Mittwoch, September 05, 2007

Wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet...


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 14: 25 – 33

25 Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:
26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
27 Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
28 Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? 29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
33 Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.



Es ist zum Davonlaufen mit Jesus – gerade wenn er so redet wie heute. Dabei hört sich die Übersetzung noch zahm an. Im Urtext heißt es: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben hasst, dann kann er nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14:26)
Es ist kein Wunder, dass manche vor solchem Wort flüchten. Ich kenne Mitarbeiter in der Verkündigung, die wählen kurzerhand das Evangelium von einem anderen Sonntag aus, wo sie sich leichter tun beim Predigen.
Die befolgen wohl, was Jesus eben gesagt hat: „Kann ein König mit 10 000 Mann sich einem anderen mit 20 000 nicht entgegenstellen, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.“ (Lk 14:31f)
Insofern sind diese Mitarbeiter ehrlich, als sie sagen: Dieses Herrenwort ist mir zu steil; ich weiche aus und suche mir ein leichteres aus.
Allerdings geht ihre Ehrlichkeit dann aber auch nicht wieder so weit, dass sie ihre Flucht auch den Zuhörern offen legen. Natürlich versuchen sie ihr Verhalten mit Klugheit zu rechtfertigen, indem sie sagen, dieses Herrenwort sei heute niemandem mehr zuzutrauen.
Damit unterstellen sie die eigene Feigheit aber auch ihren Zuhörern.
Dennoch müssen sich diese Mitarbeiter dem Wort des Paulus aus dem 2. Brief an Timotheus stellen: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.“ Soweit der Apostel (in 2Tim 4:2-4).
Das Verhalten dieser Mitarbeiter zeigt, dass auch heute solche Zeiten sind. Das sich ein derartiges Meiden der gesunden Lehre allerdings auf die Gesundheit niederschlägt, wird an ebendiesen Mitarbeitern auch deutlich: Denn die sind massiv von Depression bedroht, wenn an ihrer bequemen Lebensführung ernsthaft gerüttelt wird und der Tod unüberhörbar an die Tür ihres Lebens klopft.

Ich halte mich nun keineswegs für besser als jene Mitarbeiter; deshalb will ich mich dem Wort des Herrn im heutigen Evangelium stellen und mich fragen, wie kann ich es in meinem Leben einordnen; oder besser gesagt: wie ich mein Leben in dieses Wort Jesu hineinordnen kann?
Einen ersten Schritt legt die 1. Lesung aus dem Buch der Weisheit nahe: „Denn welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen Heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?“ (Weish 9:13.17)
Der 1. Schritt ist also die Bitte um Gottes Geist und Gottes Weisheit im Umgang mit seinem Wort.
So geführt wollen wir uns dem Wort des Herrn nahen und der gesunden Lehre nachspüren, die Jesus uns heute erteilen möchte.

Da bemerken wir zuerst einmal eine Stimmung des Miteinander wenn es heißt: „Viele Menschen begleiteten ihn!“ (Lk 14:25) Das hört sich so freundschaftlich, ja gar familiär an. So wie ein Familienausflug an einem wunderschönen Sonntag. Doch wird diese Idylle jäh gestört durch das Wort Jesu: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben hasst, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14:25-27)
Was macht Jesus da? Warum spricht er so zu den Leuten? Warum spricht er so auch zu uns?
Jesus sagt: Stopp! Überlegt einmal, was es eigentlich bedeutet: mit mir zu gehen und mein Jünger zu sein! Das ist kein Sonntagsspaziergang nach Lust und Laune. Wer mit mir gehen will, den will ich ganz. Den nehme ich mit Haut und Haar, von Kopf bis Fuß, mit Leib und Seele in Anspruch. Bei dem muss ich der Maßstab aller Dinge sein – ich und sonst niemand. Überlegt also gut und bedenkt, wie ihr mir nachfolgt.
Unverkennbar ist in diesen Worten Jesu die eifersüchtige Liebe Gottes aus dem ersten Bund herauszuhören, der ja auch die Liebe seines Volkes mit keinem anderen teilen wollte: „Ihr seid mein Volk und ich bin euer Gott!“ (Lev 26:12)
Nun ist Jesus bekannt für seine starken Formulierungen; was aber das heutige Wort keineswegs abschwächt; denn es geht ja auch um eine starke Sache: es geht schlicht und ergreifend um unser Leben! Und da ihm das über alles kostbar ist, hört sich bei ihm alle Weichrederei auf. Was bleibt uns übrig als Antwort?
Davonlaufen ist eine Variante – die offenbar nicht zum Ziel führt.

Uns der Wahrnehmung stellen ist die Alternative: Der Wahrnehmung nämlich, dass wir noch nicht so weit sind, wie Jesus es möchte; und dass wir ja auch irgendwie möchten, aber noch nicht können, wie wir vielleicht könnten, wenn wir nur wirklich wollten.
Wir erleben uns in jener Unsicherheit, die daher kommt, dass wir uns einerseits in unserem Besitz wohl fühlen: Er gibt uns Sicherheit, Geborgenheit, wir sind ihn gewohnt. Auf der anderen Seite wissen wir, dass er uns jeder Zeit abhanden kommen kann – und was dann!?

Jesus möchte uns durch das harte Wort des heutigen Evangeliums zumindest in dieser Unsicherheit belassen und uns zugleich öffnen dafür, dass er der einzige Besitz ist, der uns nicht genommen werden kann und der uns wahre Sicherheit und unerschütterlichen Frieden schenkt.
Stehen wir zu unserer Halbherzigkeit in der Nachfolge Jesu; weichen wir dem Schmerz unserer christlichen Unvollkommenheit nicht aus und haben wir das Vertrauen, dass diese ehrliche Begegnung mit dem Herrn nicht spurlos an uns vorübergehen wird; sie wird uns vielmehr wandeln und bereiten für die wahre Freiheit und das ewige Erbe.

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