Freitag, Oktober 26, 2007

Gott, sei mir Sünder gnädig!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 18: 9 – 14

9 In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel:

10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.

13 Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.


Zwei betende Menschen begegnen uns im Evangelium: Der
Pharisäer und der Zöllner.
Beide verrichten sie ihr Gebet im Tempel, im Haus Gottes.
Beide beginnen ihr Gebet damit, dass sie Gott ansprechen.
Damit finden die Gemeinsamkeiten auch schon ein Ende!

Vertiefen wir uns in das Gebet dieser beiden Menschen.
Es fällt sogleich auf, dass der Pharisäer mehr spricht in seinem Gebet. Der Zöllner ist im Vergleich dazu einsilbig.
Der Pharisäer beginnt wie selbstverständlich mit seinem Gebet. Beim Zöllner hören wir von der Gestimmtheit seines Herzens, von seiner inneren Haltung; sie drückt sich aus in seiner Haltung:
Er bleibt ganz hinten stehen.
Er wagt nicht seine Augen zum Himmel zu erheben.
Er schlägt sich an die Brust – dann erst beginnt er zu beten!
Der Zöllner ist ehrfürchtig; er ist ergriffen von der Größe Gottes; er weiß um seine eigene Armseligkeit. Es ist für ihn alles andere als eine Selbstverständlichkeit, im Tempel zu stehen und zu beten.

Wenn wir den Gebetsverlauf beim Pharisäer verfolgen bemerken wir, dass er wohl mit Gott beginnt – dann aber sogleich das „Ich“ folgt:
Ich danke dir;
ich bin nicht wie die anderen;
ich faste und gebe dem Tempel meinen Beitrag.

Auch der Zöllner beginnt mit Gott: Doch er bleibt bei Gott, indem er fortfährt: Sei du gnädig! Der Zöllner spricht Gott an. Er nimmt Gott als Gesprächspartner ganz ernst.

Beim Pharisäer wird „Gott“ als Einstieg verwendet in eine ausgiebige Betrachtung und Darstellung seiner selbst. Von Gott nennt er nur den Namen sagt weiters aber nichts von ihm sonder spricht gleich von sich selber.
Der Zöllner hingegen nennt den Namen Gottes und spricht auch von ihm – nicht irgendetwas sondern Wesentliches: Sei gnädig! Das ist Wichtig für ihn selber und für jeden Menschen. Von sich selber sagt er nichts – außer dass er ein Sünder ist!

Der verbalen Selbstdarstellung des Pharisäers steht die Anrufung des gnädigen Gottes beim Zöllner gegenüber.
Der Pharisäer vergisst ob seiner guten Taten auf Gott.
Der Zöllner weiß, dass er ob seiner Sünden der Gnade Gottes bedarf.

Es ist also kein Wunder, dass der Zöllner als Gerechter nach Hause geht!

Nun möchte man meinen, man dürfe sich nicht seiner guten Taten erfreuen. Mitnichten – wie uns die 2. Lesung zeigt.
Dort rühmt sich auch einer – Paulus selber, indem er schreibt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ (2Tim 4:7) Ist Paulus etwa auch der Gefahr des Pharisäers erlegen, über seinen Leistungen auf Gott zu vergessen? Keineswegs! Denn er fügt gleich an: „Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.“ (2Tim 4:17). Wir sehen also, Paulus weiß wem er seine guten Taten verdankt. Die Schilderung seines Wirkens mündet in eine Verkündigung des gütigen Beistandes des Herrn.

Das Gebet des Pharisäers versumpft in Selbstherrlichkeit.
Das Gebet des Zöllners führt aus seinem Sündersein das Gebet des Paulus aus seinem erfüllten Leben zum dankbaren Lobpreis der Güte Gottes.

Mögen auch wir bei unserem Beten nie vergessen, wem wir uns verdanken und dass wir dem Herrn gehören – ob wir nun leben oder sterben! Amen!

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