen?

Haben wir bei all unserem Reichtum auch jene Sehnsucht nach Jesus, die uns jenen Baum ersteigen lässt, der uns aus dem Mainstream heraushebt und uns kennzeichnet als jene, die wirklich auf Jesus selber neugierig sind und nicht bloß auf etwas von ihm?

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