Dienstag, Oktober 30, 2007

Euer Lohn im Himmel wird groß sein!


Das Evangelium Matthäus 5: 1 – 12a

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.



Bei der Vorbereitung auf diese Predigt hörte ich den Stundenschlag der nahen Kirchenglocke. Im Nachhören des Glockenklanges kam mir in den Sinn, dass die Heiligen wie solche Glocken sind: Zu bestimmter Zeit schicken sie ihre klingende Botschaft über die Dächer; sie sagen die Zeit an oder rufen zum Gottesdienst oder erinnern an sonst ein bedeutsames Ereignis.

So macht es der Herr ja auch: Zu bestimmten Zeiten läutet er in unserer Kirche die Glocken; das heißt, er erweckt Menschen, dass sie durch ihr Leben eine bestimmte Botschaft verkünden. Diese Botschaft ist eine Verlebendigung des Evangeliums. Die Heiligen leben in besonderer Weise eine Wahrheit aus dem Evangelium und geben damit Antwort auf eine Frage und auf eine Not in unserer Zeit.

Wenn wir so eine Glocke näher anschauen ist der Klöppel in ihr der Heilige und der Glockenmantel die Kirche und die Zeit in der er lebt. Der schöne Klang kommt nun dadurch zustande, dass der Klöppel zum einen fest in der Glocke hängt und mit ihr verbunden ist: So ist auch jeder Heilige in der Kirche und in der Zeit, in der er lebt, fest verankert; diese Verankerung können wir auch eine liebende Verbundenheit nennen.

Auf der anderen Seite hängt der Klöppel aber nicht unbeweglich in der Glocke drinnen; die Glocke kann erst klingen, wenn der Klöppel sich in der Glocke bewegen kann. So sind auch die Heiligen rührige Menschen in der Kirche und in ihrer Zeit.

Das ganze Zusammenspiel von Glocke und Klöppel wird aber erst dadurch zum Glockenspiel, weil es einen Balken gibt, an dem die Glocke hängt und einen Motor, der diesen Balken in Bewegung setzt. So können wir im Gebälk und im Motor Gott erkennen, der Kirche und Welt sicher in seiner Hand hält und sie nach seinem Zeitplan bewegt.
So sind die Heiligen wie der Klöppel in der Glocke fest in Kirche und Welt eingebunden, wissen sich zuletzt aber von Gott gehalten und bewegt.

Diese gläubige Gehaltensein von Gott lässt sie frei in der Glocke schwingen ganz nach dem Rhythmus, in dem Gott die Glocke bewegt. Sie fürchten nicht den Zusammenprall mit dem Erz der Glocke – vielmehr kommt durch diesen Zusammenprall erst der schöne Klang zustande.

So lehrt uns die Glocke, was Heiligkeit bedeutet: Auseinadersetzung mit Kirche und Welt in liebender Verwurzelung in beiden dabei aber gläubig gehalten von Gott und frei bewegt durch seinen Heiligen Geist.

Glocken klingen zumeist aus der Ferne schön – es sei denn die Hausglocke oder eine Kuhglocke, die klingen auch aus nächster Nähe schön.
Steht man beim Läuten im Turm neben einer Glocke so ist das nicht angenehm und man kann das Gehör dabei verlieren. So sind auch Heilige nicht immer angenehme Leute, wenn man mit ihnen zusammenlebt. Allzu oft sind sie eine Überforderung, weil sie eine Nähe zu Gott leben, die ihre Zeitgenossen oft nur schwer aushalten können. Erst aus zeitlicher und räumlicher Distanz werden sie erträglicher; allerdings kann dabei auch die Schärfe ihrer Herausforderung verloren gehen, die sie im Namen Gottes leben sollen.

Gott sei Dank gibt es neben den mächtigen Kirchenglocken die Sterbeglocken, die Haus- und Kuhglocken, das Glockenspiel an manchen öffentlichen Plätzen und schließlich die Glöckchen zu St. Nikolaus und zu Weihnachten – ganz abgesehen einmal von den Glockenblumen mit ihrem stillen Klang auf den Feldern.

Welche Glocke aus dieser großen Auswahl mag wohl ich sein? Welchen Klang soll wohl ich in die Welt hinaus senden? Auch wir sind berufen, im Glockenspiel der Liebe heilig zu werden und zu leben in einer von Gottes Liebe gehaltenen Freiheit.

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