Samstag, Juli 14, 2007

Herr, lehre uns beten!


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 11:1 – 13

1 Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. 2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
3 Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
4 Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!
7 wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,
12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.



Es muss den Jüngern gefallen haben, wie Jesus gebetet hat; darum hat dann auch einer von ihnen zu Jesus gesagt:
„Herr, lehre uns beten.“ (Lk 11:1)
Jesus hingegen hat es nicht grundsätzlich gestört, dass seine Jünger ihm beim Beten zuschauen.
Gewiss gibt es da im Evangelium Situationen, in denen Jesus lieber alleine beten will und in denen er seine Jünger wegschickt; (vgl. Mt 14:22f) und auch auf dem Ölberg entfernt sich Jesus so weit von seinen Jüngern, dass er beim Gebet allein ist. (vgl. Mk 14:35f parr)
Das heutige Evangelium zeugt jedoch von einer Atmosphäre der Vertrautheit, der Freundschaft und der Familiarität, die zwischen Jesus und seinen Jüngern da war. Und es ist diese Atmosphäre, die den Jüngern das Interesse und die Freude am Gebet ermöglicht; und es ist auch diese Atmosphäre wie eine Brücke, auf der Jesus den Jüngern sein Beten vermitteln kann.
Wir merken bereits, dass Jesus beim Beten eine Beziehung zu Gott hat, die er nicht für sich exklusiv aussondert: Seine Jünger dürfen ihm dabei zuschauen; sie dürfen nach seinem Beten fragen; sie dürfen beten wie er; sie dürfen beten mit ihm.
Diese Haltung Jesu hat Paulus im Brief an die Philipper einmal so beschrieben:
„Jesus war Gott gleich.
Er betrachtete dieses Sein wie Gott aber nicht als seine Beute sondern er leerte sich aus.“ (Phil 2:6f)
Und dieses Sich Ausleeren geschieht dann, indem er ihnen das Beten – sein Beten – lehrt:
„Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, ...“ (Lk 11:2)
Allein schon dieses Beginnen mit „Vater“ sagt uns, dass die angesprochene Atmosphäre der Freundschaft zwischen Jesus und den Jüngern herrührt von Jesu Beziehung zum Vater. Die Vertrautheit mit den Jüngern hat seinen Grund in Jesu Geborgenheit beim Vater. Die Familiarität zwischen Jesus und seinem Vater weitet sich im „Vater unser“ Gebet Jesu aus auf die Gemeinschaft mit seinen Jüngern. Oder noch einmal anders gesagt: Beim Beten des „Vater unser“ werden die Jünger in die Familie Gottes hinein genommen.
Das ist eigentlich schon das Wesentliche beim Beten, so wie Jesus es uns lehrt: Gott als einen väterlichen Freund sehen und ansprechen.
Darum spricht Jesus auch nicht von Gebetsmethoden und Meditationstechniken; darum macht er auch nicht viele Worte. Es geht um eine glaubende und vertrauende Haltung des Herzens Gott gegenüber. Das macht das Beten aus und das genügt zum Beten.
In den folgenden Bitten des Vaterunsers formuliert sich dieses gläubige Vertrauen aus, indem es von Gott, dem Vater, die Gewährung und Gestaltung der wesentlichen Lebensräume erwartet:
Den Lebensraum der Beziehung zu Gott, also den religiösen Lebensraum;
den materiellen Lebensraum; und schließlich
den negativen Lebensraum, der gekennzeichnet ist von unserer Schuld und Sünde und von unserer Verführbarkeit.
Unser gesamtes Leben auch in seiner heutigen komplizierten Vielfalt ist auf diese drei Lebensräume zurückführbar.

Wie sehr Jesus mit dieser seiner Gebetshaltung in der Tradition seines Volkes steht erzählt uns die erste Lesung, in der Abraham für die Städte Sodom und Gomórra bittet. (Gen 18:20-32)
Bereits in dieser Geschichte sind eine Vertrautheit mit Gott und ein Vertrauen zu Gott bemerkbar, das im Leben Jesu freilich eine unüberbietbare Dichte erhält.
Was uns die Geschichte mit Abraham und das Evangelium sagen wollen ist dies, dass Gott sich von unserem Beten berühren lässt, weil er ein barmherziger und gnädiger Gott ist, ein Gott mit Herz. Ermutigen nur wir uns von mal zu mal zu jenem Vertrauen,
das bittet, bis es erhält,
das sucht, bis es findet und
das anklopft bis ihm geöffnet wird.

In diesem Vertrauen wollen wir beten:
Heiliger Gott, wir dürfen dich Vater nennen und mit den Worten deines Sohnes zu dir beten. Lass dein Reich unter uns wachsen und schenke uns den Glauben an deine Sorge um uns. Durch Christus, unseren Herrn. - Amen!

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