Samstag, Juli 14, 2007

Wo dein Schatz ist da ist auch dein Herz!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 12:32 – 48


32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.
33 Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst.
34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
35 Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! 36 Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.
37 Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.
38 Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.
39 Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
40 Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
41 Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?
42 Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?
43 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
44 Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.
45 Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht,
46 dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
47 Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.
48 Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenige Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.










„Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ Jesus meint seine Jünger mit der kleinen Herde. Er spricht mit diesen Worten ihre Sorge um alltägliche Bedürfnisse an: um Essen, Trinken und Kleidung. Das alles soll nicht ihre erste Sorge sein, denn darum kümmert sich der Vater im Himmel. Ihnen muss es um das Reich gehen; dann wird ihnen das andere dazugegeben. Jesus möchte das Streben seiner Jünger zuerst auf das Reich ausrichten. Dieses vorrangige Streben seiner Jünger läuft nicht ins Leere. Vielmehr entspricht ihm der Beschluss ihres Vaters im Himmel, ihnen dieses Reich auch zu geben.

Dieser Beschluss soll die Entschlossenheit der Jünger für dieses Reich begründen. Doch was ist mit diesem Reich gemeint? Sogleich kommt die Bitte des Vater unser Gebetes in den Sinn: „Dein Reich komme!“ In diesem Gebet wird der Vater im Himmel angesprochen. Es geht also um das Reich Gottes. Das befreit von Angst und Furcht, denn mit dem Reich Gottes ist seine Herrschaft gemeint.

Wir dürfen mit Recht annehmen, dass dieses Trostwort auch uns meint. Durch die Taufe gehören wir zu den Jüngern Jesu und somit zu seiner kleinen Herde. Zwar sind die Christen weltweit bereits über eine Milliarde an Zahl; dennoch erleben wir uns im Alltag oft genug als kleine Herde. Worin mögen wohl unsere Ängste bestehen? Was befürchten wohl wir? Der Vater, unser Vater hat beschlossen auch uns das Reich zu geben. Streben also auch wir entschlossen diesem Reich zu. Lassen wir uns von unseren Ängsten nicht lähmen und auffressen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass unser Schatz noch nicht im Himmel ist; dass wir unseren Schatz von Dieben und Motten bedroht erleben; dass wir unseren Schatz im ängstlichen Kreisen um uns selber suchen weil wir selber unser Schatz sind, an dem unser Herz hängt. Wie kommen wir von uns selber los? Jesus antwortet: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.“ (Lk 9:24) Um Jesu willen sein Leben verlieren, heißt sich abwenden von sich und sich Jesus zuwenden und sich so öffnen für das Reich, das unser Vater uns geben will. Und dieses Reich ist genau sein Sohn Jesus Christus.

Denken wir nur an Maria, die Mutter Jesus: Ihr sagte der Engel auch: „Fürchte dich nicht!“ Und wie sie sich daraufhin eingelassen hat auf seine Botschaft hat sie sich dem Reich geöffnet, das ihr Vater beschlossen hatte, ihr zu geben, indem sie in der Kraft des hl. Geistes seinen Sohn empfangen hat. Wir sehen, das Reich Gottes und Jesus Christus sind ein und dasselbe.
Oder denken wir nur an den Apostel Paulus (2Kor 4:6-18): Er hat klar Jesus Christus als den Sohn Gottes erkannt; das ist für ihn ein Schatz, ja, der Schatz schlechthin. Um diesen Schatz zu gewinnen, wird ihm alles Übrige zum Unrat, den er aufgibt (vgl. Phil 3:8f.)

Und Paulus ist sich bewusst: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.“ (2Kor 4:7-9) „Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig; wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende, und seht: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet; uns wird Leid zugefügt, und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles.“ (2Kor 6:8-10)
Verstehen wir nun, was es heißt, dass wir keine Angst zu haben brauchen, vor nichts und vor niemand, weil unser Vater uns das Reich geben will?
Verstehen wir nun wie so ganz und gar Jesus Christus selber dieses Reich ist?

Lassen wir uns doch dieses Reich schenken: Im Lesen der hl. Schrift und da besonders des Evangeliums, in der Feier der Eucharistie, im Sakrament der Buße und im Dienst an unserem Nächsten in der Familie, in der Freundschaft, im Beruf, in unserer Pfarre.

Erwählen wir Jesus zu unserem Schatz und lassen wir unser Herz IHM gehören dann sind wir in keiner Einsamkeit allein, in keiner Traurigkeit ohne Freude, in keiner Hoffnungslosigkeit ohne Zuversicht, in keiner Ohnmacht ohne Stärke, in keiner Verletzung ohne Bereitschaft zur Vergebung, in keiner Dunkelheit ohne Licht, in keinem Sterben ohne Leben. Amen!

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