Freitag, August 17, 2007

Nicht Frieden sondern Spaltung!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 12: 49 – 53

49 Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!
50 Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.
51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.
52 Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei,
53 der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.





Wenn Jesus heute im Evangelium sagt, er sei nicht gekommen um Frieden auf die Erde zu bringen sondern Spaltung (vgl. Lk 12:51), dann ist das kein verbaler Ausrutscher, den wir schnell wieder vergessen sollten.
Jesus gibt damit auch keine Rechtfertigung von kriegerischen Ereignissen, in welche die Kirche im Verlauf ihrer Geschichte verwickelt war.

Er weist mit diesen Worten auf eine Konsequenz hin, die sich aus dem ernsten Zusammenleben mit ihm für seine Jünger ergibt: Auf die Tatsache nämlich, dass Zusammenleben mit ihm immer wieder und unweigerlich zum Auseinanderleben mit anderen Menschen führt, die nicht oder nur halb in der Gemeinschaft mit Jesus leben. Dabei kann dieses Auseinanderleben gerade auch die nächsten Angehörigen betreffen.
Jesus zeichnet mit dem Wort von der Spaltung selbst in der Familie eine Situation, in der Menschen stärker mit Jesus verbunden sind als selbst mit den nächsten Familienangehörigen.
Dass diesen Menschen also die Harmonie mit Jesus mehr bedeutet als die Harmonie mit der eigenen Familie.

Diese Worte Jesu werden etwa Wirklichkeit, indem Petrus und die übrigen Jünger alles und alle verlassen und Jesus nachfolgen. Die heutigen Worte Jesu vermitteln jene Schärfe und jenen Schmerz der Trennung, den die ernsthafte Nachfolge Jesu unweigerlich in engste zwischenmenschliche Beziehungen bringt. Diese Schärfe und diesen Schmerz meint Jesus auch, wenn er meint, „er sei gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen und wie froh er wäre, es würde schon brennen.“ (Lk 12:49)

Die heutigen Worte Jesu haben sich im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder verwirklicht: Beispielhaft etwa in der Trennung des Franz von Assisi von seinem Vater;
oder in der Trennung des Niklaus von der Flüe von seiner Familie.
All diese Ereignisse zeigen: Je klarer die Entschiedenheit für Jesus um so markanter die Trennung und Lösung von jenen, die nicht oder nur halb für Jesus sind.

In unseren Tagen werden die Worte Jesu Wirklichkeit in der Auseinandersetzung mit fernöstlichen und esoterischen Heilslehren, die mit Jesus nichts zu tun haben und sich dennoch an das Christentum anbiedern möchten.

Wenn wir das so bedenken, dann müsste uns ein Leben in Harmonie mit allem und mit allen ohne Spaltung und Zwietracht eigentlich nachdenklich stimmen: Müssten nicht Auseinandersetzungen, Grenzziehungen und in der Folge dann Trennungen im Sinne des heutigen Evangeliums Kennzeichen eines überzeugten christlichen Lebens sein?
Wo geschehen diese Spannungen in unserem Leben? Und wenn unser Leben total spannungslos ist, wie ernst ist es uns da noch mit unserem Glauben, mit unserer Beziehung zu Jesus, mit unserem christlichen Leben?

So wir diesen Fragen nachgehen, wird eines klar: Die Auseinandersetzungen, Konflikte, Trennungen, die sich um Jesu willen im zwischenmenschlichen Bereich ereignen, vollziehen sich zuerst in uns selber.
In uns selber ereignen sich zuerst das Berührt werden von Jesus, dann das Betroffensein, dann die Einsicht radikaler Umkehr und Änderung und schließlich der Entschluss, diese Einsicht in unserem Leben zu verwirklichen.

Spiegelt sich also in einem äußerlich ruhig gehaltenen Leben meine mangelnde innere, christliche Überzeugung wider?
Mitnichten, antwortet die Allgemeinheit, denn Religion sei Privatsache, das geht niemanden etwas an!

Aber stellt nicht gerade das heutige Evangelium klar, dass Jesus absolut nicht dieser Meinung ist? Im Gegenteil! Weil die Beziehung zu Jesus eben keine Privatsache ist, darum kommt es ja zu Konflikten, Auseinandersetzungen, Spaltungen und Zwietracht.
Ist die Rede von Religion als Privatsache nicht eigentlich uneingestandene religiöse Überzeugungslosigkeit?

Jesus möchte, dass das Feuer brenne, das er gekommen ist auf die Erde zu werfen.
Was heißt das anderes als dass meine, deine, unsere Beziehung zu Jesus unser Leben und das Leben um uns verändere?

Wir wollen darum beten:
Gott, im Blick auf Jesus, deinen Sohn, bitten wir dich: Schenk uns die Entschlossenheit und den Mut, dich vor den Menschen zu bezeugen. Durch ihn, Christus, unseren Herrn. Amen!

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