Samstag, Juli 14, 2007

Das Reich Gottes ist nahe!




Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 10: 1 – 12.17 – 20


1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
3 Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!
5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!
6 Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.
7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.
9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.
10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft:
11 Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe.
12 Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.
17 Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.
18 Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.
19 Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können.
20 Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.






Wenn Jesus im heutigen Evangelium 72 Jünger zu zweit aussendet in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte, dann ist das Programm interessant das er ihnen mit auf den Weg gibt.
Diese 72 Jünger sind ein Vorbild für die Kirche unserer Tage. Wir finden darum im heutigen Evangelium eine Antwort auf die Frage, was wir im Auftrag Jesu in dieser Welt tun sollen.
Sollen wir viel haben? Nein, denn ohne Geldbeutel, ohne Vorratstasche, ohne Schuhe schickt Jesus seine Jünger auf den Weg. (vgl. Lk 10:4)
Sollen wir viel reden? Nein, denn ohne viele Worte schickt Jesus seine Jünger auf den Weg: „Grüßt niemand unterwegs!“ (Lk 10:4) trägt er ihnen auf.
Was sollen sie also tun?
„Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ (Lk 10:5)
Dieser Friede soll nicht nur in ihren Worten zum Ausdruck kommen sondern auch in ihrem Verhalten: „Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes.“ (Lk 10:7) Das Bleiben können und das Essen können was auf dem Tisch kommt sind äußere Zeichen für eine innere Haltung des Friedens. Sie sollen sich niederlassen können und dabei nicht wählerisch sein und nörgeln.


So sollen seine Jünger eine Atmosphäre des Friedens schaffen als Vorbereitung, als Voraussetzung, als Nest für ihre eigentliche Botschaft, dass nämlich das Reich Gottes nahe ist!


Diese Haltung des Friedens ist auch für uns erstrebenswert. Das tut uns gut wie auch jenen, mit denen wir beisammen sind. Wie könnte diese Haltung bei uns etwa ausschauen?
Zum Beispiel so, dass wir bei einem Besuch oder bei einer Begegnung ganz dabei sind; dass wir nicht schon an das denken, was wir als nächstes tun sollen; dass wir also das Vorher und das Nachher zurückstellen, um ganz bei dem Menschen sein zu können, dem wir gerade begegnen. Jeder von uns hat da sicher schon seine Erfahrungen gemacht und er weiß wie mühsam das oft ist.


Ein Beitrag zu diesem Frieden kann dann etwa auch der sein, dass wir unsere Friedlosigkeit eingestehen und sagen, dass wir jetzt gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt sind oder dass wir uns momentan nicht auf eine Begegnung einlassen können und das lieber ein andermal in Ruhe tun möchten.


Zeichen für so eine Friedenshaltung wäre dann auch die Zufriedenheit, die das essen kann, was auf den Tisch kommt und die das annehmen kann, was einem geschenkt wird. Wie oft haben wir da doch Gelegenheit unsere Friedfertigkeit unter Beweis zu stellen!


Oder wenn wir etwas geschenkt bekommen! Dieses Geschenk anzunehmen ohne dabei gleich zu fragen: Was muss ich dafür tun? Wie muss ich dieses Geschenk vergelten? Was steckt hinter diesem Geschenk - welche unausgesprochene Forderung? Soll ich etwa damit bestochen und gekauft werden?


Wenn Jesus 72 Jünger aussendet, dann meint er zu allen Menschen; denn man glaubte damals, die Gesamtbevölkerung der Erde setzte sich aus 72 Völkern zusammen. Nun – zu allen Menschen zählen zuerst unsere nächsten Angehörigen. Unsere Hausgenossen sind die ersten, zu denen Jesus uns schickt mit der Haltung des Friedens und mit der Botschaft von seinem Reich – das vergessen wir allzu leicht; wohl deshalb, weil es nicht leicht ist, gerade mit den Leuten, mit denen wir täglich beisammen sind, in Frieden auszukommen;


Wie sind die eben beschriebenen Haltungen des Friedens möglich? Sicher nicht wenn ich allein dastehe! Sehr wohl aber, wenn jemand hinter mir steht, der mich beauftragt, der mir eine Botschaft gibt, wie Jesus den Jüngern, wie Jesus auch uns: die Botschaft, dass das Reich Gottes nahe ist!
Das ist es nämlich: Wenn ich an diese Botschaft glaube und sie für wahr halte, dann ist das so etwas großes, dass es tatsächlich gleichgültig ist ob vor mir auf dem Tisch nun eine Brennsuppe steht oder ein Zigeunerspieß oder eine Schwarzwälder Kirschtorte.


Ein weiteres Zeichen für die Nähe des Reiches Gottes ist die Sorge um die Kranken; darum trägt Jesus seinen Jüngern auch auf: „Heilt die Kranken, die dort sind!“ (Lk 10:9) Es ist ein sicheres Zeichen für die Nähe des Reiches Gottes, wenn die Kranken gut behandelt werden; wenn sie besucht und gepflegt werden - sei es zu Hause oder im Krankenhaus.


Selbst dort, wo die Jünger nicht aufgenommen werden, sollen sie die Nähe des Reiches Gottes verkünden; gegen Widerstand und Ablehnung sollen sie die Botschaft vom Reich Gottes stellen.
Das ist eine heikle Sache; da braucht es Rückgrat und Überzeugung: dort vom Reich Gottes zu reden, wo einem der Wind ins Gesicht bläst; dort die Botschaft Jesu zu vertreten, wo man mit massivem Liebesentzug rechnen muss. Spätestens in solchen Situationen weißt du, was du am Reich Gottes hast oder nicht hast und wie sehr du in diesem Reich Gottes lebst oder bloß deinen Vorteil und den Weg des geringsten Widerstandes suchst.


Ja, und dann kommen sie, die Jünger – voll Freude darüber, dass ihnen sogar die Dämonen gehorchen. Die müssen so was wie ein totales Erfolgserlebnis gehabt haben.
Die Antwort Jesu rückt zurecht: „Freut euch nicht darüber, dass euch die Dämonen gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“ (Lk 10:20)
Man möchte doch meinen, Jesus sollte sich mit seinen Jüngern freuen, dass sie seine Mission so erfolgreich erledigt haben.
Aber Jesus ist kein Miesmacher; er lenkt die Freude der Jünger auf etwas anderes: weg vom Erfolg auf Erden – hin zum Erfolg im Himmel; der Erfolg auf Erden vergeht – was aber im Himmel geschieht, das bleibt.
Viele Schüler freuen sich in diesen Tagen über ihre guten Noten und sind traurig über weniger gute; die Eltern freuen sich und trauern mit. Ihnen besonders gelten die Worte Jesu:
„Freut euch nicht über eure guten Noten und seid nicht traurig über die weniger guten; sondern freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind;“ d.h.: freut euch, dass Gott euch im Auge und im Herzen hat; dass er an euch denkt; dass er euch liebt – das ist der einzige Grund wahrer Freude!


Wir wollen beten: Gott, auch wir dürfen das Kommen deines Reiches ankündigen. Hilf uns, deinen Frieden und deine Freude zu den Menschen zu bringen. Durch Christus, unseren Herrn! – Amen!

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