Samstag, Juli 14, 2007

Geh und handle genauso!


 Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 10: 25 – 37

25 Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
26 Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.
28 Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben.
29 Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
30 Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen.
31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter.
32 Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.
33 Dann kam ein Mann aus Samárien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid,
34 ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
35 Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?
37 Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!




Wir haben eben das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gehört. Damit wollte Jesus Antwort geben auf die Frage, wer unser Nächster sei: Es ist derjenige, der gerade unsere Hilfe braucht!
Dabei spielt es keine Rolle, ob der Hilfsbedürftige ein Verwandter ist oder ein Freund. Es spielt einzig eine Rolle, ob er Hilfe braucht! Und zwar meine! Ich muss die Not meines Nächsten sehen als eine Einladung an mich, ihm zu helfen.
Dabei müssen alle anderen Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe, zurückstehen. Der Nächste in Not darf sich an die erste Stelle meiner Interessen drängen. Jesus gibt ihm im heutigen Gleichnis die Erlaubnis dazu. Was für ein weites Herz zeigt sich doch in den Worten Jesu? Welch eine barmherzige Liebe? Da sehen nicht nur die Augen; da sieht auch das Herz!

Um das müssen wir bitten: dass wir zu den sehenden Augen ein sehendes Herz bekommen; denn oft genug sehen zwar unsere Augen; unser Herz jedoch verhärtet sich und bleibt verschlossen.

Es ist eine gute Einübung in die Haltung des barmherzigen Samariters, wenn wir uns jeden Tag frühmorgens einige Augenblicke darauf besinnen, welche Ziele wir uns für heute vornehmen und dann auch unsere Nächsten ins Herz fassen, denen wir erwartungsgemäß und unerwartet begegnen werden.
Es ist allein das schon ein großer Gewinn, wenn wir unseren Angehörigen in der Haltung des barmherzigen Samariters begegnen wollen.
Und dann am Abend der Rückblick auf den vergangenen Tag: Wo habe ich mich wie der barmherzige Samariter verhalten und wo war ich der Levit oder der Priester, der wohl gesehen hat – aber dennoch vorbeigegangen ist am Nächsten in Not.

Wenn ich mich so teils voll Freude teils voll Reue an die Haltung des barmherzigen Samariters gewöhne und sie allmählich zu meiner Haltung mache – dann darf ich dabei wissen, dass im barmherzigen Samariter sich Jesus selber verbirgt.
Und dass dieser Jesus an mir auch Samariterdienst tut, in dem er mir meine Sünden vergibt; in dem er zu mir Worte des Friedens, der Freude, des Lebens spricht; in dem er zu mir kommt im Brot des Lebens, in der hl. Kommunion.

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter macht Jesus uns auch klar, warum es nicht immer leicht ist, barmherziger Samariter zu sein: Es bedeutet Mühe, Rücksichtnahme, Belastung. Der Weg des Samariters ist ein Weg in Gemeinschaft; der Samariter geht nicht allein wie der Levit und der Priester; er geht in Begleitung.
Darum müssen wir in der Wandlung zum Samariter immer wieder einen bewussten Schritt tun heraus aus unserem Alleinseinwollen, aus unserem Ungestörtseinwollen hinein in die Gemeinschaft mit dem, der gerade unsere Hilfe braucht. Dass das nicht unbedingt der Trend der Zeit ist, liegt auf der Hand.
Aber ist der Trend Jesu und des Evangeliums; es ist der Trend der Menschlichkeit und der Caritas.
Und wenn wir wirklich wollen, dass es in unserer Welt besser wird, dann müssen wir diesem Trend folgen; dazu will uns Jesus durch sein Wort ermutigen und durch die hl. Kommunion stärken.

Wir wollen beten:
Gott, du willst uns begegnen in den Menschen. Öffne unseren Blick für die Schwestern und Brüder, die auf uns warten und die unsere Hilfe brauchen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen!

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