Samstag, Juli 14, 2007

Das Bessere erwählen!


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 10:38 – 42

38 Sie zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf.
39 Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.
40 Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
41 Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.



Wir merken im Evangelium schon im ersten Satz, dass Marta die Herrin im Haus ist: Sie ist es, die Jesus freundlich aufnimmt; und sie ist dann auch ganz davon in Anspruch genommen für ihn zu sorgen. Für sie kommt in Jesus einer zu Besuch, dem sie etwas Gutes zum essen und trinken vorsetzen möchte und den sie mit ihrer Gastfreundschaft verwöhnen möchte – ebenso oder vielleicht mehr noch als sonst einen guten Freund und Bekannten.
Ihre Gastfreundschaft hat Marta ganz schön in Schwung oder wie wir heute gern sagen: in Stress gebracht; das meint Jesus, wenn er sie mit leichtem Tadel anspricht: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.“ (Lk 10:41)

Wir können uns darum sehr gut vorstellen, wie Maria mehr und mehr zu einem roten Tuch für Marta wird: denn wie ein Gegenpol zur emsigen und wirbeligen Marta sitzt Maria ruhig zu Füßen Jesu und tut überhaupt nichts oder sagen wir fast nichts: denn sie hörte nur Jesu Worten zu! (Lk 10:39)
Wohl auch für die meisten von uns ist das Verhalten der Maria schwer zu ertragen;
wohl auch die meisten von uns werden wie Marta der Meinung sein, Maria möge ihr bei der Bewirtung Jesu helfen.
Marta dachte wohl, Jesu sei wie die meisten von uns ihrer Meinung; und sie sagt zu ihm beinahe vorwurfsvoll: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir alleine überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ (Lk 10:40)
Sie wendet sich mit ihrer Klage und ihrer Bitte gleich an Jesus, weil der doch immer wieder betont, dass Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und überhaupt die Nächstenliebe so wichtig ist;
und dann wird Jesus wohl kaum gegenteiliger Meinung sein, da doch sie ihn eingeladen und aufgenommen hat und da doch sie sich so sehr um sein Wohlergehen bemüht.
Sie hat gewiss erwartet, Jesus wird zu Maria sagen:
„Ja, ja, geh nur und hilf deiner Schwester du kannst mir ja nachher wieder zuhören zusammen mit deiner Schwester.
Aber nein: In großer Freiheit wagt es Jesus, in diesem Punkt nicht mit der Hausherrin einer Meinung zu sein und ihr die gewiss herbe Antwort zu geben:
„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
Aber nur eines ist notwendig.
Maria hat das Bessere erwählt,
und das soll ihr nicht genommen werden.“ (LK 10:41f.)

Aus dieser Antwort Jesu ersteht die Frage: Was ist nun das Eine Notwendige, das Jesus meint?
Und worin besteht das Bessere, das Maria erwählt hat und das ihr nicht genommen werden soll?

Antwort auf diese Fragen finden wir nicht nur im Blick auf das heutige Evangelium allein sondern auch im Blick auf die Sendung und die Aufgabe Jesu. Und die Aufgabe Jesu ist es, zu verkünden, dass das Reich Gottes nahe ist. Wenn er darum bei wem auch immer zu Besuch kommt, dann lässt er seine Aufgabe nicht mit den Schuhen vor der Tür stehen um sich von seinem Gastfreund bedienen und verwöhnen zu lassen. Die Nähe des Reiches Gottes ist nicht wie ein Kleid, das er ablegen oder wechseln könnte; die Nähe des Reiches Gottes ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen so sehr, dass in ihm selber, in seinen Worten und Taten, das Reich Gottes nahe gekommen ist. Darum gilt für Jesus durchgehend, was er einmal von sich selber gesagt hat, dass „er nämlich nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen sondern selber zu dienen.“ (Mk 10:45parr.)
Und das gilt natürlich auch für den Besuch bei Marta.

Darum ist das einzig notwendige die Nähe des Reiches Gottes und somit die Nähe Jesu.

Und worin besteht nun das Bessere, das Maria gewählt hat?
Sie hat im Gegensatz zu Marta begriffen, worum es Jesus bei seinem Besuch geht: Er will sich bei ihnen beiden nicht ausruhen, er will nicht abschalten, er will sich nicht den Bauch voll schlagen.
Er will auch hier die Botschaft von der Nähe des Reiches Gottes loswerden. Maria spürt, dass Jesus diese Botschaft wie eine glückliche und beseligende Last mit sich trägt und dass ihm nichts mehr Freude bereitet, als wenn er diese Botschaft Menschen weitergeben kann. Darum hat Maria es auch als das Bessere erkannt, sich dem Herrn zu Füßen zu setzen und seinen Worten zuzuhören.
Und dass Maria keinen Belanglosigkeiten zugehört hat kommt allein schon dadurch zum Ausdruck, dass Maria sich dem Herrn zu Füßen setzt. Mit diesem „Zu Füßen sitzen“ wird nämlich eine Lehrer-Schüler-Beziehung angedeutet. Maria hört als Schülerin, was Jesus, der Lehrer, ihr zu sagen hat.

Das heutige Evangelium ist darum eine sehr einfache und sehr einprägsame Unterweisung für unser christliches Leben: Das Eine Notwendige ist auch für uns, die Nähe Jesu zu suchen; und das Bessere, das wir dabei erwählen ist immer, auf die Worte dieses nahen Jesus zu hören.

Diese Unterweisung gilt jeden Gottesdienst: Wenn wir Jesus dabei freundlich aufnehmen, dann nicht, um ihn mit einer halben oder einer dreiviertel Stunde zu bedienen und ihm die Lieder und Gebete vorzusetzen, die wir in dieser Zeit beten oder singen. Es sollte uns einzig darum gehen, die Nähe dieses Jesus zu suchen, uns zu seinen Füßen zu setzen und seinen Worten zuzuhören; er hat jedem von uns etwas zu sagen, jedem in seiner ganz eigenen und konkreten Situation; wir müssen nur unsere Geschäftigkeit ablegen und unsere Ohren für ihn öffnen.
Diese Unterweisung gilt natürlich auch für alles, was uns im Alltag bewegt, durcheinander bringt, belastet, quält und ängstigt.
Erste Lesung (Gen 18:1-10a) und Evangelium sagen es uns ganz deutlich:
Der Segen in unserem Leben kommt daher, dass wir den Herrn bei uns aufnehmen, um seine Nähe zu suchen, bei ihm zu bleiben und seinen Worten zuzuhören.

Wir wollen beten:
Herr Jesus Christus, du bist unter uns. Gewähre uns, dass wir auf den Wegen, auf denen du uns entgegenkommst, dir begegnen, dich bei uns aufnehmen und auf dein Wort hören; der du lebst und waltest in Ewigkeit. - Amen!

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