Dienstag, September 25, 2007

Er aber meinte den Tempel seines Leibes


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 2:13-22

13 Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
14 Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen.
15 Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um.
16 Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
17 Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.
18 Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?
19 Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
20 Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
21 Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
22 Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.



1726 wurde unsere Karmelitenkirche geweiht. Das sind nun 281 Jahre her. Jahr für Jahr gedenken wir dieses Ereignisses mit einer Feier im höchsten liturgischen Rang eines Hochfestes. Warum mit einem Hochfest? Weil damals vor 281 dieses Haus zum Höchsten unseres Lebens geweiht und bestimmt wurde: zum Gottesdienst!

Und dies in einem zweifachen Sinne:
Zum einen will in diesem Hause Gott selber zu uns herabkommen, um uns zu begegnen, um uns zu beschenken, um uns zu lieben – um uns zu dienen. Gottesdienst, weil Gott selber kommt, um uns zu dienen zu unserem Heil.
Es gibt eine Form des Dienstes Gottes an uns, die in diesem Hause besonders angeboten wird: Ich meine den Dienst der Versöhnung. Viele Male im Verlauf eines Jahres sprechen wir Priester reuigen Sündern im Namen des Herrn Vergebung ihrer Sünden und Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen zu. Sind wir besonders dankbar für diesen Dienst der Heilung und der Heiligung, den der Herr selber durch uns Priester vollzieht; ihr aber betet für uns Seelsorger, dass wir uns dieses Dienstes würdig erweisen und wir immer für diesen Dienst voll Liebe bereit sind.

Zum anderen wollen in diesem Hause wir Gott dienen, indem wir uns seinem Dienst öffnen, wir uns von IHM bedienen lassen, seine Liebe annehmen, sein Wort hören, die Speisen von Brot und Wein essen, die ER uns reicht und in der ER selber zu uns kommt; dadurch werden wir zu weiterem Dienst befähigt: dass wir Gott loben und ihn preisen, dass wir ihn bitten und ihm so unser ganzes Leben anvertrauen. Und wir vertrauen ihm unser ganzes Leben an, damit er es mehr und mehr zu einem ganzen Gottesdienst mache in der Welt, in der wir leben.
So wird dieses Haus zu einem Vorausbild für das Haus des Lebens, in dem wir uns aufhalten und in dem wir berufen sind, Zeugen der Liebe Gottes zu sein in seiner unergründlichen Tiefe und in seiner unermesslichen Vielfalt.
In diesem Haus der Kirche will Gott uns einführen in das Haus der Welt; in beiden ist Gott anwesend als der Lebendige, als der Verborgene, als der uns Liebende, als der, der auf unsere Antwort der Liebe wartet; als der Leidende und als der, der darauf wartet, dass wir ihn trösten in seinem Leiden durch unser frohes Helfen und unsere Bereitschaft, mit ihm zu leiden.
Der Gottesdienst in diesem Haus will uns rüsten und fähig machen zum Dienst an den Menschen in der Welt, in der wir leben.
In diesem Haus kommen wir beim Gottesdienst zum lebendigen Stein (1Pet 2:4ff.), der uns alle zu lebendigen Steinen machen will, damit wir dieses Haus in unserem Leben nachbilden und dort das lebendige Haus der Kirche bauen in einem Leben nach dem Evangelium, erfüllt vom Geist der Seligpreisungen und gegründet auf das eine Fundament: auf Christus, unseren Herrn!
Dieser ist nicht nur der Grundstein sondern auch der Schlussstein, der den Bau zusammenhält und vollendet. (vgl. Eph 2:20)

So begegnen wir in diesem Haus Gott als dem Ursprung und dem Ziel unseres Lebens; wir öffnen uns seinem Sohn, der uns in der Kraft des hl. Geistes die Gotteskindschaft erneuert und uns befähigt als Gottes Hausgenossen in dieser Welt zu leben, damit die Menschen unsere guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen. (Vgl. Mt 5:16)

So danken wir dem Herrn für das Werk der Erlösung, das er in diesem Haus hin und hin vollzogen hat und bitten ihn, er möge es auch weiterhin an uns und unseren Nachkommen vollziehen, damit wir ihn zu Recht als den gnädigen, allzeit barmherzigen und gerechten Gott preisen können, der nicht müde wird, uns durch seinen Sohn mit Erbarmen, Friede, Freude und Liebe zu überschütten.
Werden bloß wir auch nicht müde, im Vertrauen uns diesen Gaben zu öffnen und überreich davon zu leben und davon auszuteilen, so dass auch weiterhin von fünf Broten und zwei Fischen zwölf Körbe übrig bleiben! (Mt 14:19f.)
Gepriesen sei der Herr für seine Güte, die er immer in diesem Hause schenken möge. Amen!

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