Mittwoch, Oktober 03, 2007

Glaube, so klein wie ein Senfkorn


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 17: 5 – 10

5 In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben!
6 Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.

7 Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken.
9 Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?
10 So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.





Wie gut können wir den Propheten Habakuk verstehen, wenn er klagt: „Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu?“ (Hab 1:3a) Wie sehr passt doch diese Klage auch in unsere Zeit. Wie sehr erleben nicht auch wir, wie das Böse in unserer Welt wuchert: „Wohin wir blicken, sehen wir Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit!“ (Hab 1:3b) Wenn wir in die nahen und fernen Krisenherde unserer Welt schauen; wenn wir in unsere Kirche blicken; wenn wir an unser Land, an unsere Politiker, an unsere Gemeinde, ja sogar an unsere eigenen Familien denken – können wir mit Recht diese Worte des Propheten Habakuk in unseren Mund nehmen.

Und genauso wie den Propheten können dann auch uns Zweifel befallen an der Allmacht Gottes und an seiner Liebe zu uns Menschen.

Die Klage des Propheten will uns anregen, unsere Klagen vor Gott auszusprechen. Nichts macht seinen Glauben an Gott deutlicher als dass er gerade in seinem Zweifeln und Fragen auf Gott hingewendet und mit ihm im Gespräch bleibt. Dieses Klagen bedeutet ein Ernstnehmen Gottes als Gegenüber inmitten aller Zweifel an eben diesem Gott.
Der Prophet kündigt angesichts des übermächtigen Bösen in der Welt seine Gemeinschaft mit Gott nicht auf. Er zieht sich nicht stillschweigend und resignierend aus dieser Gemeinschaft mit Gott zurück.

Habakuk möge uns durch sein Verhalten anregen, sensibel zu bleiben für das Böse und das Übel um uns. Wir sind ja versucht abzustumpfen dagegen weil es uns durch die Medien geradezu überschwemmt. Und wir tun das gewiss auch aus einem Bedürfnis des Selbstschutzes heraus.
Nur frage ich mich, ob da ein Weniger an Konsum des Negativen nicht besser wäre zugunsten eines Mehr an zumutbarer Sensibilität und Bereitschaft mit zu leiden. Da ist gewiss etwas zu ändern durch gezielten Umgang mit der Aufnahme von Nachrichten aus Fernsehen, Radio und Zeitung.

Habakuk will uns auch ermutigen, mit unserem Kummer nicht bei uns allein zu bleiben; uns nicht zu verschließen sondern diese Sorgen betend vor Gott hin zu tragen und so Gott teilhaben zu lassen am Leid unseres Lebens.
Wir tun das ja im Gespräch mit anderen Menschen: Wir lassen unserem Unmut über verschiedene Missstände unserer Zeit freien Lauf und schimpfen einmal so richtig über das, was uns ärgert und Leid bereitet. Und wer von uns fühlt sich dann nicht leichter und wohler ums Herz!?

Wenn das aber unter uns Menschen schon so gut tut, wie wohl muss das erst tun, wenn wir uns an Gott wenden und unser Herz vor ihm ausschütten?
Aber da fehlt uns oft jener Glaube, der uns Gott gegenüber treu sein lässt. Da ist uns Gott bei weitem nicht mehr so wirklich nahe, wie es die Menschen sind. Wir können die Spannung nicht aushalten zwischen einem guten, liebenden Schöpfer- und Erhaltergott und dem vielfältigen Bösen in unserer Welt. Wir weichen lieber aus in eine stille, uneingestandene Gottlosigkeit, ohne Spannung, scheinbar klar und eindeutig – aber einsam und allein gegenüber den Mächten des Bösen.
„Der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben,“ (Hab 2:4b) lässt Gott uns durch seinen Propheten ausrichten.

Den Weg zu diesem Leben weist uns der Apostel in
2 Tim 1:6f: „Entfache die Gnade Gottes wieder, ... die dir zuteil geworden ist. Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe.“
Uns allen wurde die Gnade des Glaubens geschenkt als wir getauft wurden. Im Geist der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe wollen wir aus dieser Glaubensgnade leben; sie mag zwar klein sein wie ein Senfkorn birgt aber jene Kraft, die die Welt verändert.

Wir wollen beten: Gott, im Vertrauen auf dich hat Jesus die Welt verändert. Lass uns wachsen im Glauben und im Vertrauen auf deinen Beistand. Durch Christus, unsern Herrn! Amen!

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